Facebook-Mitarbeiter sprachen von «freundlichem Betrug»

Für Game-Zusätze geben Kids Geld aus – auch ohne Wissen der Eltern. Interne Memos geben jetzt Einblick in die Geschäftstaktik.

Spiele auf der Facebook-Plattform sind bei Kindern beliebt.

Spiele auf der Facebook-Plattform sind bei Kindern beliebt. Bild: Keystone

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Die jüngsten Enthüllungen zu Facebook kommen für Mark Zuckerberg zur Unzeit. Erst in der vergangenen Woche hatte der Facebook-Gründer in einem Beitrag für die renommierte Wirtschaftszeitung «Wall Street Journal» die Integrität und Geschäftsprinzipien seines Unternehmens verteidigt. Vor allem wehrte sich Zuckerberg gegen den Vorwurf, Facebook verkaufe Kundendaten.

Gerade freigegebene Akten und interne Memos aus einem Rechtsstreit in den USA werfen jedoch erneut ein schiefes Licht auf das Geschäftsgebaren des Unternehmens. Facebook wurde verklagt, weil das soziale Netzwerk wissentlich zugelassen haben soll, dass Kinder ohne Einverständnis der Eltern viel Geld für kostenpflichtige Zusatzinhalte von Spielen ausgeben. Beispiele dafür sind beliebte Titel wie «Angry Birds» und «Petville», die auf Facebook gespielt werden können.

Als Erstes berichtete «Reveal» über die Vorgänge bei Facebook, ein Internetportal für investigativen Journalismus. Zwar kam es im Jahr 2016 zu einer aussergerichtlichen Einigung. Die Dokumente geben aber ungefilterte Einblicke in die Firmenkultur von Facebook. Nicht nur bezeichneten Mitarbeiter das Vorgehen bei den minderjährigen Kunden als «freundlichen Betrug».

Auch bezeichneten zwei Angestellte im Jahr 2013 einen 15-jährigen Facebook-Nutzer, der 6500 Dollar für Spiele ausgegeben hat, als «Wal». Diesen Begriff verwenden die Betreiber von Casinos, um Menschen zu beschreiben, die viel Geld einsetzen. Facebook lehnte Entschädigungsforderungen der Eltern ab.

Sinkender Aktienkurs

Schliesslich offenbaren die Akten: Facebook hat Massnahmen erwogen, damit Kinder nicht ohne Wissen der Eltern Kreditkarten belasten können. Trotzdem hat das Unternehmen nichts unternommen – aus Angst um die Wachstumsziele und den Aktienkurs.

Die interne Debatte darüber, inwiefern Facebook Kinder und Teenager einschränkt, fand in den Jahren 2010 bis 2014 statt. In diese Periode fällt auch der Börsengang des sozialen Netzwerks, der im Jahr 2012 erfolgt ist. Der sinkende Aktienkurs erhöhte damals den Druck auf Konzernchef Zuckerberg und sein Management, mehr Umsatz zu erwirtschaften.

Facebook teilte zu den Vorwürfen mit, die Firma habe Entschädigungen angeboten und ihre Geschäftsmethoden geändert. «Wir untersuchen routinemässig unsere eigene Praxis und haben uns 2016 bereit erklärt, unsere Bedingungen zu aktualisieren und spezielle Ressourcen für Rückerstattungsanträge im Zusammenhang mit Einkäufen von Minderjährigen auf Facebook bereitzustellen», hiess es am Hauptsitz im kalifornischen Menlo Park.

Konsumentenschützer empfehlen für den Kauf von digitalen Inhalten sogenannte Prepaid-Kreditkarten.

Die aktuellen Vorfälle rufen Konsumentenschützer auf den Plan. US-Organisationen gaben Tipps heraus, wie Eltern ihre Kinder besser schützen können. Die Ratschläge haben auch hierzulande Gültigkeit.

Die Konsumentenschützer empfehlen für den Kauf von zusätzlichen digitalen Inhalten sogenannte Prepaid-Kreditkarten, auf die zuerst ein Guthaben geladen werden muss. Weiter verweisen die Organisationen auf die Kinderschutz-Funktionen von Smartphones, mit denen Erziehungsberechtigte die Einkäufe der Kleinen kontrollieren können.

Facebook war bereits im vergangenen Jahr stark in die Kritik geraten. Es ging unter anderem um die Rolle des Online-Netzwerks im US-Wahlkampf 2016 und den Datenskandal um Cambridge Analytica. Dabei fordert die Politik immer wieder auch eine strengere Regulierung von Technologiefirmen.

Video: «Die Dummen teilen ihre Daten auf Facebook»

Online-Chef Michael Marti sagt, weshalb 2018 für Facebook der Anfang vom Ende war. Video: Lea Koch, Anja Ruoss (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 28.01.2019, 17:39 Uhr

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