Fall Homm: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Zürcher Bankchef

Der Chef der Leodan Privatbank und sein operativer Leiter werden verdächtigt, dem deutschen Financier Florian Homm geholfen zu haben, Millionen zu waschen.

Gegen Financier Florian Homm und seinen Schweizer Banker wird wegen Geldwäscherei ermittelt. Foto: Ben Kilb (Laif)

Gegen Financier Florian Homm und seinen Schweizer Banker wird wegen Geldwäscherei ermittelt. Foto: Ben Kilb (Laif)

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Die Bundesanwaltschaft führt ein Strafverfahren gegen den Chef der Zürcher Privatbank Leodan, bis vor kurzem Privat- und Handelsbank Zürich (PHZ). Sie wirft ihm und dem operativen Leiter der Bank vor, Gehilfen in einem gross angelegten Geldwäschereisystem gewesen zu sein. Es geht um die Millionen des Deutschen Financiers Florian Homm. Bankchef E.* und sein Mitarbeiter sollen Homm und seiner Ex-Frau Susan D. geholfen haben, mit Geldtransaktionen in Millionenhöhe die Vermögenswerte vor der Justiz und geschädigten Anlegern zu verstecken. Die umfangreichen Schweizer Ermittlungen gegen Homm und seine Schweizer Helfer machte die «SonntagsZeitung» gestern publik.

Homm wird in den USA vorgeworfen, Anleger um 200 Millionen Dollar geprellt und mehr als die Hälfte davon als persönlichen Gewinn eingestrichen zu haben. Zu den Hauptfiguren in der Schweiz gehört einerseits der Zürcher Treuhänder M.* Gemäss Gerichtsdokumenten aus den USA und einem Ermittlungsbericht der Schweizer Bundes­anwaltschaft gehen die Strafverfolger davon aus, dass Homm und Susan D. Vermögenswerte im Umfang von rund 65 Millionen Dollar über Firmenkonstrukte des Zürcher Finanzdienstleisters schleusten. Schwere Vorwürfe erheben die Ermittler anderseits gegen Bankchef E. In einer Klageschrift vom 1. Juni dieses Jahres gegen Susan D. an einem Gericht in Florida wird er als «persönlicher Banker» von Homm und seiner Ex-Frau bezeichnet. Die Ermittler werfen ihm schwere Verstösse gegen Anti-Geld­wäscherei-Regeln vor.

So willigte er ein, dass für Susan D. am 7. August 2007 rund 7,5 Millionen Euro von einem ihrer Konten bei der CBH-Bank in Zürich abgehoben wurden. Er war dort ihr Kundenberater. Gleichentags wurde die Summe auf einem anderen Konto von Susan D. wieder einbezahlt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Banker und Susan D. damit den sogenannten «paper trail» (die Geldspur) verwischen wollten. Um die wahre Herkunft des Geldes zu verschleiern, sollen E. und seine Kundin Bankunterlagen gefälscht haben. Susan D. sagte in ihrer Einvernahme bei der Bundes­anwaltschaft, sie habe die Transaktion auf Anraten von E. getätigt.

Deckname Julia Brown

Für die Ermittler ist klar: E. war bei ­Susan D.s rechtswidrigen Finanzgeschäften mit im Boot. Sie brauchte dazu ­seinen Rat. So fragte sie ihn in einer ­E-Mail im Zusammenhang mit einer Überweisung von 25'000 Euro von ihrem Konto für die Liechtensteiner Brek-­Stiftung: «Ich will nicht, dass es direkt aus meinem Brek-Konto kommt. (. . .) Ich will nicht, dass die spanischen Behörden gierig werden und einen Teil meines Geldes wollen. Wie können wir das Geld überweisen, ohne Probleme zu ver­ursachen?» Zur Entgegennahme von ­Anweisungen verwendete E. häufig eine private E-Mail-Adresse – Susan D. verwendete den Decknamen Julia Brown.

E. betreute die Geldgeschäfte von Susan D. auch, nachdem er 2009 die PHZ-Bank mitbegründet hatte und deren Chef wurde. Sein ebenfalls angeschuldigter Mitarbeiter wurde Kadermitglied.

Besonders brisant sind Transaktionen von PHZ-Konten aus, die nach dem 31. Mai 2011 getätigt wurden. Denn an ­diesem Tag begann sich die Bundes­anwaltschaft für die Konten von Susan D. bei der PHZ zu interessieren. Sie stellte Fragen bei der Bank, sprach jedoch erst am 13. Januar 2012 die ersten Kontosperren aus. (Heute sind rund 15 Millionen Euro von Susan D. auf Leodan/PHZ-Konten ­gesperrt.) In der Zwischenzeit liess ­Susan D. in mindestens 25 Transaktionen über 6 Millionen Dollar von ihren PHZ-Konten auf Banken ausserhalb der Schweiz transferieren. Die Ermittler ­vermuten, dass sie von der Bank einen Tipp erhielt.

Da die Bundesanwaltschaft nicht alle PHZ-Konten von Susan D. gleichzeitig sperren liess, konnte sie weitere Gelder ab­ziehen. So liess Homms Ex-Frau am 18. Januar 2012, nur fünf Tage nach den ersten Kontosperren, 200'000 Franken von der PHZ auf das UBS-Konto eines Schweizer Anwalts überweisen. Einen Tag zuvor ging eine Zahlung von 80'000 Franken an eine Liberia Renaissance Foundation. Die Stiftung wurde 2006 von Homm gegründet, wird noch immer von Susan D. präsidiert – und finanziert gemäss Website ein Schulprojekt in Liberia.

E. bestreitet Vorwürfe

Letzten Februar machte Banker E. an ­einer Finanzmesse in Zürich Werbung für den Fonds der Liberia-Stiftung. Das Branchenportal Finews.ch sprach ihn auf die Verbindung zu Homm an. Die PHZ Privatbank habe nie eine Geschäftsbeziehung zu Homm unterhalten, sagte E. damals. Laut US-Gerichtsakten sollen sowohl Homms Ex-Frau als auch die zwei Homm-Kinder Aktionäre der PHZ gewesen sein.­

Für alle involvierten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Nachdem E. zunächst in ein Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» eingewilligt hatte, zog er ­später seine Aussagen zurück. Er sieht sich als Unschuldiger zu Unrecht mit der Strafuntersuchung konfrontiert. Der Treuhänder M. rechtfertigt seine Tätigkeit für Homm damit, dass sein Mandat von 2006 plausibel gewesen sei und Empfehlungsschreiben von Schweizer Banken für Homm vorgelegen hätten. Florian Homm selber blickt gelassen auf die Ermittlungen in der Schweiz. Solange er von keinem Gericht wegen ­illegaler Geschäftspraktiken verurteilt werde, was nie geschehen werde, fehle die Vortat für Geldwäscherei, sagt er.

* Namen der Redaktion bekannt

Erstellt: 22.11.2015, 22:58 Uhr

Eine Scheidung nur zum Schein?

Florian Homm machte sich in den 2000er-Jahren als knallharter Hedgefonds-Manager einen Namen. Doch seine Geschäftspraktiken waren umstritten. In den USA werden ihm betrügerische Geschäfte vorgeworfen, die Anleger um rund 200 Millionen Dollar erleichtert haben sollen. Entsprechende Verfahren laufen.

2007 tauchte Homm unter. Erst im Frühling 2013 gelang es der italienischen Polizei, ihn aufgrund eines US-Haftbefehls zu verhaften. Anstatt Homm auszuliefern, liessen die italienischen Be­hörden Homm aber Mitte 2014 wieder frei, worauf sich der Deutsche in seine Heimat absetzte. Dort blieb er vor dem Zugriff ausländischer Staatsanwälte bis heute geschützt.

Bislang war unklar, was mit dem Millionenvermögen Homms geschehen ist, das er bis 2007 angehäuft hatte. In öffentlichen Auftritten gibt er sich inzwischen als mittelloser und geläuterter Christ. Die aktuellen Untersuchungs­ergebnisse aus der Schweiz und den USA werfen nun aber ein neues Licht auf die Affäre. Geschädigte Anleger und Ermittler vermuten, dass Homm vor seinem Untertauchen einen Teil seines Vermögens auf seine Frau und die beiden gemeinsamen Kinder überschrieben hat, um es dem Zugriff der Strafverfolger zu entziehen.

Ein wichtiger strategischer Schritt soll dabei die Scheidung der Homms ­gewesen sein. Diese leiteten die beiden Eheleute Anfang August 2006 ein. Drei Monate zuvor hatte ein Whistleblower Homm angeschwärzt, illegale Geschäfte zu tätigen. Der Financier wusste von ­diesem Zeitpunkt an, dass er ins Visier der Justiz geraten könnte. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Scheidung nur vollzogen wurde, um die Millionen besser verstecken zu können. Auf diese Theorie deuten etwa persönliche ­E-Mails der Geschiedenen hin. (bro/cb)


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