Fast schon eine normale Bank

Die Aufarbeitung der Ära Vincenz wird Raiffeisen grundsätzlich verändern.

Der Raiffeisen-Skandal ist mit dem Rückzug von Gantenbein um ein Kapitel dicker. Vom Beginn im Oktober 2017 bis zum Rücktritt von CEO Patrick Gisel am 18. Juli 2018: Die Chronik im Video. (Tamedia/SDA/Keystone)

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Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz hat die verschlafene Genossenschaftsbank zur drittgrössten Bankengruppe der Schweiz geformt – aber auch dafür gesorgt, dass sie in eine Krise geraten ist. Interimspräsident Pascal Gantenbein schien noch vor wenigen Monaten der richtige Mann, um bei Raiffeisen wieder aufzuräumen. Er bewarb sich als Verwaltungsratspräsident.

Nun hat er seine Kandidatur zurückgezogen. Er bleibt aber Verwaltungsrat bei der Genossenschaftsbank.

Sein Rückzug steht im Zusammenhang mit der Frage, wie die Bank künftig geführt werden soll. Denn sie hat nicht nur mit der Hinterlassenschaft von Vincenz zu kämpfen, wegen der jüngst auch Raiffeisen-Chef-Patrik Gisel seinen Abschied bekannt gab. Sie muss auch neu definieren, wie sie den Spagat ­zwischen einer lokal verankerten Genossenschaftsbank und einem system­relevanten Institut meistert. Die Interessen gehen dabei deutlich ­auseinander: Wie stark bestimmt die Zentrale in St. Gallen den Kurs, wie viel Einfluss haben die lokalen ­Genossenschaften auf die Spitze?   

Der genossenschaftlicher Charakter wird schwächer

Die Genossenschafter haben gute Argumente dafür, dass ihre Stimme mehr Gewicht erhält. Sie sorgen dafür, dass die in St. Gallen angerichtete Führungskrise nicht auf das Geschäft durchschlägt. Sie haben den direkten Draht zu den Kunden. Und doch müssen sie sich wohl daran gewöhnen, dass die Bank künftig zentralistischer geführt werden wird.

Die Finanzmarktaufsicht hat ­Raiffeisen Schweiz den Auftrag erteilt, zu prüfen, ob das Genossenschaftsmodell für die Zentrale noch taugt. Zudem verlangt sie, dass im Verwaltungsrat Personen mit dem notwendigen Know-how sitzen. Es wäre keine Überraschung, gälte dies auch für den künftigen Verwaltungsratspräsident.

Die Krise führt nun nicht nur dazu, dass Raiffeisen die Bücher der letzten Jahre prüft. Sie wird dafür sorgen, dass die Bank ein Stück ihres genossenschaftlichen Charakters einbüsst und fast schon eine normale Grossbank wird. Für das Meistern künftiger Krisen hat das auch Vorteile. 

Erstellt: 27.07.2018, 22:54 Uhr

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