FBI nimmt den meistgehassten Mann Amerikas fest

Er vervielfachte den Preis eines Medikaments um 5000 Prozent: Martin Shkreli, der als skrupelloser Pharmaunternehmer weltweit bekannt wurde. Jetzt sorgt ein anderer Coup für Unmut.

Machte gewaltig Kasse: Martin Shkreli mit einer Enigma-Verschlüsselungsmaschine.

Machte gewaltig Kasse: Martin Shkreli mit einer Enigma-Verschlüsselungsmaschine. Bild: Twitter

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Für einmal sprach Donald Trump wohl allen Amerikanern aus dem Herzen. Der Dauerpolterer und republikanische Präsidentschaftsanwärter nannte Martin Shkreli im September öffentlich einen «verwöhnten Schnösel». Der junge Mann hatte zuvor als Chef des kleinen Pharmaunternehmens Turing Pharmaceuticals mit Sitz in New York und Baar ZG den Preis des Medikamentes Daraprim von 13.50 Dollar auf 750 Dollar vervielfacht. Das Mittel wird im Kampf gegen Malaria und HIV eingesetzt.

In sozialen Medien löste Shkreli damit einen Shitstorm aus. Auch Trumps demokratisches Pendant Hillary Clinton zog über den 32-Jährigen her. Dem freilich wars total egal, ja er schien sich gar über die Aufmerksamkeit zu freuen. «Meine Investoren erwarten von mir, die Gewinne zu maximieren», sagte er und liess den Sturm vorüberziehen. Doch jetzt erhielten seine Gegner ihre Rache.

Deliktsumme mindestens 65 Millionen Dollar

Am Donnerstagmorgen verhafteten Agenten des FBI den Selfmade-Manager in seiner Wohnung in Manhattan. Ihm wird Betrug vorgeworfen. Konkret soll Shkreli sich an Vermögen der einst von ihm gegründeten Pharmabeteiligungsfirma Retrophin bedient haben. Er steckte es aber nicht in die eigene Tasche, sondern entledigte sich eines anderen Problems.

Shkreli hat offenbar damit Investoren des von ihm gegründeten und in die Pleite manövrierten Hedgefonds MSMB Capital Management für ihren Totalverlust entschädigt. Der Betrug lief über falsche Beratungsaufträge, die Shkreli eingefädelt haben soll, und die kostenlose Zuteilung von Aktien. Die Deliktsumme beträgt laut amerikanischen Medienberichten mindestens 65 Millionen Dollar. Die Strafverfolgungsbehörden ermittelten seit rund einem Jahr.

Pleiten pflastern seinen Weg

Die Karriere des Sohns von albanisch-kroatischen Einwanderern ist so eindrucksvoll wie schillernd. Nach dem Abbruch der Sekundarschule arbeitete Shkreli an der Wallstreet, unter anderem bei der UBS. Mit 23 Jahren gründete er seinen ersten Hedgefonds – und führte ihn in die Pleite. Danach schuf er MSMB. Erneut folgte der Totalabsturz. Shkreli gab nicht auf. Er gründete Retrophin mit und ist mittlerweile Chef der Pharmafirma Turing.

Daneben geniesst er das Leben und prahlt gerne mit seinem Reichtum. «1982, Lafite-Rothschild», schrieb er auf Twitter und postete ein Bild einer Flasche des Luxus-Bordeaux. Der Wein habe keine 4000, sondern 9000 Dollar gekostet, notierte er daneben stolz. Neben dem Wein präsentierte er sich auch mit aller Selbstverständlichkeit mit Boot und Helikopter. Kürzlich kaufte er das neue Album der Hip-Hop-Gruppe Wu-Tang Clan. Es existiert nur in einem Exemplar. Shkreli bot am meisten.

Erstellt: 17.12.2015, 18:08 Uhr

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