«Wir sprechen Leute an, die nicht pünktlich ankommen müssen»

Jetzt startet das erste Fernbusunternehmen in der Schweiz. Welche Orte von Zürich aus erreichbar sind und wie teuer die Tickets werden.

Der CEO von Domo sagt, dass das neue Angebot den subventionierten Regionalverkehr nicht konkurrieren werde. (Video: Tamedia/SDA)

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Das Zürcher Unternehmen Domo darf in der Schweiz drei nationale Fernbus-Linien betreiben. Das Bundesamt für Verkehr hat Domo eine Konzession erteilt. Geplant sind Linien quer durch die Schweiz, etwa zwischen St. Gallen und Genf, Basel und Lugano sowie Chur und Sitten, wobei darin auch die Verbindung von Zürich nach Bern enthalten ist.

Als Konkurrenz zur SBB sieht sich Domo nicht, wie CEO Patrick Angehrn sagte. Das zeigten nur schon die Zahlen: Während die SBB täglich 1,2 Millionen Passagiere befördere, bringe Domo pro Tag 800 Sitzplätze auf die Strasse.

Auch die Kundschaft dürfte eine andere sein. «Wir sprechen Leute an, die mehr Zeit haben, weniger zahlen wollen und nicht unbedingt pünktlich ankommen müssen. Also etwa Senioren, Studenten und Familien», sagte Angehrn: «Jemand, der von Bern kommt und ein Vorstellungsgespräch in Zürich hat, würde wahrscheinlich nicht mit dem Fernbus reisen.» Zwar sollten die Fahrpläne funktionieren, es könne allerdings beispielsweise immer zu unerwarteten Staus kommen.

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Ob es in Zukunft weitere Fernbus-Linien von Domo geben wird, ist laut Angehrn noch nicht entschieden. «Wir geben uns ein Jahr Zeit, um zu analysieren, wo mehr Nachfrage besteht, ob die Frequenzen erhöht und ob neue Städte in die Halteorte aufgenommen werden müssen», so Angehrn.

Gewerkschaft ist skeptisch

Nicht überall kommt die Konzessions-Erteilung gut an. Skeptisch äussert sich etwa die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV). Sie zweifelt an, dass die branchenüblichen Löhne und Arbeitsbedingungen wirklich eingehalten werden, wie die SEV mitteilte. Ausserdem befürchtet die Gewerkschaft, dass die Fernbusse den umweltfreundlicheren Bahnverkehr» schädigen werden.

Der Personalverband transfair fordert in einem Communiqué, dass die branchenüblichen Arbeitsbedingungen mindestens auf der Grundlage von bestehenden Gesamtarbeitsverträgen von Postauto Schweiz und weiteren Bus-GAV definiert werden. Die BAV-Richtlinie zu den Mindestlöhnen im Busbereich reiche nicht.

Als problematisch betrachtet die Kundenorganisation Pro Bahn die Praxis des BAV. Sie lasse die Konkurrenzierung «gut ausgelasteter» ÖV-Kurse zu. Fernbusanbieter würden kaum Linien in nachfrageschwachen Gebieten anbieten, sondern sich auf ertragsstarke Kurse fokussieren. Der Kundschaft drohen steigende Preise oder ein Leistungsabbau, hält Pro Bahn weiter fest.

Der Nutzfahrzeugverband ASTAG bezeichnet das Vorgehen des BAV bei der Zulassung von Fernbussen innerhalb der Schweiz als «überstürzt». Zuerst brauche es klare und faire Rahmenbedingungen für sämtliche Markteilnehmer sowie eine bedürfnisgerechte, moderne Terminalinfrastruktur, schreibt ASTAG in einer Mitteilung.

Halteorte festgelegt

Da das Fernbus-Angebot von Domo ins bestehende Verkehrs- und Tarifsystem eingebunden wird, werden Halbtax- und Generalabonnements anerkannt. Für die Busse wird eine Reservationspflicht bestehen, da Stehplätze nicht zugelassen sind.

In der Konzession des Bundesamts für Verkehr wurden die Halteorte festgelegt. Die Linien fahren konkret auf folgenden Strecken: St. Gallen–Zürich–Biel–Genf Flughafen; Zürich Flughafen–Basel–Luzern–Lugano und Chur–Zürich–Bern–Sitten.

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Auf der Streckenkarte wird die Route von Zürich via Basel nach Lugano unterteilt dargestellt, gelb und blau. Die drei Domo-Busse treffen sich zwischen 8.45 Uhr und 9.15 Uhr morgens in Rothrist, wo Passagiere auf die anderen Linien umsteigen können. Auch um 19.45 Uhr ist wieder Treffpunkt an der Schnittstelle von A1 und A2, wenn die Busse in die andere Richtung zurück fahren.

Fahrt dauert länger als mit den SBB

Vorerst gibt es eine Verbindungen am Morgen und eine in der Gegenrichtung am Abend, z.B. morgens von Zürich nach Basel, dann weiter nach Luzern und Lugano – und spätabends zurück, der Bus bedient dabei auch die Flughäfen:

Mit Domo Reisen kostet die Fahrt von Zürich nach Basel mit Halbtax 8.80 Franken und dauert 75 Minuten. Die SBB brauchen für die Strecke 53 Minuten und verlangen 17 Franken mit Halbtax, morgens sind teilweise auch Sparbillette für 8.60 Franken erhältlich.

Die grüne Linie verbindet Graubünden mit dem Wallis – und Zürich mit Bern. Die Fahrt von Chur bis Sion dauert knapp 6 Stunden.

Von Zürich nach Bern sind es gemäss Domo zwei Stunden, was mit Halbtax 11.50 Franken kosten soll. Der Vergleich mit den SBB: Dort dauert die Fahrt mit 56 Minuten nicht mal halb so lang und kostet mit Halbtax dafür etwas mehr als doppelt so viel: 25.20 Franken. Ein Sparbillett ist beispielsweise für 23 Franken erhältlich.

Von St. Gallen nach Zürich kostet die Fahrt mit Halbtax 9.80 und dauert genau zwei Stunden.

Mit den SBB dauert die Fahrt 1 Stunde und 11 Minuten und kostet mit Halbtax 15.50 Franken. Ein Sparbillett zur Abfahrtszeit des Fernbusses kostet 14 Franken.

Die Preise für andere Verbindungen hat Domo Reisen noch nicht ausgewiesen.

Reservationsgebühr verteuert die Fahrt

Wer im Bus vorne sitzen will, muss dafür zahlen. Für die erste Reihe sind 40 Franken fällig, danach jeweils 10 Franken weniger, für die vierte Reihe also 10 Franken. Ob auch bei anderen Sitzreihen Plätze gezielt gebucht werden können, hat Domo noch nicht festgelegt.

Pro Bus gibt es gemäss dem Unternehmen 10 Sitze in der 1. Klasse und 59 Sitze in der 2. Klasse. In letzterer gibt es 85,5 Zentimeter Sitzabstand, kostenloses WLAN und In-bus-Entertainment sowie einen Stromanschluss. Ein Reisegepäck, ein Handgepäck und ein paar Ski oder ein Snowboard dürfen gratis mitgenommen werden.

In der 1. Klasse gibt es zusätzlich ein kostenloses Getränk, Decken und Kissen, Fussstützen und mit 101 Zentimeter Sitzabstand etwas mehr Beinfreiheit. (anf/chi/sda)

Erstellt: 19.02.2018, 14:52 Uhr

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