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Fiat kehrt Italien den Rücken

Der traditionsreiche Autobauer siedelt seinen neuen Hauptsitz Fiat Chrysler in den Niederlanden an. «Damit beginnt ein neues Kapitel unserer Geschichte», sagt Präsident John Elkann.

Zieht ins Ausland: Ein alter Fiat in Berlin. (Archivbild)
Zieht ins Ausland: Ein alter Fiat in Berlin. (Archivbild)
Reuters

Der traditionsreiche italienische Autobauer Fiat kehrt seinem Heimatland den Rücken. Der neue Konzern Fiat Chrysler Automobiles verlegt seinen rechtlichen Firmensitz in die Niederlande. Aus steuerlichen Gründen will das Unternehmen auch einen Sitz in Grossbritannien haben.

Die Aktien des Konzerns sollen in New York und Mailand gehandelt werden, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Turin nach einer Sitzung des Verwaltungsrats mit. Die erwartete Neustrukturierung des Konzerns mit dem neuen Namen Fiat Chrysler Automobiles (FCA) folgt auf die komplette Fusion des italienischen Autobauers und seiner US-Tochter Anfang des Monats.

«Mit der Schaffung von Fiat Chrysler Automobiles beginnt ein neues Kapitel unserer Geschichte», sagte John Elkann, Präsident des Verwaltungsrates. «Wir haben hart und zielstrebig gearbeitet, um Unterschiede in Stärken zu verwandeln und Hürden von nationalem oder kulturellem Widerstand aus dem Weg zu räumen», fügte Vorstandschef Sergio Marchionne hinzu.

«Heute können wir sagen, dass wir es mit einem Mix aus Erfahrung und Know-how geschafft haben, ein solides Fundament für einen globalen Autobauer zu schaffen, der auf einem Niveau mit unseren besten Wettbewerbern steht», sagte der Fiat-Chef. «Heute ist einer der wichtigsten Tage in meiner Karriere bei Fiat und Chrysler.» Auch das neue Logo des Konzerns wurde am Mittwoch präsentiert. Es zeigt in blau die drei Buchstaben «FCA».

Mit der Verlegung macht Fiat einen ähnlichen Schritt wie der Schwesterkonzern CNH Industrial, den es nach seiner Umstrukturierung ebenfalls ins Ausland zog. Auch weitere globale Konzerne wie etwa Airbus, Renault-Nissan und Ikea haben ihren Sitz in den Niederlanden.

Fiat nur dank Chrysler in den schwarzen Zahlen

Chrysler ist der Anker im Fiat-Konzern, der seit längerem unter einem schwachen europäischen Markt leidet und im vergangenen Jahr auch noch Probleme in Lateinamerika bekommen hat, besonders auf dem wichtigen brasilianischen Markt. Nur dank Chrysler schrieb Fiat im Gesamtjahr überhaupt schwarze Zahlen. Der Nettogewinn stieg auf 1,95 Milliarden Euro. Zum Plus trug auch ein Steuereffekt ein.

Der Ausblick fiel indes mässig aus: Fiat-Chrysler erwartet 2014 einen deutlich niedrigeren Gewinn. Die Aktie gab am Mittwoch zunächst um vier Prozent nach, auch weil der Verwaltungsrat entschied, den Aktionären keine Dividende zu zahlen.

Chrysler profitiert von der starken Nachfrage nach Pick-up-Trucks und Geländewagen im US-Markt. Mit den Marken Ram, Dodge und Jeep gehört der Autobauer aus der Nähe von Detroit zu den grössten Anbietern. Insgesamt lieferte Chrysler 2,6 Millionen Wagen im Jahr aus, was ein Zuwachs von 6 Prozent war. Damit ist Chrysler die wichtigste Sparte im Gesamtkonzern, der insgesamt auf Auslieferungen von 4,4 Millionen Stück kam.

Gegenseitige Hilfe

Fiat war zur Insolvenz 2009 bei Chrysler eingestiegen und hatte den Amerikanern mit technischem Know-How wieder auf die Beine geholfen. Im Gegenzug bekamen die Italiener immer mehr Anteile. Chrysler gelang ein Comeback.

Vor zwei Wochen kaufte Fiat schliesslich dem Gesundheitsfonds der US-Autogewerkschaft UAW dessen Minderheitsanteil an Chrysler für 4,35 Milliarden Dollar ab. Das machte den Weg für die Verschmelzung frei.

SDA/bru

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