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Firma pflanzt Angestellten Chips ein

In der Schweiz werden vor allem Haustiere gechipt – in den USA bald auch Menschen: die Mitarbeiter einer Technologiefirma.

Technologie für den Körper: Die RFID-Chips werden zwischen Daumen und Zeigefinger eingesetzt.
Technologie für den Körper: Die RFID-Chips werden zwischen Daumen und Zeigefinger eingesetzt.
Keystone

Ein Chip unter der Haut als Identitätskarte, Hausschlüssel, Zahlungsmittel oder Krankenakte: Die Vision wurde schon oft entworfen, und doch erscheint sie immer noch sehr fern. Die Technologiefirma Three Square Market aus dem US-Bundesstaat Wisconsin will sie nun Wirklichkeit werden lassen.

Die Firma bietet ihren Angestellten an, sich einen reiskorngrossen RFID-Chip implantieren zu lassen – «zwischen Daumen und Zeigefinger unter der Haut», wie sie in einer Mitteilung schreibt. Das werde ihr Leben viel einfacher machen: Die Mitarbeiter können damit Einkäufe im Pausenraum bezahlen, Türen öffnen, sich am PC einloggen oder Kopierer benützen. Auf RFID-Chips werden Daten gespeichert, die sich dann von Lesegeräten entschlüsseln lassen.

Eine «Chip Party» für alle

Eingesetzt werden die Chips am 1. August am Firmenhauptsitz, an einer «Chip Party». Das sei natürlich freiwillig, betont die Firma. 50 der 80 Angestellten haben sich laut der «New York Times» schon dazu bereit erklärt. Wer sich den Chip nicht implantieren lassen wolle, könne ihn auch per Armband oder Fingerring bei sich tragen.

Bedenken punkto Privatsphäre versucht die Firma zu entkräften: Der Chip lasse sich nicht tracken und enthalte nur Informationen, die der Träger teilen wolle. Er verfüge über keine GPS-Funktionen. Zudem könne er nur von geeigneten Geräten gelesen werden. Ausserdem, sagt Firmenchef Todd Westby, «sammelt Ihr Telefon 100-mal mehr Daten als ein RFID-Chip».

Three Square Market ist nach eigenen Angaben die erste US-Firma, die ihren Mitarbeitern Chips einpflanzt. Das schwedische Start-up Epicenter macht das schon länger. Die Chips seien einfach sehr praktisch, sagt Firmenchef Patrick Mesterton in einem Interview. Sie könnten Dinge wie Kommunikationsgeräte, Kreditkarten oder Schlüssel ersetzen. Epicenter ist ein internationaler Hub für Start-ups und Unternehmer. Es gehe vor allem darum, Neues auszuprobieren, sagt die Firma.

Nicht ganz uneigennützig

Anders dürfte es bei der Nachahmerin aus den USA sein. Three Square Market pflanzt nicht nur Chips in seine Mitarbeiter ein, sie sind auch Teil ihres Geschäfts. Die Firma vertreibt Automaten und Verkaufsstände für Essen und Getränke – die dereinst ebenfalls mit RFID genutzt werden könnten.

Die Firma betont zwar, dass die Privatsphäre ihrer Angestellten nicht gefährdet sei. Doch Zweifel gibt es trotzdem. «Unternehmen behaupten oft, dass diese Chips sicher und verschlüsselt sind», sagt IT-Professor Alessandro Acquisti zur «New York Times». Aber «verschlüsselt» sei ein ziemlich vager Begriff, der alles zwischen wirklich sicher und leicht zu hacken bezeichnen könne. In der Schweiz dient die Technologie bis jetzt vor allem dafür, Haustiere zu identifizieren: Seit 2007 gilt eine Chip-Pflicht für Hunde. Ein Tattoo-Studio in Zürich führte den Service vor zwei Jahren auch für Menschen ein. Ob es ihn immer noch gibt, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

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