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Fleisch-Firma fälscht Verfalldaten und Herkunft

Kantinen und Schulen, aber auch noble Restaurants und Hotels sind betroffen: Die Bündner Carna Grischa hat gemäss einem Bericht über Jahre hinweg Kunden mit falsch deklariertem Fleisch beliefert.

Das Fleisch auf Schweizer Tellern ist nicht immer so frisch wie auf diesem Bild: Ein Mitarbeiter einer Metzgerei bearbeitet frisch geschlachtetes Fleisch. (Archivbild Keystone)
Das Fleisch auf Schweizer Tellern ist nicht immer so frisch wie auf diesem Bild: Ein Mitarbeiter einer Metzgerei bearbeitet frisch geschlachtetes Fleisch. (Archivbild Keystone)
Keystone

Die Firma Carna Grischa hat laut einem Bericht des «SonntagsBlicks» Verfalldaten und Herkunftsdeklarationen gefälscht. Zudem hat sie ausländisches Geflügel und Rindfleisch als Schweizer Fleisch deklariert. Weiter wurde Pferde- als Rindfleisch verkauft. Die Vorwürfe sind durch Dokumente belegt, die der Zeitung vorliegen.

Mit 60 Angestellten und 30 Millionen Franken Jahresumsatz gehört Carna Grischa zu den fünf grössten Fleischhändlern der Schweiz. Zu den Geschädigten gehören Hotels, Restaurants, Kantinen und Schulen in der Deutschschweiz und im Tessin. Darunter finden sich illustre Namen wie die Kronenhalle in Zürich oder das Tschuggen in Arosa.

Sie reagieren empört. «Ich gebe Ihnen mein Wort, dass ich keine Ahnung hatte», sagt Peter Schärer, Küchenchef der Zürcher Kronenhalle. Carna Grischa hatte versucht, die Publikation des Artikels mit einer Klage beim Handelsgericht Aargau zu verhindern. Nachdem der «SonntagsBlick» Dokumente eingereicht hatte, kam das Gericht aber zum Schluss, dass die zentralen «Behauptungen als wahr anzunehmen sind». Es bestehe «offensichtlich ein öffentliches Interesse» an der Verbreitung der Fakten, befand Gerichtspräsident Markus Dubs. «Die Öffentlichkeit legt aus guten Gründen grossen Wert darauf, bei der Deklaration von Lebensmitteln nicht getäuscht zu werden.»

«Es handelt sich um Einzelfälle»

Nach einer internen Untersuchung gab Carna Grischa selber Unregelmässigkeiten zu. «Es handelt sich aber um Einzelfälle», sagt Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann. «Mindestens 98 Prozent der Kunden haben richtig deklariertes Fleisch erhalten.» Weilenmann beschuldigt die Konkurrenz, einen Spion eingeschleust zu haben, um Carna Grischa auszuhorchen. Zudem wirft er den Kunden vor, sie hätten von den Mauscheleien gewusst.

«Die Vorkommnisse sind für uns schockierend und unakzeptabel, auch wenn die Fehlerquote bei ca. zwei Promille liegt», teilte Carna Grischa auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit. Gemäss Carna Grischa liegen die meisten Vorkommnisse «fast ausschliesslich bereits einige Jahre zurück». Die Verantwortung dafür wird unter anderem der damaligen Geschäftsleitung zugeschrieben. Der neue Geschäftsführer habe die «internen Abläufe überprüft und neu strukturiert».

Nach den Recherchen des «SonntagsBlick» seien vergangene Woche zwei Mitarbeiter freigestellt worden. Zudem seien die internen Kontrollen neu organisiert und verstärkt worden.

Gegenüber dem «SonntagsBlick» behauptet Verwaltungsratspräsident Weilenmann zudem, Falschdeklarationen seien in der Fleischbranche weitverbreitet. Das kommt beim Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) schlecht an. «Wir verurteilen solche Praktiken aufs Schärfste», sagt SFF-Direktor Ruedi Hadorn. «Sie ziehen den gesamten Fleischsektor unverschuldet in den Schmutz.» Die Vorwürfe Weilenmanns seien rufschädigend.

SDA/rub

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