Trumps Twitter-Peitsche schlägt wieder zu

Mit seinen Tweets treibt der künftige US-Präsident Milliardenkonzerne vor sich her. Das jüngste Opfer: Autobauer GM.

Donald Trump hat sich auf die Autobauer eingeschossen: Ausstellung von General Motors (Archiv).

Donald Trump hat sich auf die Autobauer eingeschossen: Ausstellung von General Motors (Archiv). Bild: Reuters

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«Stellt in den USA her oder bezahlt eine hohe Importsteuer!»: Donald Trumps neuste Twitter-Attacke richtete sich gegen Autobauer General Motors (GM). Der designierte US-Präsident warf dem Konzern vor, das Chevy-Modell Cruze in Mexiko herzustellen und es dann bei amerikanischen Händlern zu verkaufen, steuerbefreit.

GM reagierte umgehend und stellte klar, dass nur wenige Tausend in Mexiko hergestellte Fahrzeuge dieses Modells in den USA verkauft würden, und dass alle aktuell an die Händler ausgelieferten Autos im Werk in Ohio produziert worden seien.

Der Autobauer hat allen Grund, Trumps Kritik schnellstmöglich zu zerstreuen. Der künftige Präsident brachte bereits die Aktienkurse des Flugzeugherstellers Boeing und des Rüstungskonzerns Lockheed Martin mit seinen Tweets in Bedrängnis.

Ford verzichtet auf Milliardeninvestition in Mexiko

Wohl nicht ganz zufällig gab kurz darauf der US-Autobauer Ford bekannt, auf die Errichtung einer grossen neuen Fertigungsanlage in Mexiko zu verzichten und stattdessen hunderte neue Arbeitsplätze in den USA zu schaffen.

Das auf 1,6 Milliarden Dollar veranschlagte neue Werk im mexikanischen San Luis Potosí werde nicht gebaut, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Stattdessen würden in den kommenden vier Jahren 700 Millionen Dollar im US-Bundesstaat Michigan investiert.

Ford-Chef Mark Fields erklärte, die Entscheidung gegen Mexiko sei vor allem dem Rückgang bei der Nachfrage nach Klein- und Mittelklasseautos geschuldet. In Mexiko hätten vor allem solche Autos gebaut werden sollen. Aber: Auch Trumps Pläne zur Stärkung der heimischen Produktion hätten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. Prompt retweetete der designierte Präsident einen entsprechenden Artikel.

Trump hatte im Wahlkampf Firmen wie Ford wegen der Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer wie Mexiko attackiert. Er hatte wiederholt erklärt, er werde es Ford nicht erlauben, das neue Werk in Mexiko zu eröffnen und werde auf importierte Ford-Fahrzeuge hohe Zölle erheben. Trump selbst twitterte nach der Ford-Ankündigung: «Anstatt Jobs und Wohlstand wegziehen zu lassen, wird Amerika der grosse Magnet in der Welt zum Aufbau von Innovationen und Jobs werden.»

Der mexikanische Peso fiel nach Fords Ankündigung auf den niedrigsten Stand seit sieben Wochen. Er hatte bereits nach Trumps Wahlsieg Anfang November deutlich an Wert verloren.

Arbeitsplätze wandern ab

Die US-Autohersteller verlagern seit längerem wegen der niedrigeren Arbeitskosten die Produktion von Kleinwagen nach Mexiko und stellen in den USA vor allem Fahrzeuge der Oberklasse her. GM hatte erst im November angekündigt, 2000 Stellen an zwei Werken in den USA zu streichen. Insidern zufolge sollen einige Cruze-Modelle künftig in Mexiko und nicht mehr im Bundesstaat Ohio hergestellt werden.

Trump hatte im Wahlkampf das Freihandelsabkommen Nafta mit Mexiko und Kanada als «schlechtestes Geschäft aller Zeiten» bezeichnet und gedroht, Importzölle von bis zu 35 Prozent auf mexikanische Waren einzuführen. Er will die Vereinbarung neu aushandeln.

Am Dienstag nominierte der künftige US-Präsident mit Robert Lighthizer einen bekennenden Protektionisten zu seinem Handelsbeauftragten. Lightizer solle dazu beitragen, «die gescheiterte Handelspolitik, die so vielen Amerikanern den Wohlstand geraubt hat, umzukehren», erklärte Trump. (kko/hvw/AFP/SDA)

Erstellt: 03.01.2017, 17:45 Uhr

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