Forderungen mit Augenmass stellen

Die SBB stehen Ansprüchen gegenüber, die sich schwer miteinander vereinbaren lassen. Eine Balance ist nur mit Kompromissen möglich.

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Die SBB sind ein spezielles Unternehmen. Jeder – egal ob Kunde, Politiker oder Angestellter – hat eine Meinung zu den Staatsbahnen. Erzielen die SBB wie in diesem Jahr ein Rekordergebnis, prallen die Interessen dieser Gruppen aufeinander. Für die SBB ist dieser Konflikt nur schwer zu lösen.

Kunden fordern, neben Komfort und Zuverlässigkeit, vor allem auch günstigere Tickets. Billettpreise für Einzelfahrten sind hoch, das gibt auch SBB-Chef Andreas Meyer zu.

Auf Druck des Preisüberwachers haben die SBB reagiert und in Form von Spartickets eine Lösung gefunden. Damit können sie die Preise zumindest in den Randzeiten reduzieren. In Zeiten von überfüllten Zügen ist es zudem eine sinnvolle Massnahme, um den Verkehr zu lenken.

Die Forderung der SBB-Angestellten klingt ebenfalls vernünftig. Nach Jahren der Umorganisation wollen die Mitarbeiter etwas zurück.

Dabei geht es auch um Symbolik: Die Zufriedenheitswerte der Angestellten sind im vergangenen Jahr gesunken. Ein finanzielles Dankeschön in ihre Richtung könnte dies geradebiegen.

Die Politik fordert, dass die SBB mit möglichst wenigen Steuerfranken von Bund und den Kantonen – etwa als Besteller des Regionalverkehrs – auskommen.

Tiefere Ticketpreise, mehr Komfort, pünktliche Züge, weniger Belastung für die Steuerzahler und eine Gewinnbeteiligung für die Angestellten: All diesen Forderungen zu entsprechen, ist fast unmöglich. Daher müssen die Anspruchsgruppen Augenmass walten lassen.

Die SBB sind, mehr als andere Firmen in der Schweiz, im öffentlichen Fokus. Leidige Themen wie die Beschaffung der FV Dosto werden deshalb schärfer beurteilt als anderswo. Das ist gut so, und damit müssen die SBB leben können, weil viel Geld vom Staat und den Steuerzahlern im Betrieb steckt. Doch behindert es auch den Blick darauf, dass die SBB sich in alle Richtungen strecken müssen. Und das, ohne zu zerreissen.

Erstellt: 19.03.2019, 21:08 Uhr

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