Gleicher Job, gleicher Lohn – sonst gibt es eine saftige Busse

In Frankreich soll eine Software Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufspüren. Die Geldstrafen bei einem Verstoss sind happig.

Demo für Lohngleichheit: Auf dem Berner Waisenhausplatz wurde am Weltfrauentag für diskriminierungsfreie Löhne demonstriert. (Video: Tamedia/SDA, 8.3.18)

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Über zwei Jahrhunderte wird es dauern, bis Männer und Frauen weltweit gleich viel verdienen und ebenbürtig in der Arbeitswelt vertreten sind. Das zeigt der neue Global-Gender-Gap-Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF). Im Vorjahr hatten die Studienautoren nur mit 170 Jahren gerechnet, bis die ökonomische Gleichstellung erreicht ist.

Wenn auch die globale Entwicklung lahmt, gibt es doch Länder, die bei der Lohngleichheit voranmachen. In Island ist es seit dem 1. Januar etwa verboten, Männern und Frauen unterschiedliche Löhne für denselben Job zu bezahlen. Es ist damit das erste Land, das Lohndiskriminierung gesetzlich verbietet und auch sanktioniert. Nun zieht mit Frankreich ein Nachbar der Schweiz nach: Das Land will Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen eliminieren – und zwar innerhalb der nächsten drei Jahre.

Geldstrafen geplant

Gesetzlich sollten Frauen und Männer in Frankreich eigentlich seit 45 Jahren für die gleiche Arbeit dasselbe Gehalt bekommen. Regierungsangaben zufolge verdienen Männer aber im Schnitt neun Prozent mehr als Frauen. Unternehmen sollen sich nun daran machen, solche Unterschiede auszugleichen. Wem das innerhalb der nächsten drei Jahre nicht gelingt, dem drohen laut der französischen Zeitung «Le Monde» Geldstrafen.

Ab dem Jahr 2022 sollen Bussen in Höhe von einem Prozent der gesamten Lohnsumme eingeführt werden. Die Massnahmen sind Teil eines Reformpakets, das die französische Arbeitsministerin Muriel Pénicaud präsentieren will.

Software zur Lohnüberprüfung

Um die Löhne zu überprüfen, sollen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern eine Software installieren, die an das Lohnabrechnungssystem gekoppelt ist. Die Einführung ist für nächstes Jahr geplant, später sollen auch kleinere Unternehmen folgen.

Frankreich befindet sich auf dem Gender-Gap-Index des WEF auf Platz 11. Island führt das Ranking an, die Schweiz liegt deutlich dahinter auf Platz 21. Lohngleichheit ist zwar auch hierzulande in der Verfassung verankert. Dennoch besteht bis heute ein deutlicher Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern.

Lohnunterschiede in der Schweiz erheblich

Die «Schweizerische Lohnstrukturerhebung», die das Bundesamt für Statistik im März 2017 veröffentlichte, zeigte für das Jahr 2014 in der Privatwirtschaft eine Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern von 19,5 Prozent. Das ist zwar eine Verbesserung zum Jahr 2010, als diese noch 23,6 Prozent betrug. Dennoch ist die Differenz weiterhin erheblich. Auch das europäische Statistikamt zeigt für die Schweiz ein Lohngefälle zwischen Männern und Frauen von 17 Prozent.

Der Bundesrat will aus diesem Grund gesetzlich weiter gegen Lohndiskriminierung vorgehen. Im Juli 2017 verabschiedete er die Botschaft zur Änderung des Gleichstellungsgesetzes. Diese sah vor, dass Unternehmen mit 50 oder mehr Angestellten künftig alle vier Jahre betriebsintern eine Lohnanalyse durchführen müssten. Diese hätte danach extern überprüft werden müssen.

Proteste in Bern

Zuletzt sprach sich der Ständerat gegen die Vorlage aus und wies diese zurück an die Kommission, mit dem Auftrag, Alternativen zu prüfen. Die Firmen dürften nicht mit zusätzlicher Bürokratie belastet werden, sagten die Kritiker aus dem bürgerlichen Lager.

In Bern protestierten am Donnerstag, dem internationalen Frauentag, Hunderte Frauen gegen den Entscheid des Ständerats. Mehrere Rednerinnen bezeichneten diesen Entscheid einer «Männermehrheit im Ständerat» als inakzeptabel und gar illegal. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2018, 17:19 Uhr

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