Wie weiter mit Franz Carl Weber?

Die Manager wollen das Zürcher Traditionshaus von der französischen Mutter loskaufen. Der Weg in die Unabhängigkeit dürfte steinig werden.

Franz Carl Weber verkauft Spielwaren in zwanzig Filialen in der Schweiz. Foto: Doris Fanconi

Franz Carl Weber verkauft Spielwaren in zwanzig Filialen in der Schweiz. Foto: Doris Fanconi

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Franz Carl Weber ist eine Institution für Schweizer Kinder. Über Generationen wurde das Spielwarenhaus Synonym für Geburtstag und Weihnachten. 137 Jahre gibt es das Traditionshaus bereits. In den kommenden Wochen wird sich nun entscheiden, wie die Zukunft aussieht.

Vor zwölf Jahren wurde Franz Carl Weber von der französischen Ludendo-Gruppe übernommen. Nun steckt Ludendo in finanziellen Schwierigkeiten. Seit März befindet sich das Familienunternehmen in einem gerichtlichen Sanierungsverfahren. Für die zweite Juli-Hälfte soll das zuständige Pariser Handelsgericht entscheiden, wie es weitergehen soll. Ludendo hat Schulden von 150 Millionen Euro aufgehäuft, eine Restrukturierung scheint unvermeidlich.

Unabhängigkeit als Ziel

Franz Carl Weber will sich nun von der krisengeplagten Mutter in Frankreich wieder lösen. Laut mehreren Quellen plant das Management von Franz Carl Weber, den traditionsreichen Spielwarenhändler im Rahmen eines Management-Buyouts zu übernehmen. Ein ­entsprechender Vorschlag ist laut den Quellen beim ­Pariser Gericht deponiert worden. Bis am 15. Juni konnten die Gläubiger und Dritte beim gerichtlich eingesetzten Sachwalter in Paris Kauf­angebote ein­reichen, um Aktiven von Ludendo herauszukaufen.

Das Schweizer Management plant demnach, die Kapitalmehrheit oder gar das gesamte Kapital von Franz Carl Weber vom bisherigen Eigner zurück­zukaufen. Auf diese Weise soll das 137 Jahre alte Schweizer Unternehmen wieder eigenständig werden. Von Franz Carl Weber wollte sich niemand zu dem laufenden Verfahren äussern. Unklar ist, welchen Preis das Management zahlen will.

Gelingt der Sprung in die Unabhängigkeit, wird dieser Weg aber nicht einfach. Denn der Spielwarenhändler machte im vergangenen Jahr weniger Umsatz, wie der Franz-Carl-Weber-Chef Yves Burger im Dezember 2017 gegenüber der «SonntagsZeitung» sagte. Seit dem Wechsel von der Zürcher Bahnhofstrasse in die Nähe des Bahnhofs ist die Zahl der Kundenbesuche laut Burger zurückgegangen. Der Flagship-Store habe im Vergleich zum vorherigen Standort ein Umsatzminus im zweistelligen Prozentbereich verzeichnet.

«Der Spielwarenverband Schweiz würde es begrüssen, wenn Franz Carl Weber wieder in Schweizer Hände kommt.»Sandro Küng, Schweizer Spiel­warenverband­

Laut den Schätzungen des Marktforschungsinstituts GFK generierte Franz Carl Weber im Jahr 2017 einen Umsatz von 52 Millionen Franken; 2016 sind es 56 Millionen gewesen, und ein Jahr zuvor waren es noch 58 Millionen Franken. Im Schweizer Spielwarenmarkt ist Franz Carl Weber hinter der amerikanischen Kette Toys’R’Us die Nummer zwei. Momentan betreibt der Spielwarenhändler Franz Carl Weber in der Schweiz 20 Filialen, beispielsweise in der Stadt Bern, in Biel oder in Basel.

Die Spielwarenbranche ist im Umbruch. Der Onlinehandel und der Trend zu Computerspielen machen ihr zu schaffen. Der Schweizer Markt gilt zwar bisher als relativ krisenresistent. Aber auch hierzulande verschärft sich der Verdrängungskampf. Mehrmals im Jahr unterbieten sich beispielsweise Coop und Migros mit 30-Prozent-Aktionen auf Spielzeug. Neu kommt der Black Friday hinzu, ein Tag im November, an dem auch Spielwaren mit hohen Rabatten verkauft werden.

Doch die Lage in der Schweiz ist weniger düster als in anderen Märkten. «Solid ist der Markt, weil Schweizer Konsumenten weniger preissensitiv sind als Kunden in anderen Ländern», erklärt Sandro Küng vom Schweizer Spiel­warenverband. Im vergangenen Jahr erzielte die Branche einen Umsatz von 470 Millionen Franken, das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent. «Der Spielwarenverband Schweiz würde es begrüssen, wenn Franz Carl Weber wieder in Schweizer Hände kommt und weiterbestehen kann», fügt der Verbands­experte an.

Käufer in Sicht

Für die Mutter von Franz Carl Weber, die Ludendo-Gruppe, zeichnet sich ebenfalls eine Lösung ab. So hat die französische Elektronikkette Fnac ein Angebot eingereicht, um Teile von Ludendo zu erwerben, schreibt der französische Branchendienst LSA.

Fnac will demnach 106 Geschäfte der Ladenkette Grand Récré und 838 An­gestellte übernehmen und schlägt einen Investitionsplan vor, um unter anderem das Onlinegeschäft anzukurbeln. Dieses Angebot steht in Konkurrenz mit dem Plan von Jean-Michel Grunberg, dem Präsidenten von Ludendo, der das Fa­milienunternehmen in Eigenregie sa­nieren will. Davon, dass Fnac auch Franz Carl Weber übernehmen will, ist nichts bekannt.

Erstellt: 05.07.2018, 06:40 Uhr

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Das Traditionshaus

Eine wechselhafte Geschichte

Gegründet wurde das Unternehmen vom gebürtigen Bayer Franz Philipp Karl Friedrich Weber. 1881 eröffnete er an der Zürcher Bahnhofstrasse das erste Geschäft. Einer der ersten verkauften Artikel war ein Schaukelpferd. Dieses wurde das Signet des Händlers. Dank neuestem Spielzeug aus Nürnberg setzte sich das junge Unternehmen durch. Franz Carl Weber wurde über drei Generationen von der Familie weitergeführt. In den 70er-Jahren betrieb Franz Carl Weber ein Netz von 50 Geschäften in der Schweiz und 86 Filialen in fünf weiteren Ländern. 1984 wurde Franz Carl Weber an den Denner-Konzern verkauft. Als Tochter fristete Franz Carl Weber aber ein Mauerblümchendasein, und in der Folge schrumpfte die Kette auf neun Läden. Schweris Enkel, der ehemalige Denner-Chef Philippe Gaydoul, versuchte im Jahr 2004, dem Spielzeughändler wieder Leben einzuhauchen. Für die Renovation des Zürcher Stammhauses investierte Gaydoul 12,5 Millionen Franken. Trotz allem folgte im Jahr 2006 der Verkauf an Ludendo nach Frankreich. (rag)

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