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Was hinter den massiven Verspätungen bei Eurowings steckt

Stundenlange Verzögerungen und Flugausfälle: Bei der Lufthansa-Tochter läuft es derzeit nicht rund. Die Integration von Air Berlin bereitet grosse Probleme.

Da klappt derzeit nicht alles reibungslos: Eurowings-Maschine macht sich zum Abflug bereit. (Archiv)
Da klappt derzeit nicht alles reibungslos: Eurowings-Maschine macht sich zum Abflug bereit. (Archiv)
Alexander Heinl/dpa, Keystone

Das Wetter war gut, alles schien bereit. Die Eurowings-Maschine EW769 sollte Montag vom Flughafen Zürich um 17.05 Uhr nach Köln–Bonn abheben. Doch statt eines reibungslosen Routineflugs erlebten die Passagiere Chaos pur.

Wegen eines technischen Defekts blieb die Maschine zunächst am Boden. Per Twitter teilte Eurowings dann am Abend mit, dass es schliesslich um 21.22 Uhr losgehen sollte. Doch auch daraus wurde nichts. Am Ende annullierte Eurowings den Flug. Immerhin konnten die meisten Passagiere auf den Flug EW 763 um 22.30 Uhr umgebucht werden. Ironie der Geschichte: Hier profitierten die Passagiere von einer Verspätung, denn dieser Flug hätte eigentlich um 20.40 Uhr Richtung Köln abheben sollen.

Chaos am Himmel

Vor allem die Lufthansa-Tochter Eurowings macht derzeit mit solch massiven Verspätungen und Annullierungen Schlagzeilen. «Es gibt derzeit in Europa keine andere Fluggesellschaft, die mit derart gravierenden Problemen kämpft», meint gar der Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt, Geschäftsführer der Beratungsagentur Expairtise.

Dem stimmt offenbar sogar Eurowings-Chef Thorsten Dirks zu. In einer Mail entschuldigte er sich vor einigen Tagen bei seinen entnervten Kunden. Und nennt Gründe für den harzenden Flugbetrieb.

Der wichtigste: Eurowings hat Probleme, die übernommenen Flugzeuge und das Personal von der untergegangenen Air Berlin zu integrieren. «Innerhalb weniger Monate haben wir mehr als 70 Flugzeuge transferiert, 3000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt und aufwendige Umbauarbeiten organisiert», rechnet Dirks in dem Schreiben vor. «Die laufende Übergangsphase ist operativ wie logistisch ein enormer Kraftakt, für den es keine Blaupause gibt.»

Lufthansa entschuldigt sich

Auch die Mutter Lufthansa hat sich wegen des Chaos bei ihrer Billigtochter bei ihren Vielfliegern entschuldigt. «Uns ist bewusst, dass wir Ihnen leider nicht den Service bieten konnten, den Sie von uns als Premium-Airline erwarten dürfen und der unser Anspruch ist», heisst es in dem Schreiben. Allein im ersten Halbjahr habe man mehr Flüge streichen müssen als im gesamten vergangenen Jahr.

Hinzu kommen externe Faktoren wie Engpässe bei Europas Flugsicherung, wiederholte Fluglotsenstreiks sowie Unwetter, argumentiert Eurowings-Chef Dirks.

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«Die Insolvenz von Air Berlin und Niki hat eine grosse Lücke bei den Ferienflugstrecken hinterlassen, die Eurowings, Easyjet, Laudamotion/Ryanair, Vueling und Condor nun schliessen», heisst es vom Fluggastportal Fairplane. Das bereite allen Airlines Probleme. «Die Airlines führen quasi einen Testlauf durch», heisst es. Bis sich die neuen Abläufe eingespielt hätten, dürfte es noch dauern.

Die grössten Probleme hat aber offenbar Eurowings. «Einen Flugbetrieb von dieser Grösse in eine Airline zu übertragen, die selbst stark wächst, das ist eine Riesenaufgabe», sagt Experte Grossbongardt. Und ergänzt: «Es ist nicht einfach mit der Umlackierung der Air-Berlin-Maschinen getan.» Wegen Geldmangel habe die untergegangene Fluggesellschaft bei der Wartung vermutlich nur das Nötigste gemacht, sodass Eurowings nun Flieger in den Werften hat, die einen erhöhten Servicebedarf haben. «Die Maschinen sind nicht unsicher, aber in keinem Topzustand», so Grossbongardt.

Sturm auf die Fluggastportale

Bei Anbietern, die Passagieren dabei helfen, ihre Entschädigungsansprüche bei Verspätungen durchzusetzen, laufen derweil die Drähte heiss. «Wir verzeichnen seit Anfang des Jahres eine Verdoppelung der Anfragen allein mit Blick auf Flüge mit Start oder Ziel Düsseldorf», sagt ein Sprecher des Fluggastportals Fairplane. Da die Feriensaison gerade erst beginne, rechnet Fairplane mit einem weiteren Anstieg.

«Es fehlt den Fluglinien massiv an fliegendem Personal», fügt Fairplane an. Fällt zum Beispiel ein Pilot aus, würden damit mindestens sechs Flüge auszufallen drohen, da die Airlines keinen Ersatz hätten. Auch bei den Flugzeugen gäbe es Engpässe. Fällt ein Flugzeug aus, fehlt den Airlines Ersatz. Von diesen Problemen sei die gesamte Branche betroffen.

Eurowings-Chef Dirks verspricht den leidgeprüften Passagieren Besserung: «Der aufwendige Transfer früherer Air-Berlin-Flugzeuge wird Ende Juli abgeschlossen sein», kündigt er an.

Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt ist da skeptischer: «Ich gehe davon aus, dass Eurowings noch bis Ende des Jahres mit der Integration von Air Berlin beschäftigt sein wird.»

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