«Für den Kunden ist das super»

Der Bund zwingt Swisscom neu zur Einführung der Flatrate im Festnetz. Wie überraschend die Änderung kam und wer jetzt profitiert. Dazu Telecomexperte Ralf Beyeler von Comparis.

Dass der Bund die Swisscom zu Flatrate-Abos zwingt, ist seltsam: Jugendliche mit ihren Handys.

Dass der Bund die Swisscom zu Flatrate-Abos zwingt, ist seltsam: Jugendliche mit ihren Handys. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Herr Beyeler, war eine solche Änderung zu erwarten?
Nein. Ich bin überrascht und habe das so nie erwartet. Es ist zudem seltsam, dass der Bund einem Anbieter – in diesem Fall Swisscom, der Anbieter der Grundversorgungskonzession – vorschreibt, eine Flatrate anbieten zu müssen. Eigentlich ist die Telekommunikation ein Markt, in dem mehrere Akteure tätig sind – dass da eine solche neue Preisregulierung stattfindet, ist doch sehr speziell.

Warum ist diese Regulierung so speziell?
Die bisherigen Preisobergrenzen haben durchaus Sinn ergeben. Dabei hat man sich aber immer via Preisniveau auf dem Markt an schon bestehenden Produkten orientiert. Jetzt schafft der Bund eigentlich ein neues Produkt.

Bewegt sich bei Telekommunikationsprodukten nicht sowieso alles hin zu Flatrateangeboten?
Grundsätzlich ist das so, besonders beim Mobilfunk, dass alles in Richtung Flatrate geht. Andererseits: Ist es wirklich am Gesetzgeber, in den Markt einzugreifen und dem Markt vorzugeben, was er für Produkte kreieren soll? Bisher gibt es tatsächlich nirgends auf dem Markt für diesen Preis eine Flatrate für Festnetztelefonie, mit dem man auch ins mobile Netz telefonieren kann. Dass der Bund hier eingreift, ist etwas ganz Neues. Bisher wurden nur Rahmenbedingungen gesetzt.

Profitiert der Kunde von dieser Änderung?
Für den Kunden ist das super: Ein Festnetzanschluss mit Flatrate in alle Netze für 29.40 Franken (Angabe von Comparis, der Bund hat die Preise ohne Mehrwertsteuer angegeben, Anm. d. Red). Bisher kostete ein Festnetzanschluss 25.35 Franken – ohne Gespräche. Nun kriegt man die für 4 Franken mehr im Monat dazu. Wer also jede Woche ein dreiminütiges Telefon auf ein Handy macht, dürfte mit dem neueren Modell billiger fahren. Die Frage ist natürlich, wie sich das auf die Leute auswirkt, die ihr Festnetz nur selten gebrauchen. Die Swisscom wird ihren Spielraum ausschöpfen wollen und den Preis für das Festnetzabo ziemlich sicher erhöhen – auch bei Kunden, die das so nicht unbedingt brauchen. Seit der Liberalisierung hat sich die Swisscom beim Festnetzanschluss immer an der Preisobergrenze bewegt.

Was für Folgen haben diese Änderungen für die Swisscom nun sonst noch?
Die Swisscom wollte das analoge Festnetz relativ bald abschalten. Das wird sich nun verzögern, weil in der Übergangsbestimmung steht, dass der Inhaber der Grundversorgungskonzession – also vermutlich die Swisscom – dazu verpflichtet sein wird, dem Kunden bis Ende 2020 analoge Festnetz- und ISDN-Anschlüsse anzubieten. Die Kunden müssen nun also nicht so schnell auf IP-Telefonie umsteigen, wie das die Swisscom eigentlich gerne möchte.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.09.2015, 10:45 Uhr

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