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Für Swisslog ist nach der Übernahme vor der Übernahme

Von Matthias Pfander

Die Aufgabe gehört zu den monotonen Arbeiten in der Logistik. Das Zusammenstellen einzelner Produkte für einen Auftrag, im Jargon Picking oder Kommissionieren genannt. So monoton diese Aufgabe ist, so schwierig ist gleichzeitig ihre Automatisierung. Denn der Kopf muss immer bei der Sache sein, sonst steigt die Fehlerquote rasant.

Das automatische Picking ist die Disziplin, der sich der deutsche Roboterhersteller Kuka und der Schweizer Logistikintegrator Swisslog verschrieben haben. Es ist ein Anwendungsgebiet, das erst gerade so richtig in den Fokus rückt und dem viel Potenzial zugetraut wird. Etwa im Onlinehandel, wo in riesigen Verteilzentren die Sendungen für die Kunden zusammengestellt werden. Oder in Spitälern für die automatisierte Zusammenstellung von Medikamenten. Die Perspektive in diesen Geschäftsfeldern war einer der Treiber für die Übernahme von Swisslog durch Kuka. Das Angebot dafür kam im Herbst 2014. Vollzogen wurde der Deal Ende desselben Jahres, und im vergangenen Sommer verschwand Swisslog von der Börse.

Eine gewichtige Übernahme

Die Integration von Swisslog sei weit fortgeschritten, heisst es heute bei Kuka: «Wir haben bereits gemeinsame Grossaufträge und auf der Hannover Messe gemeinsame Lösungen vorgestellt», sagt eine Sprecherin. Aus der Perspektive von Kuka war Swisslog eine gewichtige Übernahme und verschaffte dem zuvor stark auf die Autoindustrie ausgerichteten Unternehmen eine breitere Basis. Der Kaufpreis lag bei 338 Millionen Franken, aktuell steuert Swisslog mit 620,8 Millionen Euro etwas mehr als ein Fünftel zum Gesamtumsatz von Kuka bei.

Swisslog beschäftigt gut 2500?Mitarbeitende und hat Kunden in rund 50?Ländern. Die Wurzeln der Firma reichen zum 1900 gegründeten Aargauer Industriekonzern Sprecher + Schuh zurück, dessen Namen auch zu «Schnörri + Schlarpi» verulkt wurde. Swisslog heisst die Firma seit 1994, und einmal wäre sie fast von der Bildfläche verschwunden. Nach diversen Übernahmen wies Swisslog Ende November 2003 in einer Zwischenbilanz einen Verlust von 242?Millionen aus und stand mit einer Überschuldung um 146?Millionen Franken vor dem Konkurs.

Mit einer Rosskur inklusive Kapitalschnitt und Forderungsverzicht durch die Banken gelang die Rettung. Der damalig Verwaltungsrat trat geschlossen zurück. Danach übernahm Hans Ziegler das Ruder, der durch sein Mandat bei der schliesslich pleitegegangenen Erb-Gruppe bekannt geworden war.

Ziegler brachte Swisslog aus der Verlustzone und auf einen Wachstumspfad. Im Jahr 2008 erzielte das Unternehmen mit 798?Millionen Franken seinen bislang höchsten Umsatz. Und zum ersten Mal erhielten die Aktionäre wieder eine Dividende, wenngleich sie mit 5?Millionen sehr klein ausfiel. Während zehn Jahren versuchte Ziegler das Unternehmen weiterzubringen, zuletzt im Doppelmandat als Konzernchef und Präsident. Nachdem der Verkauf an Kuka erledigt war, verliess Ziegler letzten Juni den Swisslog-Verwaltungsrat.

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