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GAM-Chef Friedman tritt per sofort ab – neuer CEO gesucht

Beim krisengeschüttelten Vermögensverwalter GAM kommt es nach der Suspendierung eines Investments-Managers zu einem Wechsel an der Spitze.

GAM-CEO Alexander Friedman tritt per sofort zurück. (Jason Alden/Bloomberg/Getty Images)
GAM-CEO Alexander Friedman tritt per sofort zurück. (Jason Alden/Bloomberg/Getty Images)

Der unter hohen Geldabflüssen leidende Vermögensverwalter GAM muss einen neuen Chef suchen. Der derzeitige CEO Alexander Friedman, der unter starker Kritik stand, verlässt das Unternehmen per sofort. Er und der Verwaltungsrat hätten sich geeinigt, dass der «nächste Entwicklungsschritt des Unternehmens unter neuer Führung angegangen werden» solle, teilte GAM am Dienstag mit.

Interimistisch übernimmt David Jacob, Mitglied des Verwaltungsrats, die CEO-Position. Gleichzeitig wurde die Suche nach einem neuen Gruppenchef eingeleitet. Der nächste Entwicklungsschritt des Unternehmens solle unter neuer Führung angegangen werden, schreibt GAM.

Interim-CEO kein Kandidat

Einen Zeitrahmen für die Suche nach einem neuen CEO habe sich GAM bewusst nicht gegeben, ergänzte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. «Wir wollen uns Zeit nehmen, um die beste Person zu finden.» Dabei schaue sich GAM sowohl intern wie extern nach einem Nachfolger für Friedman um.

Interims-CEO Jacob sei allerdings kein Kandidat. Der Brite ist seit April 2017 Mitglied des Verwaltungsrats und hatte laut Mitteilung bereits Führungspositionen bei anderen Vermögensverwaltern inne und verfügt über weitreichende Industrieerfahrung.

Jacobs Rolle sei es, dass die erforderlichen Massnahmen, um die Strategie von GAM voranzutreiben und die Profitabilität zu unterstützen, «so rasch als möglich» umgesetzt werden. Weitere Informationen würden «zu gegebener Zeit» kommuniziert.

Top-Fondsmanager suspendiert

GAM leidet unter Geldabflüssen in Milliardenhöhe, seitdem der Investment-Manager Tim Haywood Ende Juli nach Kritik an seinem Umgang mit dem Risikomanagement suspendiert worden war. In der Folge hatte GAM die Liquidierung der von Haywood betreuten Fonds beschlossen.

GAM hatte einen Rückgang der verwalteten Vermögen per Ende September auf 146,1 Milliarden Franken nach 163,8 Milliarden per Ende Juni mitgeteilt. Im Kerngeschäft, dem Investment-Management schrumpfte das verwaltete Vermögen von Juli bis September um gut 20 Prozent auf 66,8 Milliarden Franken. CEO Friedman hatte damals noch die Umsetzung «unmittelbarer und zeitnaher Massnahmen, um die Profitabilität zu unterstützen» in Aussicht gestellt. GAM vertröstete auf Februar, wenn der Jahresabschluss 2018 vorgelegt wird.

Der Kurs der GAM-Aktie fiel Ende Oktober auf einen Tiefstwert von 5,37 Franken, nachdem sie im Februar 2018 noch bei über 18 Franken gehandelt worden war.

Übernahme-Gerüchte

Wegen der Krisenlage wird GAM zum Ziel von Angreifern. Der britische Vermögensverwalter Schroder zeigt der «Financial Times» zufolge Interesse an der Übernahme des Geschäftsbereichs Systematic. Dieser war von den jüngsten Vermögensabflüssen kaum betroffen. GAM habe das Ansinnen abgelehnt - angeblich, weil der Verkauf einzelner Filetstücke die Veräusserung des Gesamtunternehmens erschwere.

Wohin GAM in den nächsten Monaten steuere, hänge stark vom Marktumfeld ab, sagt Tomasz Grzelak, Analyst beim Wertpapierhaus Baader-Helvea. «Gibt es Rückenwind von den Finanzmärkten, bekommt GAM wohl etwas Zeit, um seine Baustellen abzuarbeiten.» Andernfalls dürften die Abflüsse wohl andauern, so Grzelak,« und dann wird es wirklich schwierig.»

Anleger dürften Wechsel begrüssen

Am Aktienmarkt dürfte der Wechsel an der GAM-Spitze begrüsst werden. Im vorbörslichen Handel notiert die GAM-Aktie am Dienstagmorgen um 7,3 Prozent im Plus.

Zuletzt hatte ZKB-Analyst Michael Kunz gesagt: «Ein Wechsel an der Spitze würde ein positives Signal aussenden, wenngleich mehr an die Aktionäre als an die Kunden.» Es gebe «eine Reihe von Investoren, die einen solchen Wechsel begrüssen würden.»

Auch Tomasz Grzelak von Baader-Helvea sagte vor kurzem, dass «ein personeller Neuanfang bei GAM der Aktie helfen würde.» Er kreidete Friedman zwei Fehler an: Einmal sei der 2016 erworbene britische Hedgefonds Gantab ein Missgriff gewesen. Mit dem Abschreiber von fast 60 Millionen Franken auf diesem Zukauf begannen im Juli die Hiobsbotschaften, die die GAM-Aktie seit Anfang Jahr einbrechen liessen. Zum anderen bemängelte Grzelak das «unglückliche» Krisenmanagement Friedmans nach der Suspendierung des Fondsmanagers Haywood Ende Juli.

Gemäss einer internen Untersuchung, die nach einem Tipp eines Whistleblowers eingeleitet wurde, soll Haywood hauseigene Vorschriften missachtet haben, etwa was Dokumentations- und Kontrollerfordernisse betrifft.

Wegen höher Löhne kritisiert

Der GAM-Verwaltungsrat dankt Friedman in der Mitteilung für seine Leistungen. Er habe das Geschäft «während einer Zeit beispielloser Herausforderungen» kompetent geführt, hiess es. Während seiner Zeit als CEO habe er ein umfangreiches Umbauprogramm vorangetrieben. Und bei seiner Entscheidung im Juli, einen «Investment Director» zu suspendieren, habe er «die volle Unterstützung des Verwaltungsrates» gehabt.

Friedman übernahm das Amt des GAM-CEO im Herbst 2014. Er war aber unter anderem auch wegen hoher Lohnbezüge immer wieder in die Kritik geraten. Im Jahr 2017 hatte die GAM-Generalversammlung nach scharfer Kritik eines Hedgefonds gar die Management-Vergütungen abgelehnt.

Zu allfälligen Abgangsentschädigungen für Friedman wollte der GAM-Sprecher am Dienstag keine Angaben machen. Über die Entschädigungen werde man bei der Publikation des Vergütungsbericht im kommenden Jahr informieren, sagte er.

SDA/rm/cfr/anf

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