GE will erneut Stellen streichen

Das Energiegeschäft lahmt. Nun plant der US-Konzern General Electric in der Schweiz einen Abbau von Arbeitsplätzen. Es wäre dies bereits die dritte Sparrunde hierzulande.

General Electric will schlanker werden: Das Firmenlogo im aargauischen Baden. Foto: Walter Bieri/ Keystone

General Electric will schlanker werden: Das Firmenlogo im aargauischen Baden. Foto: Walter Bieri/ Keystone

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Von den Turbulenzen, die den US-Industriekoloss General Electric (GE) erfasst haben, ist auf der Schweizer Internetsite nicht das Geringste zu spüren. «GE ist ein starker Partner, der das Wachstum der Schweizer Wirtschaft durch Inno­vationen und zukunftweisende Technologie-Lösungen» unterstützt.

Der «starke Partner», die Nummer eins auf dem Weltmarkt für Gasturbinen, leidet unter akuter Auftragsflaute und Preisdruck. Das Energiegeschäft liegt darnieder, die Folgen davon treffen die GE-Niederlassungen in der Schweiz. Bis zu 1300 der insgesamt 4500 Stellen sollen im Kanton Aargau abgebaut werden, meldete die «Aargauer Zeitung» gestern unter Berufung auf interne Quellen bei GE. Die GE-Kommunikations­abteilung in Deutschland, die auch für die Schweiz zuständig ist, erklärt auf ­Anfrage, dass die «Gerüchte» nicht bestätigt werden könnten. «Zum derzeitigen Zeitpunkt können wir leider keine genaueren Angaben machen.»

Beim Angestelltenverband Schweiz heisst es, dass GE die Hiobsbotschaft bereits im September intern kommunizieren wollte, dann sei der Termin verschoben worden. Am 13. November will John Flannery, der neue Chef des Konzerns, an einem Investorentag bekannt geben, wie er das Unternehmen wieder auf die Spur zu bringen gedenkt. Dass mit allem zu rechnen ist, hat er letzte Woche durchblicken lassen: Der Mischkonzern mit einem Jahresumsatz von mehr als 110 Milliarden Dollar will in den nächsten zwei Jahren Firmenteile von über 20 Milliarden Dollar loswerden. «Es wird bei GE nichts mehr so sein, wie es war», kündigte Flannery an.

Erste Abbauwelle ist durch

Nun sind Restrukturierungen bei GE Schweiz kein Novum, denn das Geschäft mit Gasturbinen serbelt schon seit längerem. Im Januar 2016, weniger als zwei Jahre nach der Übernahme der Energiesparte des französischen Konkurrenten Alstom durch GE, teilte der US-Konzern mit, dass bis Ende 2017 in Europa 6500 Jobs abgebaut würden. Damals umfasste der europäische Energiebereich von GE 48'000 Arbeitsplätze.

Am härtesten traf es die Schweiz, ­deren Bestand an Arbeitsplätzen von damals 5500 um 1300 zusammengestaucht werden sollte. Fünf Monate später war die Rede von noch 900 Stellen, die gestrichen würden. Die Differenz von 400 Stellen war rasch erklärt. Viele Betroffene hatten sich freiwillig einen neuen Arbeitgeber ausserhalb von GE gesucht oder bewarben sich erfolgreich auf ­offene Stellen GE-intern. Mittlerweile dürfte der Abbau der 900 Arbeitsplätze erfolgt sein. Laut GE gibt es in der Schweiz in der Energiesparte derzeit rund 4500 Stellen.

Noch, ist anzufügen. Denn bereits im Juli dieses Jahres gab GE den Abbau weiterer 99 Personen im Bereich Hydropower in Birr AG bekannt, wo Generatoren und Turbinen für Wasserkraftwerke gebaut werden. Die Restrukturierung ist laut Angestelltenverband Schweiz derzeit noch im Gange. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei schlecht, heisst es weiter. Denn auch in den Werkhallen und Büros registrierten die Angestellten, dass kaum noch neue Aufträge ­ergattert werden könnten.

Und nun bahnt sich die dritte Abbaurunde an. Welche Ausmasse sie für die Schweiz annehmen wird, ist derzeit unklar. Sobald Flannery die Marschrichtung im November durchgegeben haben wird, müssen die europäischen Betriebsräte eingeschaltet werden. Sie ­werden versuchen, den Schaden für ihr Land so klein wie möglich zu halten.

Keine Arbeitsplatzgarantie

Die GE Schweiz ist mit zwei Personen im Betriebsrat vertreten, Druckmittel gibt es keine. GE hatte bei der Übernahme des Alstom-Teils dem Personal keine Arbeitsplatzgarantie abgegeben. Wohl mit etwas Neid dürften die Schweizer seither auf ihre Kollegen in Frankreich blicken. Dort musste sich GE verpflichten, innerhalb von drei Jahren 1000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wurden also bei den letzten Restrukturierungen ­Stellen gestrichen, musste die entsprechende Zahl anderswo wieder aufgebaut werden. GE, weltweit führend in der Herstellung von Grosskraftwerken, hatte die Veränderungen auf dem Energiemarkt nicht richtig eingeschätzt: Der Trend läuft seit einigen Jahren hin zu kleineren, dezentralen Energieerzeugungsanlagen, und die erneuerbaren Energien haben die Nachfrage nach Gaskraftwerken stark gedrückt.

Von den harten Zeiten im Kraftwerksgeschäft ist nicht nur GE betroffen. Auch der deutsche Konkurrent Siemens plant offenbar einen Kahlschlag in diesem Bereich. Gemäss einem ­Bericht des deutschen «Manager-Magazins» sollen bis zu 11 von weltweit 23 Standorten geschlossen und Tausende Stellen abgebaut werden. Siemens hat sich bis jetzt nicht öffentlich dazu geäussert. In Stellung gebracht haben sich dagegen bereits die deutschen Gewerkschaften. Sie pochen darauf, dass eine unbefristete Job- und Standortgarantie in Deutschland bestehe.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.10.2017, 21:14 Uhr

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