Genervte Fans, glückliche Uefa

51 statt 31 Spiele: Viele Fussballfans finden keinen Gefallen am neuen EM-Modus. Doch für die Uefa hat er sich gelohnt – wie eindrückliche Zahlen zeigen.

Mehr ist nicht gleich besser: Viele Spiele der EM sorgten bei den Zuschauern eher für müde Gesichter (6. Juli 2016).

Mehr ist nicht gleich besser: Viele Spiele der EM sorgten bei den Zuschauern eher für müde Gesichter (6. Juli 2016). Bild: Reuters

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Die EM 2016 ist Geschichte, die Portugiesen freuen sich, doch viele Fussballkenner und Fans sind enttäuscht. «Vor allem die Gruppenphase war unfassbar langweilig, ein Horror», sagte etwa der Schweizer Ex-Bundesligatrainer Lucien Favre zum deutschen Magazin «Der Spiegel». Die Qualität der Spiele sei einfach zu schlecht gewesen. Schuld war laut Favre der neue Turniermodus, der bewirkte, dass 24 statt 16 Mannschaften in der Endrunde mitspielten. «Wenn die Uefa eine EM mit 24 Mannschaften spielen lässt, hat das bestimmt wirtschaftliche Vorteile. Aber dem Spiel schadet es», sagt Favre.

Tatsächlich scheint sich der neue Modus zumindest finanziell für die Uefa auszuzahlen. Denn die gestiegene Anzahl Spiele dürfte sich positiv auf die EM-Bilanz auswirken. An der Abschlussmedienkonferenz in Paris gab die Uefa erste Zahlen bekannt. Demnach betragen die vorläufigen Einnahmen mehr als 2 Milliarden Franken und liegen damit deutlich höher als bei der EM 2012 in der Ukraine und Polen (1,4 Milliarden Franken). Die Kosten belaufen sich auf 1,2 Milliarden Franken, es resultiert ein provisorischer Gewinn von 900 Millionen Franken. Davon sollen 650 Millionen an die Uefa-Mitgliedsverbände fliessen. Mit dem Rest werden organisatorische Kosten beglichen. 2012 hatte laut der Uefa-Erfolgsrechnung ein Gewinn von 640 Millionen Franken resultiert.

«Jedes zusätzliche Spiel ist eine Plattform»

«Aus Sicht der Uefa war das Turnier ein voller Erfolg», sagt Marcel Hüttermann, Sportmarketingexperte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Wurden an der EM 2012 noch 31 Spiele ausgetragen, waren es dieses Jahr 51. «Jedes zusätzliche Spiel ist eine weitere Plattform für die Sponsoren, um sich zu präsentieren. Und deshalb auch ein lohnendes Geschäft für die Uefa», sagt Hüttermann.

Dass die Qualität der Spiele sinkt und Fans deshalb enttäuscht sind, kann Hüttermann zwar nachvollziehen. Er rechnet aber nicht damit, dass die Popularität des Turniers langfristig darunter leidet. «Die EM bleibt ein einmaliges Ereignis. Auch wenn die Fans sich erst noch an den neuen Modus gewöhnen müssen.» Hüttermann kann dem neuen System im Übrigen auch Positives abgewinnen, «weil kleinere, sympathische Mannschaften wie Albanien die Chance bekamen, mitzutun».

Überhaupt sei die EM auch aus marketingtechnischer Sicht erfolgreich verlaufen, sagt Hüttermann. Die Uefa habe sich im Sponsoring sichtlich weiterentwickelt, vor allem was die digitale Bandenwerbung angehe. «Da ist man technisch auf dem neusten Stand.» Aufschlussreich findet Hüttermann auch die zunehmende Präsenz von asiatischen Unternehmen auf europäischen Fussballfeldern: «Sie versuchen offenbar, neue Kunden auf dem Kontinent zu gewinnen.» Die Firma Hisense etwa war vor der EM auf dem europäischen Markt kaum präsent. Der Elektronikkonzern war dieses Jahr offizieller Partner der Uefa – als erstes chinesisches Unternehmen in der Geschichte des Turniers.

Erstellt: 11.07.2016, 14:45 Uhr

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