Germania war sicher nicht die letzte Pleite

In Europa scheitert eine Fluggesellschaft nach der anderen. Kleine Airlines können kaum überleben. Gleichzeitig gewinnen die Grossen an Macht.

Stopp heisst es vielleicht bald für die nächste Mini-Airline: Ein Germania-Airbus auf dem Flughafen Düsseldorf.

Stopp heisst es vielleicht bald für die nächste Mini-Airline: Ein Germania-Airbus auf dem Flughafen Düsseldorf. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Um 1:11 Uhr am Dienstagmorgen landete Germania-Flug ST3711 aus Fuerteventura in Nürnberg. Dass es ein besonderer Flug war, wussten Passagiere und Crew an Bord des Fliegers noch nicht. Eine halbe Stunde später teilte die deutsche Fluggesellschaft mit, dass sie Insolvenz beantragt und den Flugbetrieb per sofort einstellt.

Erst im Januar war bekannt geworden, dass die Airline ein akutes Geldproblem hatte und nach Investoren suchte – auch ein kompletter Verkauf stand im Raum. Doch auch wenn es kürzlich hiess, ein Investor habe 15 Millionen Euro an Finanzhilfen zugesagt – das Geld kam nicht. Am Freitag musste Germania gestehen, dass sie die Löhne nicht mehr zahlen kann.

Die Grossen werden grösser

Der rapide Absturz der Fluggesellschaft zeigt exemplarisch, wie es um die Branche steht. Die Konsolidierung in Europa ist in vollem Gang und wem es an Grösse und Finanzpolster fehlt, der läuft Gefahr, dass ihn ein ähnliches Schicksal ereilt: Entweder die Pleite oder der Aufkauf durch einen Konkurrenten. Ziemlich sicher wird Germania nicht die letzte Airline sein, die dieses Jahr von Europas Himmel verschwindet, während die grossen Fünf in Europa weiter an Macht gewinnen.

Die grossen Fünf, das sind die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss gehört, die British-Airways-Mutter IAG, Air France-KLM sowie die Billigairlines Ryanair und Easyjet. Im vergangenen Jahr machten ihre Flüge erstmals mehr als 50 Prozent des europäischen Verkehrs aus. Nach dem Ende von Air Berlin haben vor allem Lufthansa, Ryanair und Easyjet in die Lücken gedrängt und das Angebot massiv aufgestockt.

Dass diese 50 Prozent noch lange nicht das Ende sind, zeigt das Beispiel USA. Dort hat die Marktbereinigung längst stattgefunden. Nach Zusammenschlüssen, Pleiten und Übernahmen teilen die grössten fünf US-Airlines rund 90 Prozent des Passagierverkehrs unter sich auf. Für die Passagiere in Europa ist solch ein Szenario freilich nicht wünschenswert. Denn: Weniger Konkurrenz zieht gern steigende Preise nach sich.

Doch das Sterben am Himmel wird weitergehen. Auslöser für die Probleme vieler Fluggesellschaften war im vergangenen Jahr der giftige Cocktail aus hohem Treibstoffpreis, Preiskampf auf europäischen Strecken und vielen Verspätungen, die hohe Kompensationszahlungen an Passagiere nach sich zogen. Auch Germania macht diese Faktoren für die Finanzprobleme verantwortlich.

Viel dürfte sich an der Situation auch in diesem Jahr nicht bessern. Vor allem kleine Fluglinien geraten dann ins Straucheln. Ihnen fehlt das nötige finanzielle Polster, um Durststrecken zu überleben. Das zeigte sich vergangenes Jahr: Mit Azur Air (Deutschland), Cobalt Air (Zypern), Primera Air (Lettland), Privat Air (Schweiz), Skywork (Schweiz), Small Planet (Deutschland, Litauen, Polen) und VLM (Belgien) traf es eine ganze Handvoll kleinerer Anbieter.

Da bleibt nicht viel Raum für Optimismus, was die Schweizer Germania-Tochter angeht. Sie fliegt zwar erst einmal weiter. Doch auch sie ist diesem knallharten Umfeld ausgesetzt. Und mit einer Flotte von nur drei Airbus-Jets gegen Konkurrenten wie Lufthansa, Swiss, Easyjet und Eurowings zu bestehen ist alles andere als leicht.

Erstellt: 05.02.2019, 18:14 Uhr

Artikel zum Thema

Pleite von Germania hat bittere Auswirkungen

Die Airline mit 31 Maschinen steht am Boden, mehrere Tausend Passagiere sind betroffen. Die Schweizer Tochtergesellschaft hält den Betrieb aufrecht. Mehr...

Germania beantragt Insolvenz – Schweizer Airline fliegt weiter

Die Berliner Fluggesellschaft hat ihren Betrieb umgehend eingestellt. Die Schweizer Germania Flug will davon unbeirrt weiter fliegen. Mehr...

Germania beantragt Insolvenz und stellt Betrieb ein

Die Fluggesellschaft Germania kann den Liquiditätsbedarf nicht mehr decken. Der Schweizer Ableger ist nicht betroffen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...