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Gerüchte über Mega-Übernahme reissen nicht ab

General Electric plant Medienberichten zufolge den grossen Schlag. Das Übernahmeopfer weiss von nichts, die Börse reagiert trotzdem schon mal euphorisch.

Setzt der Gemischtwarenladen zum grossen Kauf an? Kochherd von General Electric - was nur eines von vielen Produkten des Elektrotechnikriesen ist.
Setzt der Gemischtwarenladen zum grossen Kauf an? Kochherd von General Electric - was nur eines von vielen Produkten des Elektrotechnikriesen ist.
Reuters

Es wäre eine spektakuläre Milliarden-Übernahme im Industriesektor: Der US-Konzern und Siemens-Konkurrent General Electric (GE) will Medienberichten zufolge den französischen Kraftwerks- und Zugbauer Alstom ganz oder teilweise aufkaufen. Alstom erklärte allerdings in Paris, über «kein öffentliches Kaufangebot bezüglich seines Kapitals informiert» zu sein.

Dennoch schoss der Aktienkurs des Herstellers des französischen Schnellzugs TGV in die Höhe. Die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtete, General Electric wolle Alstom für mehr als 13 Milliarden Dollar übernehmen. Der Betrag liegt 23 Prozent über dem Börsenwert von Alstom nach Handelsschluss am Mittwoch. Die beiden Konzerne könnten eine entsprechende Übereinkunft bereits ab der nächsten Woche bekanntgeben. Demnach wird der Deal vom wichtigsten Alstom-Aktionär unterstützt, dem französischen Bau-, Energie- und Telekommunikationsunternehmen Bouygues. Der Konzern hält rund 29 Prozent der Alstom-Aktien.

Die französische Tageszeitung «Le Figaro» berichtete, General Electric sei nur an der Energiesparte von Alstom interessiert, die etwa 70 Prozent der Aktivitäten des französischen Konzerns ausmacht. Die Schienverkehrs-Sparte solle unabhängig bleiben. Auch solle der Deal nicht über ein öffentliches Kaufangebot abgewickelt werden.

Aktienkurs steigt an

Spätestens am 7. Mai könnte Alstom sich ausführlich zu dem Thema äussern. Dann veröffentlicht der Konzern seine Jahreszahlen, dabei sollen auch Angaben «über die Perspektiven seiner verschiedenen Aktivitäten» gemacht werden.

Der US-Konzern General Electric, der unter anderem Kraftwerke und Flugzeugmotoren herstellt und mit GE Capital auch im Finanzsektor aktiv ist, ist bereits jetzt einer der grössten Konzerne der Welt. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit weltweit 305'000 Mitarbeitern einen Umsatz von 146 Milliarden Dollar, der Börsenwert beläuft sich auf mehr als 265 Milliarden Dollar. Eine Übernahme von Alstom wäre der grösste Kauf von General Electric in seiner Geschichte.

Alstom beschäftigt weltweit 93'000 Mitarbeiter - davon 18'000 in Frankreich - und machte im Geschäftsjahr 2012/13 einen Umsatz von 20,3 Milliarden Euro. Zuletzt war der Alstom-Börsenkurs wegen alarmierender Gerüchte über Finanzprobleme des Konzerns gesunken.

Der Bericht über eine mögliche Übernahme durch GE liess den Aktienkurs der französischen Industriegruppe aber rasant ansteigen: An der Pariser Börse legte der Kurs um zwischenzeitlich fast 17 Prozent zu. Am Nachmittag betrug das Plus immerhin noch 9,5 Prozent.

Paris ist alarmiert

Börsenanalysten von Barclays erklärten, der mögliche Deal wäre «strategisch sinnvoll, indem dieser den Markt der Kraftwerke, des Schienenwesens und der Hochspannungsleitungen angesichts eines schwächeren weltweiten Wachstums und einer stärkeren asiatischen Konkurrenz konsolidiert». GE sei zwar Marktführer bei Kraftwerken, habe aber unter anderem bei Stromnetzen Aufholbedarf. Die Finanzanalysten von Morgan Stanley erklärten, General Electric würde durch einen Kauf von Alstom auch bei der Wasser- und der Atomkraft wachsen.

Unklar ist, wie die Regierung in Paris darauf reagieren wird, sollte eines der Flaggschiffe des französischen Industriesektors von einem ausländischen Konzern übernommen werden. Premierminister Manuel Valls sagte auf die Berichte angesprochen er verfolge die Angelegenheit «aufmerksam». Es gehe schliesslich um Arbeitsplätze und Technologien.

AFP/cpm

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