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Gibts für 900'000 Franken Guisans Kommandoposten?

Die Armee verkauft Immobilien. Auf der Liste steht wohl auch der frühere Bunker von General Guisan, ausgeschrieben als «Batterielager und Stollen Möösli».

Dieses Batterielager der Armee an der Wagnerenstrasse steht zum Verkauf. Den dazugehörenden Stollen soll General Guisan während des Zweiten Weltkrieges als Kommandoposten genutzt haben.
Dieses Batterielager der Armee an der Wagnerenstrasse steht zum Verkauf. Den dazugehörenden Stollen soll General Guisan während des Zweiten Weltkrieges als Kommandoposten genutzt haben.
Alex Karlen

Die Armee bietet verschiedene Immobilien zum Kauf an. Darunter auch ein Objekt eingangs der Wagnerenschlucht. Ausgeschrieben ist es als «Batterielager und Stollen Möösli». Es geht um das 2523 Quadratmeter grosse Grundstück gegenüber der Talstation der Heimwehfluh-Bahn. Kaufpreis: 900'000 Franken.

Der dazugehörende Stollen wird wie folgt beschrieben: «Der Stollen ist eine unterirdische Kammer mit Vorkammer. Diente als Lagerraum. Einfache Raumbeleuchtung sowie eine Lüftung sind vorhanden.» Mag sein, dass die Kammer die letzten siebzig Jahre als Lager genutzt wurde. Von 1941 bis 1944 hatte sie wohl einem anderen Zweck gedient: als Kommandoposten von General Henri Guisan, dem Oberbefehlshaber der Schweizer Armee im ZweitenWeltkrieg. Dies bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung Silvio Keller, Präsident der Stiftung Bunker Fischbalmen und ehemaliger Leiter der Arbeitsgruppe Militärische Denkmäler.

«Nicht komfortabel, aber zweckmässig»

Gemäss dem Buch «Geheime Kommandoposten der Armeeführung im Zweiten Weltkrieg» von Hans-Rudolf Maurer habe Guisan die Umnutzung der Felskaverne des Munitionsnachschubdienstes angeordnet, als er im April 1941 sein Quartier in Interlaken aufschlug. «Die Ausstattung war nicht komfortabel, aber zweckmässig. Es gab Heizung, Belüftung, elektrisches Licht und sechs Telefonstationen», heisst es im Buch. «Als Schlafstelle für den General und die übrigen Offiziere waren Matratzen vorgesehen.» Der Posten sollte als geschützter Arbeitsplatz für Guisan und den engsten Stab gedient haben. Allerdings soll sich Guisan nicht gerne im Stollen befunden haben und selten dort gewesen sein. Meist wirkte er von der Villa Cranz, der heutigen Gemeindeverwaltung, aus oder war im Zug oder im Auto unterwegs.

Zuständig für den Verkauf ist die Armasuisse Immobilien. Dort bezweifelt man, dass man den Kommandoposten Guisans verkaufen will. «Bei der Kaverne handelt es sich um ein unterirdisches Materialmagazin und nicht um einen Kommandoposten von General Guisan», lautet die Antwort auf die entsprechende Anfrage. Gemäss Maurers Buch befand sich der Posten «im Westen von Interlaken am Eingang der Wagnerenschlucht bei Unspunnen». Grosse Bedeutung räumt Keller dem Bunker allerdings nicht ein. Er sei schon lange leer geräumt, und an Guisan erinnere nichts mehr.

Weitere Objekte zum Verkauf ausgeschrieben

Zurzeit sind noch zwei weitere Armeeobjekte im Oberland zum Verkauf ausgeschrieben. Einerseits die Lagerhalle Wysseney in Boltigen: Es geht einerseits um ein Grundstück mit über 10'000 Quadratmetern und eine dreigeschossige Lagerhalle zum Preis von 860'000 Franken. Anderseits das ehemalige Truppenlager Sustenpass, ein Grundstück von über 13'000 Quadratmetern. Preis: 190'000 Franken.

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