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Gillettes Männer-Club gegen den Einkaufstourismus

Die Rasierklingenmarke will mit einem Online-Abo die Schweizer Kundschaft enger an sich binden – Frauen sind vom Angebot ausgeschlossen.

Gillette Shave Club - bislang nur für Männer: Ein Mann mit einem Gillette-Rasierer. (Symbol) Bild: Paul Hawthorne/Getty
Gillette Shave Club - bislang nur für Männer: Ein Mann mit einem Gillette-Rasierer. (Symbol) Bild: Paul Hawthorne/Getty

Gillette hat ein Problem: Mann trägt wieder gerne Bart – ein Auswuchs des Hipster-Phänomens. Hinzu kommen der erstarkte Dollar und der damit verbundene Preisdruck sowie der heftiger gewordene Konkurrenzkampf bei den Klingen durch neue Anbieter und Vertriebsmodelle. In den Quartalszahlen, die Gillette-Eigentümer Procter & Gamble (P&G) am Mittwoch veröffentlichte, zeigte sich der Einschnitt beim Umsatz der Klingen- und Körperpflege-Division mit einem Minus von 6 Prozent.

Bei der Schweizer Niederlassung von P&G drückt noch ein weiterer Faktor auf das Geschäft: Der starke Franken macht es attraktiv, Klingen im Ausland zu beschaffen. Besonders wenn die Einkaufstouristen auch noch die Mehrwertsteuer zurückfordern, ergeben sich dadurch Preisvorteile zwischen 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Schweizer Detailhandel.

15 bis 20 Prozenzt Preisvorteil

In der Schweiz will P&G das Klingengeschäft nun mit einem neuen Vertriebsmodell auf Touren bringen: dem Gillette Shave Club, mit dem der Konsumgütergigant den Onlinekanal besser zu bedienen hofft. Dazu spannt P&G mit dem Onlinehändler Brack.ch als Vertriebspartner zusammen. Kunden können über die Onlineplattform des Clubs ein Abonnement lösen, die Anzahl Lieferungen pro Jahr festlegen und erhalten dann die Klingen nach Hause geschickt.

Der Schweizer P&G-Chef Ralf Gehlen versprach bei der Präsentation des neuen Vertriebsmodells am Donnerstag in Zürich Preisvorteile von 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Einkauf der Klingen im stationären Handel.

Kein Thema ist dieses Clubmodell für die Damenlinie Venus von Gillette. Wobei die Erklärung dafür unverbindlich blieb. Frauen sind offenbar der Marke gegenüber weniger loyal und setzen eher Klingensysteme verschiedener Hersteller ein. Eigentlich könnte ein Abomodell die Kundenbindung erhöhen.

Deshalb drängt sich eine andere Interpretation auf: Die Klingenhersteller sehen sich regelmässig mit dem Vorwurf konfrontiert, dass Frauenklingen deutlich teurer sind als die Männervarianten. Auf die Frage, ob P&G die Frauen nicht in einen Club mit Preisvorteilen einbinden will, um die höheren Margen bei diesen Produktlinien zu schützen, war gestern keine Antwort zu erhalten.

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Heute morgen um 7.28 Uhr traf von Procter & Gamble eine Stellungnahme ein:

«Männer sind für das Abosystem meist empfänglicher, weil sie zum einen weniger gerne shoppen und zum anderen gleichbleibendere Rasurgewohnheiten haben. Die Damenrasur unterliegt einer stärkeren Saisonalität und ist über das Jahr sehr unterschiedlich genutzt.

Wie erwähnt, wird nun zunächst der Gillette Shave Club für die Herren gestartet. Andere Produkte können durchaus noch folgen, es ist im Moment nur einfach noch zu früh zu sagen, welche und wann.»

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