Gläserne Decke der Gesellschaft

Migros und Coop vermarkten ihr gesellschaftliches Engagement – wenn es um Karrierechancen von Frauen geht, sieht es aber nicht so gut aus.

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Coop und Migros kann nicht vorgeworfen werden, sie foutierten sich um gesellschaftliche und soziale Fragen. Beide Grossverteiler führen Nachhaltigkeitsprogramme, und beide bekennen sich zu einer Personalpolitik, in der Mitarbeiterförderung, alternative Arbeitszeitmodelle sowie Chancengleichheit grossgeschrieben werden. Ihr gesellschaftliches Engagement nutzen beide zwar auch exzessiv zu Marketing­zwecken, solange aber die Absichten hinter den Nachhaltigkeits- und Sozialzielen redlich sind, soll ihnen daraus kein Strick gedreht werden.

Nicht ins Bild der Vorzeigeunternehmen, wie sich Migros und Coop gerne selbst darstellen, passt der Frauenanteil unter den Filialleitern. Obwohl im Detailhandel deutlich über 60 Prozent der Angestellten Frauen sind, wird nicht einmal jeder dritte Laden von einer Frau geführt – in den grösseren Supermärkten gibt es sogar noch weniger weibliche Chefs. Dies einfach auf eine unzureichende Frauenförderung der Grossverteiler zurückzuführen, ist jedoch falsch. Denn dass die gläserne Decke, an die Frauen auf der Karriereleiter stossen, selbst in Supermärkten existiert, hat einen gesellschaftlichen Hintergrund.

Weiterhin sind es hauptsächlich Frauen, die sich um Kinderbetreuung und Haushalt kümmern. Und deshalb Teilzeit arbeiten. Das wiederum schliesst vielerorts eine Beförderung aus. Bei Coop etwa sind die Teilzeitstellen zu 86,3 Prozent von Frauen besetzt, Vollzeitstellen dagegen mehrheitlich von Männern. Damit Frauen dereinst Karriere machen können wie Männer, bedarf es eines Umdenkens. So müssen Teilzeitpensen auch für Personen mit Führungsfunktion eine bessere Akzeptanz finden. Als grosse Player können Migros und Coop dabei eine wichtige Rolle spielen. Etwa indem sie ihre Entscheidungsträger auf allen Ebenen für die Thematik sensibilisieren. Und dies mit ihrer Marketingmaschinerie zudem noch öffentlich kundtun. Wirkliche Chancengleichheit dürfte es aber erst dann geben, wenn auch Männer grössere Verantwortung für Familienaufgaben übernehmen und ihre Pensen reduzieren wollen. Dann würden Chefposten mit Teilzeitpensen wohl schnell zur Normalität.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2016, 22:52 Uhr

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