Glencore droht Korruptionsuntersuchung

Die britische Anti-Korruptionsbehörde will offenbar ein Verfahren gegen den Schweizer Rohstoffkonzern eröffnen. Es geht um umstrittene Geschäfte mit einem Freund des kongolesischen Präsidenten.

Korruptionsverdacht: Hauptsitz des Rohstoffhändlers Glencore in Baar ZG. Bild: Urs Flüeler/Archivbild/Keystone

Korruptionsverdacht: Hauptsitz des Rohstoffhändlers Glencore in Baar ZG. Bild: Urs Flüeler/Archivbild/Keystone

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Die britische Strafverfolgungsbehörde Serious Fraud Office steht offenbar kurz vor der Eröffnung einer offiziellen Untersuchung der Geschäfte des Zuger Rohstoffkonzerns Glencore im Kongo. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf zwei Quellen. Die Ermittlungen drehen sich laut dem Bericht um die heiklen Beziehungen des Rohstoffkonzerns mit dem israelischen Geschäftsmann Dan Gertler und dessen Kontakte zur politischen Führung der Demokratischen Republik Kongo. Die Britische Behörde selber äussert sich nicht zu dem Vorgang.

Am 6. November hatte der «Tages- Anzeiger» aufgrund des Datenlecks namens Paradise Papers enthüllt, dass das weltweit grösste Rohstoffhandelsunternehmen den umstrittenen Geschäftsmann für sich verhandeln liess, um an einige der grössten Kupfer- und Kobaltreserven der Welt zu gelangen. Diese liegen in der Demokratischen Republik Kongo und sind Milliarden wert.

Es war jedoch nicht ein Geschäft wie jedes andere, denn Gertler ist ein langjähriger Freund des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila. Beiden wird von regierungskritischen Organisationen seit Jahren Bestechung und Plünderung der Rohstoffressourcen vorgeworfen. Trotzdem setzte Glencore-Chef Ivan Glasenberg auf Gertler. Der Coup gelang: Der Kongo verkaufte seine wertvollsten Lizenzen Hunderte Millionen Dollar unter dem Normalpreis. Glencore profitierte davon, eines der ärmsten Länder der Welt hatte das Nachsehen. Auch Gertler kam zum Zug: Kurz nach dem Deal sorgte Glencore dafür, dass er ein bedeutendes Aktienpaket an ihren kongolesischen Minen erhielt.

Milliarden mit «korrupten Minen- und Öldeals»

Die britischen Korruptionskämpfer wären nicht die erste Behörde, die durchgreift. Nach der Veröffentlichung der Paradise Papers wurde das US-Finanzministerium aktiv und setzte Gertler auf die Sanktionsliste. Die Begründung: Er habe Milliarden angehäuft mit «korrupten Minen- und Öldeals im Kongo». Gertler bestreitet, illegal gehandelt zu haben.

Glencore selbst kam hingegen bis jetzt ungeschoren davon. Falls nun jedoch die britische Strafverfolgungs­behörde dem Konzern Korruption nachweisen würde, drohte ihm eine empfindlich hohe Geldstrafe, möglicherweise auch die Einziehung illegal erworbener Gewinne. Prompt reagierten die an der Londoner Börse gehandelten Aktien von Glencore am Freitag mit kräftigen Verlusten. Am Nachmittag stürzte der Kurs um 8,7 Prozent ab und lag zum Börsenschluss 4,3 Prozent im Minus. Glencore wollte den Bericht über die Ermittlungen in London nicht kommentieren.

Schweiz um Rechtshilfe gebeten

Auch die Schweiz ist bereits in die Ermittlungen rund um Dan Gertler und den Kongo involviert. Dank eines Urteils des Bundesstrafgerichts und Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wurde im Januar erstmals bekannt, dass die britische Anti-Korruptionsbehörde Rechtshilfe in der Schweiz beantragte, und zwar für ihr Verfahren gegen Gertler. Die Briten forderten von den Schweizern Bank­kontodokumente von Gertler.

Glencore wäre nicht das erste Unternehmen, das wegen seiner Nähe zu Gertler ins Visier der Justiz käme. Der US-Hedge-Fund Och-Ziff hat bereits zugegeben, im Kongo bestochen zu haben, und zwar via «einen israelischen Geschäftsmann». Die Amerikaner mussten danach Strafen von über 400 Millionen Dollar bezahlen.

Glencore befindet sich derzeit in einer Zwickmühle. Die US-Sanktionen gegen Gertler und nun die Meldung aus London müssten den Konzern dazu bewegen, sich so weit wie möglich vom Israeli zu entfernen. Das Problem ist, dass dies Gertlers Freunde im Kongo verärgern könnte, und die nehmen die Schweizer derzeit auch in die Zange. Gertler fordert vor Gerichten gerade drei Milliarden Dollar von Glencore. Gleichzeitig will die kongolesische Regierung eine Minentochter von Glencore auflösen, die damit sogar wertvolle ­Lizenzen verlieren könnte.

Erstellt: 18.05.2018, 22:36 Uhr

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