Glencore: Glasenberg macht ein Schnäppchen in Russland

Der Zuger Rohstoffhändler ergattert dank Grossaktionär Katar einen lukrativen Liefervertrag mit dem Ölkonzern Rosneft. Politisch ist der Deal heikel.

Geringer Einsatz, gute Position für weitere Geschäfte: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Foto: Simon Dawson (Bloomberg)

Geringer Einsatz, gute Position für weitere Geschäfte: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Foto: Simon Dawson (Bloomberg)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man kann es Ivan Glasenberg, dem Chef und Grossaktionär von Glencore, nicht verdenken, wenn er derzeit gut gelaunt ist. Glencore und der Staatsfonds des Emirats Katar übernehmen für 10,5 Milliarden Euro 19,5 Prozent an Russlands grösstem Ölkonzern Rosneft. Rosneft-Chef Igor Sechin sagte zunächst, Glencore und Katar beteiligten sich zu gleichen Teilen an Rosneft. Glasenberg stellte indes umgehend klar, dass er mit diesem Deal maximal 300 Millionen Euro Aktienkapital riskiere. Der grosse Rest der Milliardeninvestition werde von Katar und von Banken aufgebracht.

Glencore erwirbt bloss 0,54 Prozent am Kapital von Rosneft. Und sitzt künftig mit vergleichsweise geringem Einsatz bei Russlands staatsnahem Ölriesen direkt am Tisch, wenn einträgliche Geschäfte zu vergeben sind. Es winkten «zusätzliche Gelegenheiten für weitere Kooperationen mittels strategischer Partnerschaften, inklusive Projekte für Infrastruktur, Logistik und weltweites Trading», so Glasenberg.

Ebenso wichtig dürfte Glasenberg die Abnahmevereinbarung sein, die Teil des Deals mit Rosneft ist. Die Russen liefern Glencore fünf Jahre lang 220 000 Fass Rohöl pro Tag. Die zusätzliche Liefermenge stärkt Glencores Rolle als dominierender unabhängiger Händler von russischem Öl. Eine Rolle, die der Erz­rivale Trafigura der in Baar ZG domizilierten Glencore streitig macht.

Russland drosselt Ölförderung

Der Deal mit Rosneft bringt dem Handelsarm von Glencore ein willkommenes Zusatzgeschäft. Glasenberg braucht mehr Einnahmen, hat er doch den Aktionären versprochen, sie erhielten 2017 nach Jahren erstmals wieder eine Dividende. 1 Milliarde Dollar hat er ihnen in Aussicht gestellt. Das Minengeschäft, der andere Zweig des Unternehmens, kann dazu wegen der flauen Nachfrage wenig beitragen.

Glencore profitiert nun davon, dass der Staatsfonds von Katar mit 9 Prozent ihr grösster Aktionär ist. Ins Geschäft mit Rosneft kamen die Katarer und die Zuger wohl während der jüngsten Verhandlungsrunde der Opec, als die Ölförderstaaten sich auf eine Reduktion der Fördermenge einigen konnten, worauf der Ölpreis kräftig anzog. Dass Russland sich bereit erklärte, die Ölförderung um 300 000 Fass pro Tag zu drosseln, dürfte kaum Zufall sein. Schliesslich spült der Verkauf seiner Rosneft-Beteiligung an Katar dem Kreml Milliarden harte Euro in die leere Staatskasse.

Wie dringend Putin auf Geld angewiesen ist, zeigt der Umstand, dass Katar und Glencore die Beteiligung an Rosneft 5 Prozent unter dem aktuellen Börsenpreis erwerben konnten. Die Mittel in dem Staatsfonds, der als Ausgleich für Zeiten mit tiefen Ölpreisen geäufnet wurde, sind nach zwei Jahren Rezession von 92 auf 32 Milliarden Dollar gefallen. Putin forciert daher das angekündigte Privatisierungsprogramm, von dem nun auch Glencore profitiert. So vorteilhaft die Liaison mit Russland wirtschaftlich aussieht, so heikel ist sie politisch. Amerikas Aussenministerium hat den Deal bereits heftig kritisiert, da die USA und die EU Russland seit Putins Einverleibung der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 mit scharfen Sanktionen belegten. Sie sind neben den sinkenden Ölpreisen ein Hauptgrund für die schwere Rezession in Russland.

Als Sanktionsbrecher zwischen den Fronten?

Glasenberg läuft also Gefahr, dass er mit seinen Russlandgeschäften als Sanktionsbrecher zwischen die Fronten gerät. Der Vertrag mit Russland verstosse in keiner Weise gegen die Sanktionen, betonte ein Sprecher von Glencore. Das habe man im Vorfeld sorgfältig geklärt. Wie die USA und die EU weiter vorgehen, bleibt abzuwarten.

Glasenberg setzt offenbar darauf, das Verhältnis zwischen Amerika und Russland entspanne sich, wenn Trump im Januar sein Amt antrete. Bereits im Wahlkampf war spürbar, dass Putin mit dem auf den Rückzug Amerikas aus der Geopolitik tendierenden Trump vermutlich besser klarkommt als mit Obama.

Mangelnde Scheu vor politischen Risiken hat bei Glencore Tradition. Glasenbergs Ziehvater Marc Rich geschäftete von Zug aus mit Staaten wie dem Iran und Südafrika, obwohl sie vom Westen mit Sanktionen belegt waren. Die Umgehungsgeschäfte brachten Rich zwar grossen Ärger, aber auch viel Geld ein. Glasenbergs Kalkül ist nun offenbar, dass heikle Geschäfte mit Russland in der neuen Ära Trump ein kalkulierbares Risiko sind, das einzugehen sich lohnt.

Unappetitlich ist Glasenbergs neuer Partner Rosneft allemal. Grosse Teile des von Putin in den Konkurs getriebenen Ölkonzerns Jukos landeten bei Rosneft. E-Mails in einem von Jukos-Aktionären angestrengten Prozess in den Niederlanden zeigen nun, wie Rosneft etwa in Armenien Gerichtsentscheide zu ihren Gunsten manipulierte, um Zugriff auf Hunderte Millionen Dollar zu erhalten, die Jukos im Westen parkiert hatte. Jukos-Aktionäre fordern von Rosneft Milliarden zurück, die Prozesse dürften noch Jahre dauern und weitere fragwürdige Praktiken zutage fördern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.12.2016, 08:27 Uhr

Artikel zum Thema

Glencore steigt bei grösstem russischen Ölkonzern ein

Russland privatisiert Teile des Ölkonzerns Rosneft. Für einen Anteil von 19,5 Prozent zahlen der Zuger Rohstoffkonzern Glencore und das Emirat Katar 10,5 Milliarden Euro. Mehr...

Glencore-Chef verdient trotz Verlust 1,5 Millionen

Der Rohstoffkonzern schrieb letztes Jahr einen Verlust von 8,1 Milliarden Dollar. In der Chefetage gibt es trotzdem keine Abstriche beim Lohn. Mehr...

Zuckerbrot und Peitsche von Glencore & Co.

Politblog Die lange Liste der Schweizer Rohstoffsponsoren zeigt: Wer viele Imageprobleme hat, investiert viel ins Reputationsmanagement. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Eingewickelt in Bananenblätter: Ein «Schlammmensch» nimmt auf den Philippinen am Taong Putik Festival teil. (24. Juni 2019)
(Bild: Ezra Acayan) Mehr...