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Glencore macht Kohle

Der Zuger Rohstoffkonzern, der heute einen Milliardengewinn bekannt gab, hat ein besonderes Verhältnis zum fossilen Brennstoff. Ob sich damit weiter viel Geld verdienen lässt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Der Welthandelspreis von Kohle ist eingebrochen: Mine in Australien.
Der Welthandelspreis von Kohle ist eingebrochen: Mine in Australien.
AFP

Auf den weltweiten Energiemärkten hängt vieles mit vielem zusammen. Beispielsweise der Preis von Kohle. Er wird unter anderem bestimmt von: der globalen Konjunktur, der Politik des Opec-Erdölkartells, der Schiefergasförderung in den USA, der Positionierung von Spekulanten, der Energiepolitik in Schwellenländern wie China.

Und vom Verhalten von grossen Förderfirmen wie Anglo American oder BHP Billiton. Die grösste Kohleproduzentin hat ihren Sitz in der Schweiz und heisst Glencore. 146,3 Millionen Tonnen Kohle hat sie im Jahr 2014 gefördert, 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies allerdings zu verschlechterten Bedingungen. Je nach Kohlesorte sind die Preise um bis zu 20 Prozent eingebrochen, sie bewegen sich nun auf Mehrjahrestiefs.

Gewinnbringende Diversifikation

Der Rückgang schlägt sich in den Geschäftszahlen nieder. Minus 16 Prozent Gewinn hat Glencore in der Energiesparte erwirtschaftet, zu der auch Öl gehört. Dem negativen Highlight steht ein saftiges Plus von 170 Prozent bei den Agrarrohstoffen, einer kleineren Sparte, gegenüber. Ausgeglichen waren Metalle und Mineralien, hier ging der Gewinn um 3 Prozent zurück. Ähnlich fällt auch das bereinigte Gesamtergebnis aus, Glencore verdiente 4,3 Milliarden Dollar und damit 7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Daraus lassen sich mehrere Erkenntnisse ableiten. Eine erste betrifft den Glencore-Konzern selbst: Er ist mittlerweile so gross und so diversifiziert, dass selbst eine massive Preisverwerfung, wie sie zuletzt im Energiesektor eingetreten ist, dem Unternehmen nur begrenzt Schaden zufügen kann. Hinzu kommt, dass Glencore nicht nur Rohstoffe fördert, sondern sie auch handelt: Rechnen die Märkte mit steigenden Preisen in der Zukunft, so kann Glencore die Differenz zum Spotpreis gewinnbringend nutzen.

Glencore macht also weiterhin Kohle. Und dies im mehrfachen Sinn: Zwar hat die Zuger Rohstoffgesellschaft die Förderung in manchen australischen Kohleminen seit Weihnachten eingestellt, sie will ihre globale Produktion mittelfristig um 15 Prozent schrumpfen. Selbst nach diesen Schritten bliebe Glencore aber die Nummer 1 im weltweiten Kohlegeschäft. Die Hoffnung des Marktführers ist, dass andere Firmen dem Beispiel folgen und die Angebotsverknappung mittelfristig den Preis wieder hochtreibt.

«Peak Coal»

Der dritte Punkt ist mehr eine Frage. Geht die Strategie von Ivan Glasenberg auf? Er ist mit dem Kauf der Minengesellschaft Xstrata im Jahr 2013 auch eine Wette eingegangen – eine Wette darauf, dass Kohle im künftigen Energiemix der Welt weiter eine grosse Rolle spielt. Die jüngste Vergangenheit liess eine solche Entwicklung als naheliegend erscheinen, gerade Schwellenländer wie China stützten sich für die Stromproduktion schwer auf die Verfeuerung des fossilen Brennstoffs.

Heute läuft der chinesische Wirtschaftsmotor niedertouriger als auch schon, und auch Deutschland möchte im Rahmen seiner Energiewende endlich von der CO2-Schleuder wegkommen. Im November haben sich China und die USA auf ambitioniertere Klimaziele geeinigt. Derweil streitet sich die Internationale Energieagentur mit Greenpeace über die Frage, ob «Peak Coal» bereits im Jahr 2020 erreicht ist oder erst danach. Glencore tut gut daran, diese Diskussionen aufmerksam zu verfolgen.

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