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Glencore-Tochter wird wegen Korruptionsrisiken durchleuchtet

Die kanadische Börsenaufsicht ermittelt, ob eine Firma des Zuger Rohstoffriesen heikle Geschäfte im Kongo hätte offenlegen müssen. Im Fokus steht wie bei den Paradise Papers Dan Gertler.

In dieser Mine kann die Glencore-Firma Katanga zu Tiefstpreisen Kupfer und Kobalt schürfen. Foto: Bloomberg, Getty Images
In dieser Mine kann die Glencore-Firma Katanga zu Tiefstpreisen Kupfer und Kobalt schürfen. Foto: Bloomberg, Getty Images

Anfang Woche wechselte der Rohstoffkonzern Glencore in seiner kongolesischen Bergbaufirma Katanga drei Verwaltungsräte aus – offiziell wegen Unregelmässigkeiten in der Buchhaltung. Ausgelöst wurden die Rochaden aber durch Ermittlungen der kanadischen Börsenaufsicht. Diese untersucht nicht nur die Buchhaltung, sondern vor allem, ob Katanga Korruptionsrisiken in der Demokratischen Republik Kongo verschwiegen hatte. Wie bei den Paradise Papers rückt auch hier der umstrittene israelische Geschäftsmann Dan Gertler in den Fokus.

Im Sommer meldete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider, dass die kanadische Börsenaufsicht Millionenzahlungen an Firmen Gertlers untersuche. Weder Glencore noch die Behörde äussern sich dazu. Gertler ist ein persönlicher Freund des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila. Gerichtsdokumente aus den USA deuten darauf hin, dass er Spitzenpolitiker im Kongo mit Millionen schmierte, um an günstige Minenlizenzen zu kommen. Gertler streitet jegliche illegalen Handlungen vehement ab. Bis heute ist kein Verfahren gegen ihn bekannt. Vor drei Wochen enthüllte diese Zeitung, dass dem Kongo Hunderte Millionen Dollar entgingen, nachdem Gertler für Katanga im afrikanischen Land verhandelt hatte.

Der hilfreiche Herr Gertler

Wegen der Ermittlungen der Kanadier geraten nun weitere Geschäfte von Glencore mit Gertler in den Fokus, diesmal aus dem Jahr 2013. In beiden Fällen geht es um dieselben Minen im Kongo und letztlich um dieselbe Frage: Ging Glencore ein Korruptionsrisiko ein?

Bei den umstrittenen Zahlungen an Gertler ab 2013 geht es um Abgaben, die Glencores Tochter eigentlich direkt an den Kongo bezahlen müsste. Doch die Afrikaner schlossen einen Geheimdeal ab. Sie traten ihre Einnahmen an eine Firma Gertlers auf den Cayman Islands ab. Die genauen Bedingungen dieses Geschäfts sind bis heute nicht öffentlich.

Das Problem: Glencores Tochter erklärte gegenüber den Behörden, dass sie diese Gebühren an die staatliche kongolesische Minengesellschaft bezahlte. In Wahrheit ging das Geld an Gertlers Cayman-Firma. Dabei geht es um Dutzende Millionen Dollar. «Dieses Vorgehen, inklusive Zahlung, erfolgte auf Anweisung der staatlichen Minengesellschaft Gécamines», bestätigt Glencore. Deshalb habe der Konzern das so deklariert.

Einer der Verwaltungsräte von Katanga, der Anfang Woche zurücktrat, ist Aristotelis Mistakidis, ein wichtiger Weggefährte von Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Die Paradise Papers zeigten, dass er es war, der bereits 2008 im Katanga-Verwaltungsrat den Verhandlungen von Gertler mit dem Kongo zustimmte. Gertler und Glencore waren damals Minderheitsaktionäre von Katanga.

Weitere Recherchen und der Bericht einer Expertin werfen inzwischen auch zu diesen Verhandlungen neue Fragen auf. Der Kongo forderte für die Lizenzen von Katanga damals 585 Millionen Dollar. Nach der Intervention von Gertler erhielten die Afrikaner jedoch nur 140 Millionen. Glencore schrieb, dieser tiefere Betrag sei «im Wesentlichen korrekt» und entspreche früheren Verhandlungen mit der staatlichen Minengesellschaft Gécamines. Ein genauer Blick in die Verträge von Katanga zeigt aber, dass ein grosser Teil des umstrittenen Preisabschlags nur zustande kam, weil der Kongo fast die Hälfte der Lizenzen für ein Butterbrot abgab.

Es geht dabei um einen Teil der heutigen Katanga-Mine, der damals noch einer Firma namens DCP gehörte. Noch 2007 erteilten die kongolesischen Behörden den Auftrag, die Lizenzen dieser DCP neu zu verhandeln und wesentlich höhere Lizenzgebühren zu verlangen. Gemessen an den Reserven in den Minen von DCP und den Preisen, die der Kongo damals für seine Lizenzen verlangte, war allein DCP 240 Millionen Dollar wert. Das ist ein grosser Teil der Gesamtforderung von 585 Millionen Dollar, die der Kongo dann im Herbst 2008 auch stellte.

Mysteriöser Rabatt

Wenige Tage nach dieser Forderung riefen Mistakidis und alle anderen Katanga-Verwaltungsräte Dan Gertler zu Hilfe, den Freund des Präsidenten. Kurz darauf gab sich der Kongo statt mit 240 mit nur 5 Millionen Dollar für DCP zufrieden. Diesen Betrag hatten die früheren Besitzer von DCP bereits überwiesen. Glencores Tochter musste also für die gesamten DCP-Lizenzen letztlich nichts mehr zahlen. Weder Glencore noch Gécamines äussern sich zur Frage, warum die DCP-Lizenzen derart billig waren. Gertler sagt, es habe keine Bevorzugung von Katanga gegeben. Es handle sich um marktübliche Bedingungen.

Minenexpertin Elisabeth Caesens war die führende Spezialistin für eine grosse Studie der Nichtregierungsorganisation Carter Center über Gécamines. Kommende Woche veröffentlicht sie eine eigene Studie, die den damaligen Preisabschlag im Detail analysiert. Sie bestätigt den enormen Rabatt für DCP.

«Die Minen, um die es hier geht, ­gehören zu den reichsten Vorkommen im ganzen Kupfergürtel des Kongo», sagt Caesens. «Glencore und Gertler müssen erklären, wie sie die Verhandlungspartner aus dem Kongo dazu brachten, einen so tiefen Preis für DCP zu akzeptieren. Er war rund fünfzigmal tiefer als die Preise, die sie von fast ­allen anderen ausländischen Minen­firmen verlangten.»

Damals verhandelte der Kongo alle Lizenzen neu und legte einen einheitlichen Preis von rund 35 Dollar pro Tonne Kupferreserve fest. Glencore bestätigte später, dass der Kongo «einheitliche Verträge» forderte. Caesens hat sich alle Verträge angeschaut und ausgerechnet, dass die Konkurrenten von Katanga damals im Durchschnitt knapp 33 Dollar pro Tonne Kupfer als Lizenzgebühren bezahlten. DCP zahlte 73 Cent pro Tonne. Eine andere Mine im Kongo, an der Glencore beteiligt war, bezahlte damals 35 Dollar. Einen Rabatt gewährte der Kongo in diesem Fall nicht. An dieser Mine war Dan Gertler damals auch nicht beteiligt.

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