Globale Unsicherheit bereitet Topmanagern Sorgen

Ein Thema ist neu auf den Radar der Wirtschaftsführer geraten. Die globale politische Lage macht ihnen Sorgen. Sie rechnen darum mit tieferem Wirtschafts- und Gewinnwachstum.

Konzernlenker blicken wegen der steigenden politischen Risiken weniger optimistisch in die Zukunft: Sicherheitskräfte am WEF in Davos.

Konzernlenker blicken wegen der steigenden politischen Risiken weniger optimistisch in die Zukunft: Sicherheitskräfte am WEF in Davos. Bild: Keystone

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Zuversicht sieht anders aus. Zwei Drittel der Konzernchefs sehen heute mehr Risiken als Chancen auf ihr Unternehmen zukommen. Das zeigt der «CEO Survey 2016» des Beratungsriesen PWC, für den die Gemütslage von mehr als 1400 Topmanagern auf der ganzen Welt erforscht wurde und der am WEF in Davos präsentiert wurde. Damit hat die Unsicherheit in den letzten zwölf Monaten deutlich zugenommen. Vor Jahresfrist äusserten sich erst 59 Prozent der befragten Wirtschaftsführer pessimistisch. In den Jahren zuvor lag die Quote konstant tiefer.

Die negative Einschätzung wird sich auch in den Resultaten der Unternehmen niederschlagen. Nur eine Minderheit von 27 Prozent der Topmanager glaubt, dass ihre Firmen es 2016 schaffen werden, den Umsatz zu steigern. 2015 waren es noch 37 Prozent, ein Jahr zuvor gar 44 Prozent gewesen. Auch die konjunkturelle Grosswetterlage wird nicht sehr gut eingeschätzt. Positiv für die Weltwirtschaft gestimmt sind derzeit nur noch 35 Prozent der von PWC interviewten Wirtschaftskräfte, 4 Prozent weniger als in der Umfrage 2015 (siehe Grafik) .

Manager im Nahen Osten besonders beunruhigt

Vor allem ein Risiko wird entscheidend für die Stimmungseintrübung verantwortlich gemacht. Es steht neu weit oben auf dem Radar der Wirtschaftsführer. Die geopolitische Unsicherheit ist 2016 ihre zweitgrösste Sorge. 74 Prozent der Befragten sehen die wachsende Terrorgefahr, die Konflikte in Syrien und dem Irak sowie die daraus entstehende Migrationswelle als Bedrohung an, welche die Aussichten ihres Unternehmens negativ beeinflusst. Vor einem Jahr standen die Problemfelder Fachkräftemangel und staatliche Budgetdefizite noch weiter oben in der Hitliste der Risiken. Sie liegen nun auf den Rängen drei und vier. Ganz oben rangiert nach wie vor die Überregulierung, also die Flut von neuen Vorschriften.

Die politische Unsicherheit wird nicht überall als gleich drückend empfunden. Im Nahen Osten – wo die Auseinandersetzungen quasi vor der Haustür ausgetragen werden – sehen 94 Prozent der Manager sie als ein Problem an, das sich auf die Entwicklung ihres Unternehmens auswirken wird. In Osteuropa ist die Sorge darüber mit 86 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich gross. Auch nach Branchen wird die globale Polit-Unsicherheit unterschiedlich bewertet. Am meisten Angst macht sie Unternehmen im Energiesektor, am wenigsten im Gesundheitswesen. Eng mit den politischen Risiken verbunden ist die Sorge vor sozialer Instabilität. Sie nahm ebenfalls deutlich zu – von 60 auf 65 Prozent.

Unterschiedliche Wertesysteme

Die Firmenlenker sind sich bewusst, dass die Führung für sie dadurch komplizierter wird. Die Welt driftet auseinander. So glauben 83 Prozent der Befragten, dass wir uns in Richtung diverser regionaler Blöcke mit unterschiedlichen Wertesystemen hin entwickeln. Auch die Wirtschaftsmodelle (59 Prozent) und die Ausgestaltung der Freiheitsrechte (81 Prozent) werde zunehmend verschieden interpretiert, so die Manager.

Erstellt: 19.01.2016, 19:13 Uhr

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