Ein Abbau mit Ansage: Globus schliesst zwei Berner Filialen

Der Online-Handel setzt der Warenhauskette zu. Deshalb könne man sich nicht mehr vier Niederlassungen in der Stadt Bern leisten.

Das Damenmodegeschäft an der Spitalgasse schliesst bereits Mitte Jahr.

Das Damenmodegeschäft an der Spitalgasse schliesst bereits Mitte Jahr. Bild: Enrique Muñoz

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Globus schliesst in der Stadt Bern zwei Niederlassungen und baut 85 Arbeitsplätze ab. Das teilte die Migros-Tochter gestern mit. Betroffen sind das Warenhaus im Einkaufszentrum Westside und das Damenmodegeschäft in der Spitalgasse – die frühere Schild-Niederlassung. Man könne sich vier Läden auf einem so kleinen Gebiet wie der Stadt Bern schlicht nicht mehr leisten, begründet der Geschäftsführer, Thomas Herbert, den Entscheid. Nicht betroffen sind das Warenhaus an der Spitalgasse und das benachbarte Herrenmodegeschäft.

Bereits Mitte Jahr wird die frühere Schild-Filiale dichtmachen. Für die Liegenschaft konnte Globus bereits einen Nachmieter finden: Die Buchhandlung Orell Füssli wird per August an die Spitalgasse 18/20 ziehen. Sie wird vom Discounter Lidl aus den beiden Untergeschossen des Loeb verdrängt. Noch ein Jahr lang geöffnet bleibt dagegen das Warenhaus im Westside. Es wird erst per Ende Januar 2021 geschlossen. Wer Globus, der im Migros-Einkaufscenter zu den grossen Mietern gehört, ersetzen wird, ist offen. Die Migros Aare stehe mit potenziellen Mietern und Formaten in Verhandlungen, sagt Sprecherin Andrea Bauer.

85 Stellen fallen weg

Mit den beiden Schliessungen gehen in Bern auch 85 Stellen verloren, wie Globus mitteilte. Ziel sei es, so viele Mitarbeitende wie möglich innerhalb der Globus-Gruppe weiterzubeschäftigen. Entlassungen sollen vermieden werden. So gesehen, sei es hilfreich, dass die Filiale im Westside noch ein Jahr lang offen bleibe, findet Globus-Chef Herbert.

Für die betroffenen Angestellten, die gestern Morgen über die Pläne ins Bild gesetzt wurden, kommt ein Sozialplan zum Tragen. Dieser sieht laut Mitteilung unter anderem frühzeitige Pensionierungen, verlängerte Kündigungsfristen, Austrittsentschädigungen sowie die aktive Unterstützung bei der Stellensuche vor.

Über 20 Filialen geschlossen

«Ich bin mir bewusst, dass für die Mitarbeitenden eine schwierige Zeit beginnt», wird Herbert in der Mitteilung zitiert. Doch auch wenn die Nachricht die Angestellten hart trifft, aus heiter hellem Himmel kommt sie nicht. Globus steht seit längerem unter Druck. Der Gesamtumsatz der Gruppe ist seit mehreren Jahren am Schrumpfen. Derweil wächst der Onlineumsatz von Globus rasant. Allein letztes Jahr hat er sich verdoppelt, wie die Gruppe vor wenigen Tagen vermeldete, ohne genaue Zahlen zu nennen. Damit gilt für Globus, was praktisch für die ganze Branche gilt: Der Umsatz im stationären Handel ist unter Druck; das Onlinegeschäft floriert.

2018 musste die Migros-Gruppe wegen Globus 90 Millionen Franken abschreiben. Und das nicht wegen des damals vermeldeten Umsatzrückgangs bei Globus, sondern wegen der Neubeurteilung der Geschäftsaussichten von Globus, wie Migros-Finanzchef Jörg Zulauf im letzten Frühling erklärte. Seit Sommer ist bekannt, dass die Migros ihre Tochter loswerden möchte. Ein entsprechender Käufer wird gesucht.

Zudem ist Globus seit mehreren Jahren daran, das eigene Filialnetz zu bereinigen. Dieses wurde besonders durch die Übernahme von Schild im Jahr 2013 und die Integration des Modehändlers vier Jahre später aufgebläht. Im Zuge dieser Bereinigung hat Globus bereits über 20 Niederlassungen stillgelegt. In der Regel waren das Kleinfilialen, aber auch das Globus-Warenhaus im Genfer Einkaufszentrum Balexert ging Ende 2018 zu.

Globus wird auch in Zukunft im Raum Bern präsent sein: Zusätzlich zum alteingesessenen Warenhaus in der Spitalgasse und dem benachbarten Herrenmodegeschäft führt die Gruppe Modegeschäfte im Shoppyland und in Thun sowie einen Outlet in Biel.

Alle zehn Jahre wird saniert

Die meisten Experten geben dem stationären Handel trotz Onlinekonkurrenz durchaus eine Zukunft. Um zu bestehen, muss er sich allerdings neu positionieren. Denn: Die besten Erfolgsaussichten hat, wer das Einkaufen zum Erlebnis macht. Das wissen auch die Verantwortlichen bei Globus. Der Detailhändler hat 2017 sein Berner Warenhaus saniert. Im Herbst soll das Herrengeschäft an der Spitalgasse 3 folgen, wie Globus gestern vermeldete. So soll ein «ein zeitgemässes und angenehmeres Ambiente» geschaffen werden. Der letzte Komplettumbau der beiden Ableger ist erst rund zehn Jahre her. Das entspricht in etwa der Kadenz, mit der heutzutage Läden den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden sollten.

Solche Sanierungen gehen jedoch ins Geld. 20 Millionen Franken steckt beispielsweise Loeb in die Erneuerung der drei Warenhäuser – Bern, Thun und Biel. Und als 2007/08 das Berner Globus-Warenhaus und der Herren Globus auf Vordermann gebracht wurden, liess sich das die Migros-Tochter sogar insgesamt rund 30 Millionen Franken kosten. So gesehen, ist es nachvollziehbar, dass Globus in zehn Jahren in der Stadt Bern nur noch zwei statt vier Filialen zu sanieren haben möchte.

Erstellt: 21.01.2020, 12:15 Uhr

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