Test

Good Box, Bad Box

Einkäufe ins Bahnhof-Schliessfach liefern lassen: In der Testphase der Good Box testete auch Tagesanzeiger.ch/Newsnet den neuen Service der SBB – diesmal von A bis Z.

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Feierabend, eine Zugfahrt im Saunazug, und ich hatte Kohldampf. Ich freute mich auf die Zutaten für Rösti und Züri-Geschnetzeltes, die ich ins SBB-Schliessfach namens Good Box bestellt hatte. Ich war eine von rund 400 Freiwilligen, die seit gut einem Monat die Good Box an den Bahnhöfen Zürich HB und Wetzikon sowie am SBB-Sitz in Bern testen. Dabei handelt es sich um spezielle Schliessfächer am Bahnhof, in die man sich Einkäufe liefern lassen kann. Vor dem Start der Testphase hatte Tagesanzeiger.ch/Newsnet im Juni erste Trockenübungen begleitet, bei denen die Projektverantwortlichen Teile des Abholvorgangs demonstrierten (wir berichteten).

Beim ersten Ernstfall ging es nun um besagte Rösti mit Züri-Geschnetzeltem. Die nötigen Zutaten stellt der Anbieter Kochpost für rund 30 Franken zusammen, die Zubereitung erfolgt zu Hause. Als Lieferort wählte ich den Bahnhof Wetzikon im Zürcher Oberland. Vorfreudig hielt ich den Bestellcode aus dem Bestätigungsmail an den Leser beim Schliessfach, doch nichts passierte. Auch das Eintippen des Zahlencodes auf dem Good-Box-Touchscreen funktionierte nicht mit dem Fingerdruck, der etwa so stark war wie bei der Smartphone-Benützung. Grösserer Druck nützte ebenso wenig.

Wo ist meine Rösti?

Also rief ich die Hotline an, deren Nummer auf der Box stand. Der Telefonist gab mir einen anderen Zahlencode an, doch der Touchscreen war immun gegen jegliche Berührungen. So erhielt ich den Ratschlag, den Bildschirm extrem fein zu berühren. Und siehe da: Die Zahlen des Codes wurden geschluckt, wenn auch nach mehreren Versuchen pro Zahl. Und klick, Schliessfach Nummer 3 sprang auf. Ein brauner Papiersack lag etwas verloren dort drin herum. Doch der enthielt nicht die Zutaten für das langersehnte Menü, sondern für eine vegetarische Ricotta-Tomaten-Tarte – inklusive eines falschen Lieferscheins, lautend auf eine gewisse Silvia L. Wer weiss, ob sie – womöglich eine Vegetarierin – nun mein Fleischmenü vorfand oder gar das von mir geleerte Fach. Die fehlerhafte Lieferung schmeckte mir jedenfalls trotzdem.

Zwei Wochen später folgte der zweite Versuch, diesmal am Hauptbahnhof Zürich in der Sihlquai-Unterführung. Bestellt war ein Sonnenblumenbouquet. In diversen Winkeln und unterschiedlich eingezoomt hielt ich den Bestellcode an den Leser. Nach wenigen Versuchen hörte ich das vertraute Klickgeräusch und stellte überrumpelt fest: Box 2 hatte sich geöffnet. Ich freute mich über den – zugegebenermassen – unerwarteten Erfolg. Das bestellte Bouquet von Blume 3000 fand ich frisch vor, da die Stiele in einer verschliessbaren Plastikvase mit Wasser steckten.

Kinderkrankheiten ausmerzen

Einfach waren die Prozesse auf dem Smartphone: das Installieren der App, die Einrichtung des Benutzerkontos, das Bestellen und die Bezahlung via Kreditkarte. Dass alte Bestellungen lange nach Abholen der Produkte noch unter «Laufende Bestellungen» aufgeführt sind, wird laut SBB-Sprecherin Lea Meyer geändert. «Wir hoffen, dass die App in zwei Wochen überarbeitet sein wird.» Der Standort des Bahnhofs Wetzikon, der in der App rund einen Kilometer versetzt lag, wurde inzwischen ebenfalls korrigiert.

Insgesamt sind die SBB zufrieden mit den bisherigen Good-Box-Tests an den drei Standorten. Täglich würden mehrere Produkte verkauft, so Lea Meyer. «Wir erhielten bereits diverse Rückmeldungen von Kunden, mit deren Unterstützung wir nun Kinderkrankheiten ausmerzen.» Meyer räumt allerdings ein, dass die Funktionstüchtigkeit der Schliessfächer «noch nicht auf dem Punkt» sei. «Da suchen wir aktuell eine bessere Lösung.»

SBB wollen Good-Box-Angebot ausweiten

Am Standort Wetzikon war der Fall Rösti offenbar nicht der einzige dieser Art: «In einzelnen Fällen hat der Lieferant ein falsches Produkt im Schliessfach hinterlegt», sagt Meyer. Zudem hätten einige Kunden die bestellten Produkte nicht abgeholt oder nicht richtig bestellt. Solche Themen schauen die SBB nun zusammen mit den Lieferanten an. Zurzeit ist die Good Box am Bahnhof Wetzikon sogar ausser Betrieb, da der Bildschirm herausgebrochen wurde. «Wir sind an der Reparatur», so die SBB-Sprecherin. Das Good-Box-Angebot soll auf weitere Partner und Standorte ausgeweitet werden.

Fazit nach den bisherigen Tests: Trotz der Freude über die erfolgreiche Blumenbestellung muss ich mir noch überlegen, ob ich auch andere Good-Box-Services nutzen möchte – zum Beispiel die eigenen Hemden reinigen oder Schuhe putzen und reparieren lassen. Was, wenn sie im falschen Fach oder sonst wo landen? Werde ich sie jemals wiedersehen? Oder landen sie sogar im Kochtopf von Frau L.?

Erstellt: 29.07.2013, 17:17 Uhr

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