Griechenland träumt von Cannabis-Milliarden

Investoren wollen riesige Hanf-Plantagen in Griechenland bauen – und hoffen auf Milliardengewinne.

Laut WHO kann Cannabis bei schweren Krankheiten therapeutisch wirken: Medizinisches Marihuana.

Laut WHO kann Cannabis bei schweren Krankheiten therapeutisch wirken: Medizinisches Marihuana. Bild: Alessandro Bianchi/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Beruhigt Cannabis gewisse Konsumenten, soll es nun auch bei ganzen Ländern die Krise dämpfen: Griechenland will auf Marihuana setzen, um sich wieder aufzurappeln. Investoren haben offenbar Interesse daran, grosse Summen in den Anbau von medizinischem Cannabis in Griechenland zu stecken.

Es ginge um Summen von über 1,5 Milliarden Euro, sagte der griechische Landwirtschaftsminister Evangelos Apostolou der Nachrichtenagentur Bloomberg. Mit dem Geld sollen Treibhaus-Parks gebaut werden, in denen Cannabis angepflanzt und verarbeitet werden kann. Wird tüchtig investiert, könnte Griechenland Teile eines global wachsenden Marktes ergattern, der in zehn Jahren bereits 200 Milliarden Euro wert sein könnte, so Apostolou.

Gutes Klima

Attraktiv ist für Investoren in Griechenland besonders das sonnige und warme Klima. Ausserdem will das Land medizinisches Cannabis zeitnah legalisieren. Die Regierung unter Premierminister Alexis Tspiras will bis Ende Jahr einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen.

Sollte das Gesetz zügig erlassen werden, dürfte das den Cannabis-Bauern genügend Zeit geben, ihre Pflanzen anzubauen und im nächsten Sommer zu ernten. Zu dem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe der Regierung, die an dem Gesetzesentwurf arbeitet.

Jobs, Jobs, Jobs

Das ungewöhnliche Wirtschaftsförderprogramm hätte für die Griechen einen weiteren Vorteil: Jobs. Eine Anlage mit 12 bis 15 Cannabis-Treibhäusern könnte der Cannabis-Arbeitsgruppe zufolge rund 400 Jobs schaffen. Die Arbeitslosigkeit liegt in Griechenland nach wie vor über 20 Prozent und ist damit EU-weit mit am höchsten.

Griechenland hat Investitionen dringend nötig: Das Land war 2016 überraschend wieder in die Rezession gerutscht, das Bruttoinlandprodukt schrumpfte laut dem griechischen Statistikamt Elstat um 0,2 Prozent. Für 2017 sagen Prognosen zwar ein Wachstum von nahe zwei Prozent voraus, 2018 soll dieses sogar auf 2,5 Prozent klettern. Das letzte Hilfspaket der EU läuft aber ebenfalls 2018 aus. Alternative Geldquellen sind also willkommen: Cannabis könnte den Anfang machen.

Erträge von über 20 Milliarden Dollar

Wie lukrativ das Geschäft sein kann, zeigen Erfahrungswerte aus den USA: Hier hat die Legalisierung von Cannabis in acht Bundesstaaten zu beträchtlichen Einnahmen geführt. Allein im letzten Jahr wurden in Nordamerika einem Bericht des Marktforschers Arcview zufolge 6,7 Milliarden Dollar mit legalem Cannabis umgesetzt – was einem Anstieg von 30 Prozent entspricht. Bis 2021 rechnen die Forscher, die Kanada in diese Studie miteinbeziehen, mit Erträgen von über 20 Milliarden Dollar.

Erstellt: 15.11.2017, 19:34 Uhr

Artikel zum Thema

Bund stoppt Berner Cannabis-Versuch

Die Uni Bern kann ihre geplante Studie zum legalen Verkauf von Cannabis nicht durchführen, obwohl das Bundesamt für Gesundheit grundsätzlich dafür wäre. Mehr...

Hanfsteuer bringt dem Bund 25 Millionen

Cannabis mit dem Wirkstoff Cannabidiol wird immer beliebter und soll dem Staat viel Steuereinnahmen bescheren. Doch für Raucher wirkt das Produkt wenig berauschend. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Gespenstische Stimmung: Ein Vogel fliegt während des letzten Vollmondes des Jahres über den Statuen der Katholischen Hofkirche in Dresden. (12. Dezember 2019)
(Bild: Filip Singer) Mehr...