Diese US-Marke sollten Europäer jetzt kennen

Schon mal was von Under Armour gehört? Nein? Dann ist es jetzt höchste Zeit.

Das Under-Armour-Logo ziert auch Stephen Currys Schuhe – die Verpflichtung des Basketballers ist für die Firma ein Glücksgriff. Foto: Getty Images

Das Under-Armour-Logo ziert auch Stephen Currys Schuhe – die Verpflichtung des Basketballers ist für die Firma ein Glücksgriff. Foto: Getty Images

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Kevin Plank ist ein lauter Boss. Denn er sagt Sätze wie: «Ich kann schlafen, wenn ich tot bin.» Der 42-Jährige ist der Gründer des Sportartikelherstellers Under Armour und hat sich in den 19 Jahren, welche die Firma nun existiert, zum Dollarmilliardär gewuchtet. Auf 3,2 Milliarden schätzt «Forbes» sein Vermögen. Trotzdem tourt der Chef von knapp 11'000 Angestellten abends durch die Büros und knipst Lampen aus, falls noch welche leuchten. Als Selfmade-Grösse weiss er schliesslich, was ihn erfolgreich gemacht hat: Sparsamkeit, Wille, Team­arbeit, Glück und Ideenreichtum.

Ans Geldverdienen dachte er auch schon früh: Als Teenager schaufelte er Schnee für die Nachbarn, verkaufte seinen Brüdern selbst gemachte Sandwiches für einen Dollar und kreierte einen ­Rosenversand für den Valentinstag. ­Damit generierte er das Startkapital von 17'000 Dollar für Under Armour. Seine Produktpalette bestand am ­Anfang aus genau einem hautengen ­T-Shirt-Typ, der den Körper kühl hält, weil er den Schweiss verdunsten lässt. Kern des Modells war ein synthetischer Stretchstoff für Frauenunterhosen. Trotzdem schaffte es der College-Footballer, der stark schwitzte und sich an den vollgesogenen Baumwoll-Shirts unter seiner Rüstung störte, die Kollegen vom Sonderling zu überzeugen.

Starbotschafter in der Heimat

So mancher Weggefährte denkt etwas wehmütig an Planks ­Anfänge. Keiner wollte 10'000 Dollar in seine Einmannbude investieren. Inzwischen wären daraus 140 Millionen geworden. Plank krampfte sich also erst einmal alleine durch – im Keller eines ­alten Hauses ­seiner Grossmutter in einem Washingtoner Vorort. 17'000 Dollar nahm er in ­seinem ersten Jahr, 1996, ein. Der Coup folgte 1999, als Hollywoodregisseur ­Oliver Stone seinen Footballfilm «Any Given Sunday» drehte und ­dafür Sportmaterials bedurfte.

Der Film «Any Given Sunday» liess die Zahlen explodieren.

Plank rüstete die Darsteller für den Film aus – und brachte seine Firma mit einer 25'000 Dollar teuren Werbung im Sportmagazin von ESPN an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Mit Erfolg: Die Verkaufszahlen explodierten nach der Filmausstrahlung. Der Kleine hatte seine ­Klientel gefunden. Inzwischen ist er in den USA zum Grosskonzern gewachsen, der mit über 200 Athleten und manchem Team für sich werben lässt.

Zwei Verpflichtungen erwiesen sich für Under Armour als golden: Golfer Jordan Spieth band Plank bereits an seine Firma, als der Amerikaner noch als Amateur Bälle schlug. Mit seinen zwei Masters­siegen ist der 21-Jährige in dieser Saison zum Star hochgeschnellt. Als Folge verdoppelte sich der Umsatz mit Golfprodukten bei Under Armour. Auch mit Basketballer Stephen Curry ­engagierte Plank den Richtigen. Der 27-Jährige wurde in der vergangenen Saison als wertvollster Spieler der NBA ausgezeichnet.

Wachsen, wachsen, wachsen

Der Milliardenumsatz aber reicht ­Kevin Plank nicht. Er will wachsen, wachsen, wachsen. Dass das Marketingbudget von Branchenprimus Nike mit drei Milliarden fast so hoch ist wie sein gesamter Umsatz, ignoriert er. Redet er vom Konkurrenten, ­erwähnt er den ­Firmennamen nie. Adidas, den ­Under Armour 2014 als Nummer 2 im USA-Markt überholte, bezeichnet Plank wiederum als «dämliches Unternehmen», kritisierte dessen Ansatz, für ­Superstars super viel auszugeben.

Adidas-Chef Herbert Hainer konterte darauf: «Wir haben schon viele Marken erlebt, die kurz hip sind und dann schnell wieder verschwinden.» Sicherheitshalber fügte er noch an, in Bezug auf den Umsatz fünfmal grösser zu sein als der Gegner. Dieser hat nämlich seine nächste Stufe erreicht: Bislang verdient ­Under Armour 89 Prozent seines Geldes in den USA. Nun sollen China und ­Europa mehr beitragen. Basis für den Angriff auf den Alten Kontinent bildet Deutschland. Letzte Woche öffnete Plank das erste ­Geschäft in München und verspricht, in langen Zeiträumen zu denken: «Es wird ­sicher gegen zehn Jahre dauern, bis wir uns hier etabliert haben.»

St. Pauli als Wegbereiter

Entscheidend wird sein, ob sich Under Armour im Land des Fussballs als kompetente Kraft etablieren kann. Wie dies geht, offenbarte der grosse Rivale Nike: Bekannt geworden als Lauf- und Basketballmarke, mischte es den Europamarkt mit den Platzhirschen Adidas und Puma auf, indem es Teams und Spieler mit viel Geld an sich band.

Einen ersten wichtigen Vertrag schloss Under Armour letzte Woche mit Kultclub St. Pauli ab, er gilt ab 2016. Zudem rüsten die Amerikaner den österreichischen Skiverband aus und sponsern Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher. Mit Andy Murray verfügen sie auch im Tennis über eine Schlüsselfigur in einer Weltsportart. Die Sommerspiele von 2016 in Rio nutzen sie für den Brasilien-Einstieg.

Den Leistungsdrang lebt Plank mit seiner Kleiderwahl vor.

Als Hauptaktionär der börsennotierten Firma kann Plank langfristig denken – und eine Personalpolitik nach seinem Gusto betreiben. Viele seiner wichtigsten Mitarbeiter kennt der 42-Jährige seit Jugend- oder frühen Erwachsenenzeit. Seine Rolle interpretiert er vor allem als diejenige des Coaches. In seinem Büro und jedem Konferenzzimmer hat er Wände mit Sprüchen aufgestellt. «Kenne deine Position», «Respektiere die Mitarbeiter», «Sei effizient» steht auf ihnen. Diesen Drang nach Leistung lebt Plank mit seiner Kleiderwahl vor. Gerne zieht er ein Shirt über, das ihm ein bisschen zu eng ist und ihn daran erinnert, das bisschen Bauch wegzutrainieren.

Batman und der Apfelbaum

Diesen Drang nach Leistung begründet er mit seinem familiären Hintergrund. Stets habe er sich gegen die vier grösseren Brüder verteidigen müssen, da werde man kompetitiv, sagt Plank. Es scheint ihn schon als Knaben zu einem eher dickköpfigen Zeitgenossen ­geformt zu haben. Als Batman verkleidet, wollte der kleine Plank einst unbedingt vom Apfelbaum der Eltern abheben. Es wurde ein Kurzflug mit gebrochenem Armgelenk. Auch daraus hat er sich eine Poster-Weisheit zurechtgelegt. «Wenn du stürzt, stehst du einfach wieder auf.» Lerne: So simpel ist das also, Milliardär in der Sportartikelbranche zu werden.

Erstellt: 28.07.2015, 06:18 Uhr

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Redet Kevin Plank von Konkurrenten, ­erwähnt er den ­Firmennamen nie. Mit «dämlichem Unternehmen» meinte er Adidas.

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