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Grossimporteure schnappen Metzgern billige Filets weg

Der Bund versteigert die Rechte, günstiges Fleisch importieren zu können. Dabei profitieren die grossen Importeure, die Metzger ziehen den Kürzeren.

In der Schweiz wird deutlich mehr Fleisch gegessen, als die inländische Produktion hergibt. Was importiert wird, untersteht aber strengen Regeln: Es kommt nur so viel ins Land, wie das Bundesamt für Landwirtschaft einmal im Monat festlegt. Das entscheidet auch, wer die entsprechenden Importrechte erhält.

Dieses System stösst bei Metzgern auf immer schärfere Kritik. «Das Versteigern von Importkontingenten funktioniert nicht. Immer weniger Firmen teilen die Importmengen unter sich auf», sagt Balz Horber, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbandes (SFF). Beim Kuhfleisch zur Wurstproduktion sei es so, dass einzelne kapitalkräftige Importeure oft fast die ganze verfügbare Menge ergatterten.

Dem Vertreter der Metzger und der verarbeitenden Industrie ist dies ein Dorn im Auge. Trotz Zoll sind Fleischimporte innerhalb des Kontingents nämlich günstiger als im Inland produziertes Fleisch. «Da können die Metzger mit ihrem Schweizer Fleisch preislich nicht mehr mithalten», sagt Horber. Grössere Importmengen würden es den Metzgern erlauben, das Fleisch tendenziell günstiger anzubieten.

Seit anderthalb Jahren werden die Zollkontingente, die zum Import von günstigem Fleisch berechtigen, zu 100 Prozent versteigert. Dafür zahlt der Importeur viel Geld. So kosten ihn die begehrten Filets und Entrecôtes vom Rind 6 bis 16 Franken pro Kilo – je nach Versteigerung. Damit erzielt der Bund Einnahmen von rund 150 Millionen Franken pro Jahr.

Früher wurden die Importe nach der sogenannten Inlandleistung verteilt: Je mehr Fleisch eine Firma im Inland aufkaufte, um so mehr konnte sie importieren. Entsprechend gross waren die Kontingente der Grossverteiler.

Metzger kämpfen für neues System

Heute kann ein Bieter fünf Steigerungsangebote zu verschiedenen Preisen einreichen. So kann er sein Risiko begrenzen. Erhält er den Zuschlag, muss er zahlen – ob er die Ware braucht oder nicht. Grosse und finanzstarke Bieter ersteigern aber auch bewusst mehr, als sie selber brauchen. Den Rest verkaufen sie dann weiter.

Horber, der oberste Schweizer Metzger, fordert nun höhere Importquoten, den Verzicht auf die Versteigerungen und eine Rückkehr zur Verteilung im Verhältnis zur Menge inländischen Schlachtfleisches.

Auch der Aargauer Gastrozulieferer Bianchi bekämpft das System, will aber auf keinen Fall zurück zum alten. «Früher haben Migros und Coop mit dem Verkauf von Kontingentsrechten gut verdient», sagt Geschäftsführer Giulio Bianchi. Heute helfe die Beschränkung von Einfuhrmengen den Grossverteilern und anderen Grossimporteuren, die Preise hochzuhalten.

In zwei Briefen an Bundesrätin Doris Leuthard schreibt Geschäftsführer Paolo Bianchi von «künstlichen Verknappungen» bei Filets und Entrecôtes vom Rind. Es sei stossend, dass Coop und Migros übermässig hohe Zuschläge erhielten. Im Juli habe Coop 36 von 90 Tonnen bezogen, Bianchi dagegen ging leer aus. «Die Gastronomie leidet unter diesem Preisdiktat.»

Bundesrätin Leuthard antwortete dem Importeur, die zugeteilten Mengen entsprächen dem realen Marktbedarf. Der Verwaltungsrat des Branchenverbands Proviande, der dem Bundesamt für Landwirtschaft die Zuteilung der Kontingente vorschlage, könne «den schweizerischen Bedarf an Importfleisch durchaus realistisch einschätzen».

Der Geschäftsführer des Gastrozulieferers Dubno in Hendschiken AG, Raphael Lenherr, bestätigt aber, dass der Zugang zu den Versteigerungen für kleine Firmen erschwert sei. «Die Grossen können mit ihren Angeboten höher einsteigen, und wenn sie mal zu viel einkaufen, bringen sie die Ware ins Tiefkühllager und stossen sie als Aktion ab.» Wer als Kleiner leer ausgehe, müsse sich dann bei den Grossen eindecken; das sei zwar etwas teurer, aber in der Menge dafür berechenbarer.

Peter Christen vom Branchenverband Proviande zeigt Verständnis. «Die Einführung der Versteigerungen war ein politischer Entscheid, wir setzen ihn nur um. Die Importeure zahlen heute aber für das Importkontingent, das sie früher mit Schlachtungen von Schweizer Tieren erarbeiteten. Wer macht das schon gern?»

Mengenmässig habe sich aber nichts verändert: Wie schon früher schöpfe das Bundesamt für Landwirtschaft die mit der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbarten Kontingente voll aus, ja übertreffe sie sogar regelmässig. Kleine und mittlere Unternehmen hätten zudem die Möglichkeit, sich zusammenzutun – was sie rege machten.

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