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Handelsskandal kostet J. P. Morgan 4,4 Milliarden Dollar

Jetzt ist es offiziell: Der Handelsverlust von J. P. Morgan Chase ist doppelt so hoch wie erwartet. Dennoch bleiben der US-Bank im zweiten Quartal fast fünf Milliarden Dollar Reingewinn.

Gigant der Finanzindustrie: Das Gebäude von JP Morgan Chase (unten) an der New Yorker Park Avenue. (11. Mai 2012)
Gigant der Finanzindustrie: Das Gebäude von JP Morgan Chase (unten) an der New Yorker Park Avenue. (11. Mai 2012)
AFP

Die US-Grossbank J. P. Morgan lässt die Katze aus dem Sack: Der spektakuläre Handelsskandal im Frühjahr hat vor Steuern ein Loch von 4,4 Milliarden Dollar gerissen. Das ist doppelt so viel, wie Vorstandschef Jamie Dimon zunächst eingeräumt hatte.

Dennoch schaffte die Bank das Kunststück, ihren Quartalsgewinn im Vergleich zum starken Vorjahreszeitraum beinahe konstant zu halten – unter dem Strich verdiente das Institut mit knapp fünf Milliarden Dollar nur sieben Prozent weniger.

Analysten hatten das dem US-Branchenprimus nicht zugetraut. Allerdings machte sich J. P. Morgan einige Sondereffekte zunutze. So löste die Bank unter anderem einen Teil ihrer milliardenschweren Risikovorsorge für faule Kredite auf. Auch die Neubewertung eigener Schulden hübschte die Bilanz etwas auf.

Nicht ganz so hässlich

An der Wall Street überwog die Erleichterung. Die Aktie der Bank legte vorbörslich zwei Prozent zu. «Die Zahlen von J. P. Morgan sind nicht ganz so hässlich, wie es zu erwarten gewesen wäre, nach allem, was passiert ist», sagte Peter Cardillo vom New Yorker Investmenthaus Rockwell Global Capital.

Allerdings muss das Institut die Ergebnisse des ersten Quartals wegen des Handelsschadens nach unten korrigieren: Der Gewinn fällt um eine halbe Milliarde Dollar niedriger aus. Zudem könnten weitere Belastungen aus den Fehlspekulationen hinzukommen, wie die Bank ankündigte. Im schlimmsten Falle wären das noch einmal 1,7 Milliarden Dollar.

Lange der Musterschüler

J. P. Morgan war lange Zeit der Musterschüler unter den amerikanischen Geldhäusern. Wegen ihrer breiten Aufstellung mit Investmentbanking, Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung liess die Bank - derzeit die grösste nach Vermögenswerten in den USA - die Finanzkrise relativ schnell hinter sich und erwarb sich einen Ruf als guter Risikomanager. Doch mit dem Handelsskandal, der im Mai bekannt wurde, ist das Vertrauen vorerst verspielt.

Damals wurde bekannt, dass Händler in der Londoner Abteilung «Chief Investment Office» (CIO) ohne grosse Kontrollen gigantische Handelspositionen aufbauen konnten. Bei mindestens einem der Mitarbeiter - Spitzname «der Wal» - ging die Rechnung allerdings nicht auf.

Pikanterweise entstanden die Verluste ausgerechnet in Absicherungsgeschäften, die eigentlich dazu dienen sollen, Einbussen im Handel zu begrenzen. «Der Wal» hat J. P. Morgan inzwischen verlassen, wie am Freitag aus Finanzkreisen verlautete.

«Keinem Kunden ist ein Schaden entstanden»

Die Fehlspekulationen sind auch für Vorstandschef Dimon eine Blamage, der sich einen Namen als erbitterter Regulierungskritiker gemacht hat. Er gelobte nun Besserung und warb bei Analysten und Investoren eindringlich um Vertrauen. «Die Firma hat ausführlich untersucht, was im CIO passiert ist», erklärte er.

Die Managementstrukturen seien überarbeitet und die Risiken in den Portfolien reduziert worden. Einige Teile, vor allem synthetische Wertpapierbestände, seien an die Investmentbank angedockt worden. «Es ist wichtig hervorzuheben, dass keinem Kunden ein Schaden entstanden ist», betonte Dimon.

J. P. Morgan war die erste US-Bank, die ihre Zahlen vorlegte. In der kommenden Woche folgen die übrigen Schwergewichte wie Bank of America, Citigroup sowie die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley.

SDA/rub

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