Nestlé will Daylong wieder loswerden

Konzernchef Schneider räumt mit der Gesundheitsstrategie seines Vorvorgängers Brabeck auf und will sich in Zukunft wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren.

Peter Brabeck (l.) baute auf, Mark Schneider räumt auf. Fotos: Keystone, Reuters

Peter Brabeck (l.) baute auf, Mark Schneider räumt auf. Fotos: Keystone, Reuters

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Die neue Sparte sollte ein Wachstumsträger werden. Doch sie erfüllte die Erwartungen nie. ­Daher will Nestlé nun die Hautpflegesparte Skin Health verkaufen, zu der unter anderem die Sonnencreme Daylong gehört. Offiziell spricht der Konzern von der Prüfung «strategischer Optionen».

Vor vier Jahren waren die ­Erwartungen noch gross. Die Konzernspitze war eigens nach Paris gereist, um die Vollüber­nahme der Hautpflegefirma Galderma von L'Oréal anzukündigen. «Der Anspruch der Kunden auf Gesundheit wird immer umfassender, dem passen wir uns an», begründete der damalige Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck den Schritt. Um Galderma zimmerte er dann die neue Sparte Nestlé Skin Health.

Brabeck war lange Jahre der starke Mann des Konzerns. Er hatte die Vision, den Lebensmittelriesen stärker Richtung Pharma/Gesundheit zu bewegen, denn dort wähnte er höhere Margen und stärkeres Wachstum. Er war denn auch Treiber hinter der Gründung der Sparte Health ­Science, die Ernährung mit Gesundheitsnutzen entwickelt.

Selbst verschuldete Probleme

Heute heisst Nestlés starker Mann Mark Schneider. Der Deutsche schaut mit dem kühlen Blick des Betriebswirts auf Brabecks Gehversuche im Gesundheitsmarkt. Und senkt den Daumen, zumindest für das Hautpflege­geschäft. Auch Teilverkäufe oder eine Abspaltung an die Nestlé-Aktionäre (Spin-off) seien denkbar, ist zu hören.

Die Sparte beschäftigt weltweit 5000 Menschen und er­wirtschaftet einen Umsatz von 2,7 Milliarden Franken. Das sind rund 3 Prozent der Konzernverkäufe. Beim Investorentag im September hatte Schneider mit Skin Health abgerechnet. Die Sparte würde das Wachstum und die Marge von Nestlé belasten, so Schneider. Er sprach von «selbst verschuldeten Problemen».

Skin Health hat drei Teilbereiche: verschreibungspflichtige Mittel (31 Prozent Umsatzanteil), Kosmetika (34 Prozent) und frei verkäufliche Mittel (35 Prozent). Vor allem bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten habe die alte Führung von Skin Health unter Humberto Antunes zu passiv dem Verlust des Patentschutzes wichtiger Umsatzträger zugeschaut, monierte Schneider.

Als der Nachschub bei Innovationen ausblieb, stürzte sich Skin Health auf den Bereich Consumer (frei verkäufliche Mittel). So kaufte Nestlé für seine Hautpflegetochter für 1,4 Milliarden Dollar eine Reihe Hautpflegemittel von der kanadischen Valeant. Doch das Malaise blieb: Im Consumer-Geschäft ist Skin Health immer noch zu klein, und bei den patentgeschützten Mitteln fehlen Innovationen.

Nachdem Schneider Anfang 2017 die Führung Nestlés übernommen hatte, leitete er zunächst einen Sparkurs bei Skin Health ein: Die Produktion im solothurnischen Egerkingen wurde geschlossen, 190 Stellen abgebaut. Dort lief unter anderem die Sonnencreme Daylong vom Band. Vor einem Jahr kündigte Nestlé dann an, 400 von 550 Stellen am Dermatologie-Forschungszentrum in der Nähe von Nizza streichen zu wollen. In der Bilanz hat Schneider die darbende Hautpflegetochter zudem mit 2,8 Milliarden Franken wertberichtigt.

Nun neigt sich das Kapital dem Ende zu. Patrik Schwendimann, Analyst der Zürcher Kantonalbank, hält trotz aller Probleme der Sparte einen Verkaufserlös von 7 bis 8 Milliarden Franken für möglich. «L'Oréal als Käufer hätte für mich eine gewisse Logik», sagt der Experte, denn die Franzosen würden das Hautpflegegeschäft bereits kennen. Investoren hatte Nestlés Ausflug ins Hautpflegegeschäft nie überzeugt, weil es mit dem Kerngeschäft – den Lebensmitteln – so gar nichts zu tun hat.

Stärkung des Kerngeschäfts

Dabei stammt Schneider selbst aus dem Gesundheitsgeschäft. Bevor er zu Nestlé kam, führte er den Fresenius-Konzern, der unter anderem Kranken­häuser betreibt und mit Dialyse­therapien gross geworden ist. Vor allem in der Presse war nach Schneiders Nominierung die Erwartung laut geworden, Schneider werde Nestlé noch stärker Richtung Gesundheit positionieren.

Doch er tut das Gegenteil und stärkt das Kerngeschäft, etwa Kaffee. Hier erwarb Nestlé vor kurzem die Vertriebsrechte für Starbucks-Kaffee. Randbereiche wie die Lebensversicherungssparte der zugekauften Marke Gerber verkauft er. Anfang des Jahres ging das US-Süsswarengeschäft für 2,8 Milliarden Dollar an Ferrero. Weitere Verkäufe dürften folgen.

Die Sparte Health Science für Nahrung mit Gesundheitsnutzen soll aber bleiben, sie habe «strategische Bedeutung», teilte Nestlé mit. So ganz will Schneider das Erbe seines Vorvorgängers Brabeck dann doch nicht aufgeben.

Erstellt: 20.09.2018, 23:11 Uhr

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