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Hellas' Goldrausch

Der Abbau von Edelmetall erlebt in Griechenland eine Renaissance. Das Land will bis 2016 zum grössten Goldproduzenten Europas aufsteigen. Doch diese Pläne haben einen Haken.

Umstrittenes Projekt: Polizisten bewachen das Gelände der geplanten Mine in Skouries. (1. Mai 2012)
Umstrittenes Projekt: Polizisten bewachen das Gelände der geplanten Mine in Skouries. (1. Mai 2012)
AFP

5000 neue Stellen, 230 Tonnen Gold, zehn Milliarden Euro Marktwert: Mit diesen Zahlen weckt die Firma Hellas Gold zurzeit grosse Hoffnungen im krisengebeutelten Griechenland. Geht es nach den hochtrabenden Plänen des kanadisch-griechischen Unternehmens, soll Griechenland bereits im Jahr 2016 zum grössten Goldproduzenten Europas aufsteigen, wie das «Handelsblatt» berichtet.

Dass der Reichtum tief in den Bergen begraben liegt, ist für die Griechen keine Neuheit: Schon in der Antike wurden Edelmetalle in grossen Mengen abgebaut. Nun erlebt das Geschäft jedoch wegen des stetig steigenden Goldpreises und wegen neuer Abbauverfahren einen Boom. So sprengt Hellas Gold zurzeit etwa auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki oberhalb des Küstenortes Olympias einen Stollen ins Stratonikos-Bergmassiv. In drei Jahren will das Unternehmen dort mit der Goldförderung beginnen und rund 770 Millionen Euro investieren. Hellas Gold will dort 1500 Arbeitsplätze schaffen – im Umfeld der Goldförderung könnten gar 5000 neue Stellen entstehen, sagt Bürgermeister Christos Pachtas gegenüber dem «Handelsblatt». «Unsere Gegend erlebt einen richtigen Aufschwung», wird er zitiert.

Menge des Goldes könnte sich erhöhen

Das Goldförderprojekt ist auf 30 Jahre angelegt. Nicht nur bei Olympias gräbt das Unternehmen nach Edelmetallen, sondern auch im nahe gelegenen Skouries. «Wir haben insgesamt nachgewiesene Vorkommen von 230 Tonnen reinem Gold, 1500 Tonnen Silber, 740'000 Tonnen Kupfer und 1,5 Millionen Tonnen Blei und Zink», sagt Firmensprecher Kostas Georgantzis. Nur schon das Gold hat nach aktuellen Marktpreisen einen Wert von fast zehn Milliarden Euro. Und es könne gar sein, dass im Verlauf der Förderung weitere Vorkommen entdeckt würden, frohlockt er.

Aber nicht nur die Menge, auch der Wert des Goldes könnte stark zunehmen: Er sehe mehr Aufwärts- als Abwärtspotenzial für den Goldpreis, sagt denn auch Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der deutschen Commerzbank gegenüber dem «Handelsblatt». Niemand wisse, wie sich die Krise entwickle, und der Euro oder der Dollar träten wegen der Schuldenproblematik beziehungsweise wegen der Fiskalklippe zunehmend in den Hintergrund. Früher hätten Investoren und Zentralbanken Gold gemieden, weil dieses keinen Zins bringe – nun gelte dies jedoch auch für andere Währungen, die darüber hinaus zunehmend unsicher seien. Gold sei dagegen eine Absicherung, eine alternative Währung.

Düstere Zukunftsszenarien

Griechenland wird durch die Wiederentdeckung des Goldes gerettet – diese Geschichte klingt fast zu schön, um wahr zu werden. Tatsächlich hat sie auch einen Haken: Gegen das Projekt regt sich bereits heftiger Widerstand. Die Gegner skizzieren düstere Zukunftsszenarien: Das Meer und die Luft würden verseucht, toxischer Staub werde sich auf die Pflanzen legen, der Tourismus bleibe in der Folge aus, letztlich würden Einwohner arbeitslos und krank.

In der Küstengemeinde Ierissos hat sich die Protestbewegung formiert. Dort wird ein regelrechter Kampf gegen das Goldprojekt geführt. Im Oktober gipfelte der Unmut in gewalttätigen Demonstrationen mit zahlreichen Verletzten. Steine und Brandflaschen flogen, Autos wurden angezündet und Familien von Minenarbeitern bedroht. «Hier kocht es, die Menschen gehen auf die Barrikaden», bringt ein lokaler Tankwart die Stimmung gegenüber dem «Handelsblatt» auf den Punkt.

Die Förderfirma Hellas Gold kontert: Das von den Anwohnern gefürchtete Zyanid, das Gold von Gestein trennt, werde gar nicht eingesetzt. Stattdessen setze man auf eine umweltverträgliche Methode: Mit dem sogenannten Flash-Smelting werde das Gold unter hohen Temperaturen aus dem Gestein geschmolzen – das sei eine umweltverträgliche Methode, sagt Unternehmenssprecher Georgantzis. Doch mit diesen Argumenten lassen sich die Kritiker nicht besänftigen: Das Verfahren sei erst in Entwicklung; über kurz oder lang werde die Firma doch das giftige Zyanid einsetzen, sind sie überzeugt.

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