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Holcim halbiert seinen Gewinn

Der Zementkonzern Holcim hat die US-Hypothekenkrise und die starke Teuerung zu spüren bekommen. Der Gewinn beträgt nicht einmal mehr die Hälft vom Vorjahr.

Unter dem Strich verdiente Holcim im ersten Semester noch 1,066 Milliarden Franken, wie das Unternehmen heute Morgen bekannt gab. Das ist über die Hälfte weniger als vor einem Jahr (2,423 Milliarden Franken). Damals hatte allerdings der Verkauf der Tochter in Südafrika das Ergebnis um 1,3 Milliarden Franken aufgebläht.

Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) schrumpfte um 37,7 Prozent auf 2,97 Milliarden Franken; der Umsatz sank um 4,4 Prozent auf 12,434 Milliarden. Franken. Damit lag der nach der französischen Lafarge weltweit zweitgrösste Zementanbieter am unteren Ende der Analysten-Prognosen.

Energiepreise erhöhten Kosten

Die Zementindustrie mit ihrem starken Energiebedarf für die Produktion spüre die viel höheren Preise für Kohle, Strom und Transport sehr direkt, begründet Holcim den Rückgang beim Betriebsgewinn. Die höheren Kosten habe man nur verzögert und nicht vollständig auf die Verkaufspreise überwälzen können.

In den USA hat die Immobilienkrise für einen Einbruch gesorgt. Der Betriebsgewinn in Nordamerika sackte von 168 Millionen auf 46 Millionen Franken. ab. Der private Wohnbau habe noch weiter nachgegeben, und jetzt mehrten sich die Schwächezeichen auch noch im gewerblich-industriellen Bau. «Einziger Lichtblick war das mehrjährige Infrastrukturprogramm der Regierung», schreibt Holcim.

Asien harzig, Südamerika mässig

Auch in Asien und Ozeanien verdiente Holcim deutlich weniger, obwohl der Konzern in allen wichtigen Ländern mehr Zement verkaufen konnte. Schuld ist unter anderem die hohe Inflation. Insbesondere in Indien habe die Zementindustrie das Anti-Inflationssprogramm der Regierung unterstützen und deshalb Preiserhöhungen sistieren müssen.

In Lateinamerika konnte Holcim dank der robusten Binnennachfrage und der expandierenden Exportindustrie zulegen. Der Absatz von Zement, Zuschlagstroffen und Transportbeton wuchs. Der Betriebsgewinn kletterte um 8,6 Prozent auf 266 Millionen Franken.

Die enorm gestiegenen Energiepreise, teilweise gekoppelt mit einer staatlichen Preiskontrolle und schlechteren Währungsniveaus, hätten ein besseres Ergebnis verhindert.

Enteignung in Venezuela

Den Einfluss des Staates bekommt Holcim insbesondere in Venezuela zu spüren. Dort hat sich die Regierung von Hugo Chávez die ganze Zementindustrie unter den Nagel gerissen. Anfang Woche konnte Holcim immerhin eine Grundsatzvereinbarung abschliesen, laut der der Konzern zwar 85 Prozent seiner Gesellschaft in Venezuela an den Staat abgeben muss, aber noch 15 Prozent behalten darf.

Der mexikanische Konkurrent Cemex war da weniger erfolgreich: Auf Geheiss von Chávez marschierten Truppen ein und enteigneten die vier Filialen kurzerhand.

Holcim wird für die 85 Prozent gemäss venezolanischen Regierungsangaben mit 572 Mio. Dollar entschädigt. Im Grundsatz sei man sich über die Entschädigung einig, schreibt Holcim. Aber der Blick in die Bücher sei noch nicht abgeschlossen. Holcim Venezuela habe im vergangenen Jahr einen Umsatz von 200 Millionen Dollar erzielt, was etwa 1 Prozent des Konzernumsatzes ausmache.

Prognosen gesenkt

Für das Gesamtjahr 2008 senkt Holcim nun die Ziele. Der Konzern geht nur noch davon aus, beim operativen Ergebnis (betrieblicher EBITDA) das ausgezeichnete Vorjahresergebnis zu halten. Im Mai hatte der Konzern noch ein organisches Wachstum von 5 Prozent angepeilt.

SDA/oku

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