«Ich bezahle 960 Franken mehr als Neukunden»

Selbst nach Ablauf eines Lockvogel-Angebots kommen neue UPC-Kunden besser weg als treue Kunden. Was man dagegen tun kann.

Bereits gewonnene Kunden müssen trotz ihrer Treue vielfach höhere Preise bezahlen: Auch für TV-Abos gibt es Lockvogelangebote. Foto: Bloomberg

Bereits gewonnene Kunden müssen trotz ihrer Treue vielfach höhere Preise bezahlen: Auch für TV-Abos gibt es Lockvogelangebote. Foto: Bloomberg

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In den sozialen Medien gehen die Wogen hoch. Der Grund: Der Telecomanbieter UPC lockt Neukunden mit Discountangeboten und verärgert damit seine aktuellen Kunden. Neukunden erhalten einen Internetanschluss mit einem Gigabit pro Sekunde (1 Gbit/s) für 56 Franken.

Wie es sein könne, dass er «als langjähriger Kunde (Happy Home 600) fast 70 Franken mehr pro Monat zahle als ein Neukunde für die nächsten 24 Monate?», twittert ein Kunde. Ein anderer moniert, dass er 89 Franken pro Monat bezahle. «Ich wollte den neuen Deal. Die Antwort von UPC: Geht nicht.»

960 Franken höhere Kosten

Und ein dritter Kunde rechnet vor: «Neukunden erhalten Internet, TV & Phone für 69 Franken während zweier Jahre. Ich bezahle für weniger Leistung (200 MBit statt 300/1000) 40 Franken pro Monat mehr, macht schlappe CHF 960 über die 2 Jahre. Finde das nicht korrekt!»

Ein anderer Kunde spricht von einer «verkehrten Kundenwelt». Er bezahle 120 Franken pro Jahr mehr als ein neuer Kunde, dessen «Megarabatt» ausgelaufen sei.

Auf Anfrage erklärt UPC, bestehende Kunden profitierten immer wieder von speziellen Angeboten, wie etwa der kostenlosen Verdoppelung der Internetgeschwindigkeit. Davon hätten im letzten Jahr über die Hälfte der Kunden profitiert.

Dass bereits gewonnene Kunden trotz ihrer Treue vielfach höhere Preise bezahlen müssten, sei auch bei anderen Anbietern der Fall, sagt Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland. Mit Sonderangeboten für Internet, Festnetz und TV ködern Anbieter wie Swisscom und Sunrise regelmässig neue Kunden. Dass die Abopreise für Altkunden gesenkt werden könnten, dürfte unwahrscheinlich sein.

Kürzlich erklärte Swisscom-Finanzchef Mario Rossi in einem Interview, dass es keine Pläne gebe, die Listenpreise zu reduzieren. «Von Zeit zu Zeit muss man eine Promotion machen, um das Kundenwachstum zu stimulieren. Aber auf dieser tiefen Preisbasis kann kein Infrastrukturanbieter langfristig Geld verdienen», erklärte Rossi die Logik der Anbieter.

Griff nach dem Portemonnaie

Altkunden ärgern sich nicht nur darüber, dass sie von Sonderaktionen ausgeschlossen sind. Die Telecomfirmen greifen auch zusätzlich nach ihrem Portemonnaie, indem sie auf ein teureres Abo umgeschaltet werden. «Eine Unsitte», kritisiert Ralf Beyeler.

Beispiel UPC: Unter dem Titel «Ein besseres Abo wartet auf Sie» orientierte der Provider in diesem Sommer, dass das bisherige Abo in Kürze auslaufe. Wer nicht von sich aus kündigte oder ein günstigeres, allerdings schlechteres Abo bestellte, wurde automatisch auf Entertainment UPC TV 600 umgeschaltet. Top-Deal-Kunden, die bis anhin 85 Franken bezahlt hatten, mussten auf einen Schlag 99 Franken bezahlen. Nach einem halben Jahr liegt der Abopreis sogar bei 124 Franken, weil dann die Kosten für das Senderpaket MySports Pro vollständig belastet werden. Die Mehrkosten liegen damit bei 45 Prozent.

Wer sich als Kunde über seinen Telecomanbieter nervt, für den hat Ralf Beyeler von Moneyland einen einfachen Tipp: nachfragen, verhandeln – und notfalls kündigen und den Anbieter wechseln.

Erstellt: 08.10.2019, 09:15 Uhr

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