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«Ich wurde überhaupt nicht abgesetzt»

Warum wechselt Jeannine Pilloud bei den SBB ihren Job? Die Nummer zwei der Bahn im Interview.

«Sie können mich nicht klonen»: Jeannine Pilloud, Chefin Personenverkehr bei den SBB. Foto: Adrian Moser
«Sie können mich nicht klonen»: Jeannine Pilloud, Chefin Personenverkehr bei den SBB. Foto: Adrian Moser

Sie waren die letzten fast sieben Jahre die zweitmächtigste Person bei den SBB. Warum der Rücktritt?

Ich trete nicht zurück, ich habe eine neue Funktion. Von aussen gesehen mag das überraschen. Aber wir haben in der Branche grosse Programme, die in den nächsten zwei Jahren sehr viel Arbeit geben. Ich werde mich darum kümmern.

Was sind das für Programme?

Es braucht im öffentlichen Verkehr ein Gremium, in dem die Transportunternehmen verbindlich Entscheide fällen können. Die Branche will die Preis-, Sortiments- und Tarifgestaltung vereinfachen. Und es geht um Neuerungen wie papierlose Tickets, die auf den Swiss Pass geladen werden. Oder Pilotversuche mit Check-in/Check-out, wo dem Kunden nach der Fahrt das günstigste Ticket verrechnet wird. Auch die Billettautomaten werden wir vereinheitlichen.

Wer hatte die Idee für die neue Stelle? Sie oder die SBB?

Ich bin schon seit April 2016 Präsidentin des Verbands Direkter Verkehr. Diese Arbeit hat ständig zugenommen. Ich habe also bisher zwei Jobs gemacht. Und jetzt haben wir das aufgeteilt.

Und diese Aufteilung passierte freiwillig?

Selbstverständlich. Das war mein Vorschlag. Und ich bin sehr froh, dass mich Andreas Meyer dabei unterstützt hat.

Sie wurden nicht abgesetzt?

Überhaupt nicht. Mein bisheriger Job ist mir auch nicht verleidet. Am liebsten hätte ich beides gemacht. Aber Sie können mich nicht klonen. Deshalb musste ich mich schweren Herzens entscheiden, den Personenverkehr abzugeben und meinem Stellvertreter, Toni Häne, zu übergeben.

Jeannine Pilloud tritt von ihrem Posten als Chefin des Personenverkehrs zurück.
Jeannine Pilloud tritt von ihrem Posten als Chefin des Personenverkehrs zurück.
Anthony Anex, Keystone
Sie übernimmt ab Anfang 2018 die neue Aufgabe als «SBB-Delegierte für ÖV-Branchenentwicklung».
Sie übernimmt ab Anfang 2018 die neue Aufgabe als «SBB-Delegierte für ÖV-Branchenentwicklung».
Keystone
Toni Häne wird ab 1. Januar der neue Chef des Personenverkehrs: «Die starke Bahn mit grosser Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit steht für mich im Zentrum. Auf dieser soliden Basis können die SBB die Herausforderungen im zunehmenden Wettbewerb anpacken.»
Toni Häne wird ab 1. Januar der neue Chef des Personenverkehrs: «Die starke Bahn mit grosser Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit steht für mich im Zentrum. Auf dieser soliden Basis können die SBB die Herausforderungen im zunehmenden Wettbewerb anpacken.»
SBB/Twitter
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Sie wollen Verwaltungsratsmandate annehmen. Was schwebt Ihnen dabei vor?

Wenn Sie 35 Jahre Berufserfahrung haben wie ich, dann wollen Sie diese Erfahrung weitergeben. Daher kann ich mir vorstellen, ein externes Verwaltungsratsmandat zu übernehmen.

Ist das denn zeitlich möglich neben Ihrer neuen Stelle?

Das wird sich zeigen. Aber ich kann ­sicher nicht schon ab Januar dieses und jenes zusätzlich machen.

Werden Sie weiterhin am SBB-Hauptsitz in Bern ein Büro haben?

Ich habe überhaupt kein Büro. Ich bin jeden Tag an einem anderen Ort. Aber ich werde definitiv in Bern meine Hauptanlaufstelle haben.

Sie haben kein Büro?

Nein, Sie können nicht von ihren Leuten fordern, dass sie Desksharing machen, und selbst ein 40-Quadratmeter-Büro haben, es aber nie nutzen.

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Video: Pilloud Erneuerungen in der Gastronomie

2016 erklärte Jeannine Pilloud, warum die SBB die Minibar abschafft und was der neue Speisewagen bringt. Video: TA

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Ist Ihre neue Stelle ein Übergang zu einer Zeit nach den ­Bundesbahnen, zu einer Zeit als Profi-Verwaltungsrätin?

Ich war nie jemand, der Pläne für länger als fünf Jahre machte. Die Aufgabe mit der Branche, das ist eine rechte Herausforderung. Das habe ich nicht in ein paar Monaten erledigt.

Andreas Meyer wird auch nicht ewig SBB-Chef bleiben. Würde Sie dieser Job interessieren?

Das habe ich mir noch nie überlegt. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Chef und möchte ihn noch ein bisschen behalten.

Was war Ihr grösster Erfolg als Personenverkehrschefin?

Die Kundenzufriedenheit hat stark zugenommen. Und auch bei der Pünktlichkeit, wo wir einen Absturz hatten, konnten wir in den letzten zwei, drei Jahren wieder zulegen. Auch der Swiss Pass entwickelt sich sehr gut. Da haben wir eine grosse Einigkeit in der Branche ­erreicht.

Und was würden Sie rückblickend anders machen?

Schwierig zu sagen. Es hat mich auch schon jemand gefragt, ob ich nochmals einen Starbucks-Wagen machen würde. Ich sagte: definitiv ja. Es braucht eine Start-up-Mentalität – dass Sachen ausprobiert werden. Daher gibt es eigentlich nichts, was ich nicht wieder machen würde. Aber es gibt natürlich Sachen, wo man im Nachhinein schlauer ist.

Zum Beispiel?

Bei gewissen Softwareprojekten müsste man sich etwas besser vorbereiten.

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