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«Ich habe verstanden»

Die öffentliche Empörung hat Daniel Vasella zur Kehrtwende bewogen: Der abtretende Verwaltungsratspräsident von Novartis verzichtet nach den heftigen Proteststürmen auf die 72-Millionen-Franken-Zahlung.

Novartis gibt den Rücktritt ihres Verwaltungsratspräsidenten bekannt: Daniel Vasella an der Jahrespressekonferenz in Basel. In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen bestätigt Vasella, dass er eine Vereinbarung über ein Konkurrenzverbot und eine Beratungstätigkeit eingegangen ist. Die Höhe des Betrages wird allerdings nicht bekannt.
Novartis gibt den Rücktritt ihres Verwaltungsratspräsidenten bekannt: Daniel Vasella an der Jahrespressekonferenz in Basel. In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen bestätigt Vasella, dass er eine Vereinbarung über ein Konkurrenzverbot und eine Beratungstätigkeit eingegangen ist. Die Höhe des Betrages wird allerdings nicht bekannt.
Georgios Kefalas, Keystone
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Der scheidende Novartis-Präsident Daniel Vasella lässt nun doch die Finger von den umstrittenen 72 Millionen Franken. Damit wird auch sein Konkurrenzverbot hinfällig. Doch das Eisen bleibt heiss. Politiker und Wirtschaftsvertreter halten an ihrer Kritik fest.

Die Aktionärsvereinigung Actares will den abtretenden Verwaltungsratspräsidenten an der Novartis-Generalversammlung am Freitag jedenfalls nicht schonen. Sie hält an ihrem Aufruf, die Décharge zu verweigern, fest.

«Wir bleiben bei unserer Position, denn die Art und Weise, wie der Verwaltungsrat das Thema vorbereitet hat, ist ein Problem», so Actares-Geschäftsführer Roby Tschopp gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Der Scherbenhaufen sei angerichtet, sagen Wirtschaftsvertreter und Politiker.

Späte Einsicht ändert nichts

«Die späte Einsicht ändert nichts daran, dass der Verwaltungsrat von Novartis diese Vereinbarung von 72 Millionen Fr. abgesegnet hatte», teilt auch Justizministerin Simonetta Sommaruga in einem schriftlichen Statement mit. Nach Bekanntwerden der Vereinbarung am Freitagabend hatte sie im Schweizer Fernsehen SRF gesagt, sie sei sprachlos.

Daniel Vasella selbst hatte die 72 Millionen Franken-Zahlung, gekoppelt an ein Konkurrenzverbot für sechs Jahre, im Interview mit der «Tagesschau» publik gemacht.

Knapp zwei Wochen vor der Abstimmung zur Abzocker-Initiative floss diese Ankündigung wie Öl in loderndes Feuer. Befürworter sahen sich in ihren Anliegen bestätigt. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, der mit einer millionenschweren Kampagne ein Ja zur Initiative verhindern will, sieht sich zurückversetzt.

Druck oder Reflexion

Dass Daniel Vasella und Novartis nun «die Konkurrenzverbotsvereinbarung und die gesamte damit verbundene Entschädigung» aufheben führt die SP darum auf den Druck zurück seitens der Wirtschaft. CVP-Präsident Christophe Darbellay hingegen ist überzeugt, dass Selbstkritik den Ausschlag gab.

Vasella selbst sagt gemäss Mitteilung: «Ich habe verstanden, dass in der Schweiz viele den Betrag für die Einhaltung des Konkurrenzverbotes als unverhältnismässig hoch empfinden, trotz der Tatsache, dass ich meine Absicht bekannt gab, den Nettobetrag für wohltätige Aktivitäten zur Verfügung zu stellen.»

Spende unwesentlich

Für FDP-Präsident Philipp Müller ist es indes unwesentlich, ob das Geld hätte gespendet werden sollen oder nicht. Der Vorfall habe gezeigt, dass das System solche «horrenden» Bezüge zulasse. Er sieht - wie die meisten Politiker - dringenden Handlungsbedarf. Nur wie dieser inhaltlich aussehen soll, ist weiterhin bis mindestens zum 3. März heiss diskutierter Streitpunkt. Dann wird über die Abzocker-Initiative abgestimmt.

Der Urheber der Initiative, Thomas Minder, setzt derweil ein Fragezeichen hinter Vasellas Ankündigung. «Man kann nicht auf etwas verzichten, das einem nicht zusteht», sagt er. Er verneige sich hingegen «vor der Empörung im Volk».

Novartis will es besser machen

Novartis zieht aus diesen Protestwellen offenbar Lehren. Der Verwaltungsrat sei sich der Bedeutung vollständiger Transparenz bewusst und werde seine diesbezüglichen Anstrengungen verstärken. Konkrete Massnahmen nannte das Unternehmen nicht.

Die Anlegerstiftung Ethos anerkennt immerhin die Bemühungen. «Der Verwaltungsrat übernimmt seine Verantwortung, was er bisher nicht getan hat», sagte Ethos-Sprecher Christophe Hans. Bisher hatte Ethos die Verweigerung der Décharge empfohlen, nun soll aber zugestimmt werden.

Damit ist Ethos eine Ausnahme. Nebst Actares will auch der Aktionärsvertreter Hans-Jacob Heitz bei seinem Vorhaben bleiben. Er sieht keinen Anlass, die am Montag eingereichte Strafanzeige gegen Novartis, gegen den Vergütungsausschuss des Verwaltungsrats sowie gegen Vasella zurückzuziehen.

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