«Ich muss nur noch Verluste decken»

Die Geschäftszahlen von Samih Sawiris’ Firma Andermatt Swiss Alps sind schlecht. Der Investor sagt, er müsse nicht viel neues Geld einschiessen – auch wenn er dazu bereit wäre.

Das Chedi in Andermatt hat mit 29,5 Prozent eine sehr tiefe Auslastung: Samih Sawiris.

Das Chedi in Andermatt hat mit 29,5 Prozent eine sehr tiefe Auslastung: Samih Sawiris.

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Die Andermatt Swiss Alps AG macht bisher nur Verluste, zuletzt waren es 7 Millionen. Sind Sie besorgt?
Überhaupt nicht. Buchverluste sind für mich nicht so wichtig, wenn ich sehe, wie sich die Bewertung unseres Landes verbessert hat. Vor ein paar Jahren haben die Banken unsere Einheiten in Andermatt noch tiefer eingeschätzt als heute. Das ist mehr wert als 7 Millionen Franken Verlust. Auch, dass unsere ­Anleihe am Markt 50 Millionen eingebracht hat, ist eine Bestätigung für uns.

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Was halten Sie von Sawiris' Tourismusprojekt in Andermatt?






Im letzten Halbjahr haben Sie nur 39Millionen Umsatz gemacht. 2014 waren es insgesamt 108Millionen.
2014 haben wir 60 Apartments an die Investmentfirma Acuro verkaufen können (an der Sawiris’ Familie beteiligt ist, Anm. d. Red.) . Dieses Jahr wurden zwar viele Verkäufe eingeleitet, sie sind aber noch nicht notarisiert, weswegen sie nicht in der Bilanz erscheinen. Ab nächstem Jahr werden die Umsätze stetig steigen. Vor allem, weil es so aussieht, dass die Zweitwohnungsinitiative für uns nicht gilt. Die Ungewissheit darüber hat viele davon abgehalten, bei uns zu investieren.

Ab wann wollten Sie ursprünglich schwarze Zahlen schreiben?
Nach Fertigstellung des zweiten Hotels, des Golfplatzes und der Verbindung der Skigebiete Andermatt und Sedrun. Das war ursprünglich für 2014 geplant, nun wird es leider 2018.

Das heisst, Sie sind im Verzug.
Ja, aber das liegt erstens am Drama rund um das Skigebiet – das Projekt wäre fast gescheitert. Zweitens hat die Zweit­wohnungsinitiative das Angebot an ­Ferienwohnungen verdreifacht. Dieser Angebotsüberhang muss erst einmal ­abgebaut werden.

Egal, wie gross die Zweifel an Ihrem Projekt sind, Sie bleiben optimistisch. Warum?
Weil ich Erfahrung mit solchen Projekten habe. Für die Schweiz ist das ein Sonderfall, für mich nicht. Ich weiss, wie man so etwas umsetzt, ich weiss, welche Indikatoren massgeblich sind. Die Banken erkennen an, dass eine Wohnung in Andermatt heute mehr wert ist als noch vor einigen Jahren. Und Profis auf dem Markt akzeptieren heute unser Modell und investieren in uns.

Sie werden in Andermatt also weitermachen, komme, was wolle.
Ich wäre ein Dummkopf, würde ich das nicht tun. Ich habe nicht 300, 400 Millionen von meinem Geld in das Projekt gesteckt, um es brachliegen zu lassen und wegzugehen. Das wäre albern.

Es gibt also keine Obergrenze, wie viel Sie noch einschiessen werden?
Es gibt gar nicht mehr viel einzuschiessen. Die Verkäufe werden immer besser. Das Einzige, was ich noch brauche, ist die fertige Skiverbindung und ein fertiges zweites Hotel. Wenn überhaupt, muss ich nur noch die Verluste decken – und die sind nicht so dramatisch, wie die 7 Millionen Franken im letzten Halbjahr zeigen.

Die vielen Wechsel im Management können Sie nicht wegdiskutieren. Das ist für gewöhnlich kein gutes Zeichen.
Waren Sie jemals in Amerika? Da gibt es alle sechs Monate Wechsel, und keiner macht ein Theater. Aber ich gebe Ihnen trotzdem eine Erklärung: Das ist ein dynamisches Projekt, bei dem die Schwerpunkte sich ändern. Das bedingt verschiedene Qualifikationen auf der Führungsebene.

Erstellt: 15.12.2015, 23:08 Uhr

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Die Dimensionen sind gewaltig. 2009 fand der Spatenstich von Samih Sawiris’ Tourismus-Projekt in Andermatt UR statt. Seither hat sich im einstmals verschlafenen Urserntal viel getan. Auf rund 1,5 Millionen Quadratmetern entsteht auf einem ehemaligen Militär­gelände das grösste Tourismus-Resort der Schweiz. Es soll mit dem Luxus-Haus Chedi dereinst über sechs Hotels, zwei Dutzend Chalets und 42 Apartmenthäuser mit fast 500 Wohnungen verfügen.

Das gewaltige Projekt erntet seit je her heftige Kritik. Es gilt als überdimensioniert und damit risikoreich. Am Investitionsvorhaben wurde zudem bemängelt, dass Bund und Kanton Geld einschiessen müssen. Die Kritiker erhalten durch die nun erstmals publizierten Geschäftszahlen von Sawiris Firma Andermatt Swiss Alps Auftrieb (TA von gestern). Diese ­zeigen, dass die Auslastung des Hotels Chedi mit 29,5 Prozent sehr tief ist. Das Projekt ist finanziell zudem stärker von Sawiris abhängig, als gedacht. Es könnte damit länger als bis 2017 dauern, bis es auf eigenen Beinen steht. Diese Grenze hat sich Sawiris einst selbst gesetzt. Laut den Unterlagen ist er nicht nur finanziell am Unternehmen beteiligt, er hat auch einen Kredit von rund 150 Millionen Franken gesprochen. Das war nötig, denn bei Einnahmen von 39Millionen verlor die Firma im 1.Halbjahr 2015 rund 7Millionen. Im gesamten 2014 betrug der Verlust 13Millionen Franken.

Sawiris verbucht aber auch immer wieder Erfolge. Mit einer Anleihe sammelt er nun am Markt 50 Millionen ein – was das Projekt von ihm unabhängiger macht. Zudem zieht er weitere Baupartner an Land. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Andermatt Swiss Alps gemeinsam mit der Luzerner Immobilienfirma Schmid 40 Wohnungen entwickelt. Es ist die dritte Partnerschaft.

Die Urner Regierung macht sich trotz der schlechten Zahlen keine Sorgen. Landammann Heidi Z’graggen sagt: «Der Regierungsrat war sich stets bewusst, dass das Geschäftsmodell eines Resorts in dieser Grössenordnung erst nach mehreren Jahren Erträge abwirft.» Sie verweist auf den wirtschaftlichen Schub, den das Projekt ausgelöst hat. «Mit dem steigenden Bettenangebot stiegen die Nachfrage im gesamten Tourismusbereich und die Zahl der Beschäftigten im Urserntal zwischen 2005 und 2014 von 968 auf 1250 Personen.» (jb/fko)

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