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«Ich war mein Geld wert»

Der Inbegriff des «Abzockers» tritt ab. Daniel Vasella verteidigt in einem Interview seine hohen Löhne und Boni. Bei Economiesuisse ist man nicht glücklich über seine verkappte Abgangsentschädigung bei Novartis.

«Die Reaktionen auf meine Gehälter sind emotional»: Daniel Vasella in Davos. (24. Januar 2013)
«Die Reaktionen auf meine Gehälter sind emotional»: Daniel Vasella in Davos. (24. Januar 2013)
Keystone

Der abtretende Novartis-Präsident Daniel Vasella nimmt gegenüber dem «SonntagsBlick» Stellung zu seinem Gehalt. «Es entsprach weitgehend dem Markt für Spitzenkräfte», sagte Vasella. Zudem habe er einen entsprechenden Gegenwert geliefert. «Allein zwei Deals, bei denen ich entscheidend eingriff, haben mein gesamtes Gehalt wesentlich übertroffen.»

Auf die Frage, ob er sein Geld wert gewesen sei, antwortete der langjährige Spitzenmanager im «SonntagsBlick»: «Rational gesehen, ja. Die Reaktionen auf meine Gehälter sind aber emotional.» Es sei nie sein Ziel gewesen, viel Geld zu verdienen. «Es hat sich ergeben.» Zu seiner Zeit als Assistenzarzt sei das Geld für die Familie knapp gewesen. Als er später viel mehr verdiente, dachte er, «wie verrückt es ist, plötzlich so viel zu verdienen». Doch dann gewöhnte er sich daran: «Normen verschieben sich.»

Geld ist relativ

Für Vasella ist Geld relativ. Das Salär soll fair und konkurrenzfähig sein. «Eine Firma muss sich überlegen: Wie viel zahlt man, was ist der Gegenwert? Es gibt nichts Dümmeres, als einen Bewerber, den man will, wegen eines zu hohen Lohnes nicht einzustellen.»

Er zeigt gewisses Verständnis für die Abzocker-Initiative. «Ja, ich habe Verständnis für die Anliegen der Minder-Initiative, aber keine Sympathien, da sie für die Schweiz destruktiv wären.» Vasella glaubt, mit der Annahme des Volksbegehrens würden die Rahmenbedingungen in der Schweiz massiv schlechter. Diese seien aber entscheidend, um Unternehmen langfristig im Land zu halten – auch die Novartis. Er hält einen Abzug des Pharmariesen aus der Schweiz für nicht ausgeschlossen. «Alle Konzerne müssen sich periodisch überlegen, ob die Schweiz der richtige Ort ist, vor allem wenn es zu Umbrüchen kommt.»

«Als gut verdienender Manager müsste man für die Initiative sein»

Die Abzockerinitiative wäre ein «weltweit einmaliges Korsett», gibt sich Daniel Vasella im «SonntagsBlick» überzeugt. Verwaltungsräte könnten für Kader keine bindenden Verträge mehr abschliessen. Vasella weist auch auf die lange Umsetzungsdauer der Initiative hin: «Der Gegenvorschlag hingegen würde sofort zum Gesetz und liesse den Aktionären mehr Wahlmöglichkeiten. Als gut verdienender Manager müsste man also schon fast für die Initiative sein, weil sich dann jahrelang nichts ändert.»

Er wehre sich nicht gegen das Abzocker-Label, sagte Vasella. «Für mich zählt nur, was meine Kinder und meine Frau von mir denken, das ist mir wichtig.»

Economiesuisse: Abgangsentschädigungen sind mühsam

Beim Dachverband der Schweizer Wirtschaft befürchtet man, Vasellas Abgangsregelung bei Novartis führe kurz vor der Abstimmung vom 3. März zu weiterem Imageschaden. Der abtretende Verwaltungsratspräsident lässt sich für ein Konkurrenzverbot und einen Coaching-Auftrag in den nächsten Jahren weitere Millionen zahlen.

Werner Hug, Mitglied des Vorstandsausschusses von Economiesuisse, sagt gegenüber der «SonntagsZeitung», eine allfällige Abgangsentschädigung – über die spekuliert wird, die aber nicht bestätigt ist – könnte sich negativ auf den Kampf gegen die Initiative auswirken: «Solche Abgangsentschädigungen sind mühsam.» Der Präsident des Industrieverbands Swissmem, Hans Hess, glaubt jedoch nicht, dass das einen Einfluss auf die Abstimmung haben wird. Die Fakten seien längst bekannt.

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