Ihr wahrer Feind ist das Robo-Taxi

Die Schweiz pocht auf bessere Bedingungen für Taxi- und Uberfahrer. Ein Kampf, der bereits verloren scheint.

Das Bundesgericht deklariert sie als Unselbstständigerwerbende: Taxifahrer der Zürcher Zentrale 444.

Das Bundesgericht deklariert sie als Unselbstständigerwerbende: Taxifahrer der Zürcher Zentrale 444. Bild: Keystone

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Taxi gegen Uber. Schweizer Traditionsfirmen gegen US-Milliardenkonzern. Lizenzierte Fahrer gegen Unlizenzierte: Kaum ein Streit wurde in den vergangenen Jahren hitziger geführt. Treffen auf der Strasse die Vertreter der verschiedenen Geschäftsmodelle aufeinander, kann es zu Handgreiflichkeiten kommen.

Die Taxifahrer sahen sich 2013 quasi über Nacht mit dem neuen Feindbild konfrontiert: Uber-Pop. Die Billigsparte des amerikanischen Fahrdienstanbieters, die mit unverschämt günstigen Preisen in den Markt einbrach – auch dank der günstigen Arbeitskräfte, welche die Autos steuern.

Bilder: Taxifahrer demonstrieren gegen Uber

Uber-Pop-Fahrer brauchen weder Taxilizenz noch besondere Ortskenntnisse. Einzige Voraussetzung, die Uber stellt: Ein Mindestalter von 21 Jahren und ein gepflegtes Auto, das über mindestens vier Türen verfügt. Uber deklariert seine Fahrer als selbstständig, entsprechend fallen für den Arbeitgeber keine Sozialversicherungskosten an.

Uber-Pop nur noch in Basel

Jahrelang funktionierte das Konzept, während der herkömmliche Taximarkt schrumpfte. 2016 befand sich Uber-Pop auf dem Höhepunkt: Alleine in Zürich zählte das Unternehmen mehr als 1000 Fahrer und 100'000 Nutzer. Der damalige Uber-Schweiz-Chef Rasoul Jalali verkündete im «Tages-Anzeiger»-Interview, dass dies erst der Anfang sei.

Es war der Anfang des Niedergangs. Der Spiess wurde Anfang Jahr umgedreht, als die Suva den Fahrdienst als Arbeitgeber deklarierte, mit all den dazugehörigen Rechten und Pflichten. Doch statt seinen Uber-Pop-Fahrern fortan Sozialabgaben zu entrichten, zog der Anbieter sein Billigangebot zurück. Im August in Zürich, diese Woche in Lausanne. Basel ist zurzeit die einzige Schweizer Stadt, in der Uber-Pop noch existiert. Die Zeit des Wildwuchses, in der jeder Student sich in der Freizeit als Taxifahrer betätigen konnte, scheint endgültig vorbei.

Taxizentralen verfolgten das Vorgehen auf Uber mit Wohlwollen, jetzt trifft die Regulierungswelle sie auch.

Die Taxizentralen verfolgten die Entwicklung zunächst mit Wohlwollen. Nun wurden aber auch sie von der Regulierungswelle erfasst. Das Bundesgericht stufte diese Woche drei Fahrer der Zürcher Taxizentrale als 444 als unselbstständig ein. Der Entscheid hat das Potenzial, das Taxigewerbe radikal auf den Kopf zu stellen. Gemäss dem Branchenverband Taxisuisse betrifft das Urteil rund 1500 bis 2000 Fahrer. Die restlichen der rund 5000 Schweizer Taxifahrer sind bereits sozialversichert. Die Branchenvertreter warnen nun: Das Taxifahren könne sich aufgrund des Gerichtsentscheids deutlich verteuern.

Billige Angebote dank Robo-Taxis?

Vielleicht ist es genau umgekehrt: Taxifahren könnte künftig deutlich billiger werden. Es spricht einiges dafür, dass die Diskussion über Selbst- oder Unselbstständigkeit bald schon zur Scheindiskussion verkommt. Der Grund sind die Robo-Taxis. Uber und seine Konkurrenten investieren seit Jahren Milliarden in die Technologie für selbstfahrende Autos. Ein Wettrüsten mit dem Ziel, den Fahrer durch die Maschine zu ersetzen. Sozialabgaben und sonstige Diskussionen über Arbeitsbedingungen würden auf einen Schlag hinfällig. Die gegenwärtige Faustformel der Branche: Wem es gelingt, den Fahrer einzusparen, kann die Kosten für Passagiere um bis zu 70 Prozent senken.

Auto mit selbstfahrender Technologie: Der Volvo XC90. Foto: Reuters

Auf dem Weg zur Roboterflotte vermeldete Uber diese Woche einen Durchbruch. Das kalifornische Unternehmen unterzeichnete mit Volvo einen Kontrakt. Uber will beim schwedisch-chinesischen Autokonzern bis zu 24'000 autonom fahrende Autos des Typs XC90 bestellen. Das massige Geländemobil soll ab 2019 das Rückgrat der selbstfahrenden Taxiflotte sein. «Diese Vereinbarung bringt uns ein Stück näher zur Massenfertigung von selbstfahrenden Autos», sagte Uber-Manager Jeff Miller der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Wettrüsten für die Zukunft

Die Uber-Konkurrenz drückt ebenfalls aufs Gas: Im September gab der US-Autohersteller Ford seine Zusammenarbeit mit Lyft bekannt. Zuvor investierte schon General Motors eine halbe Milliarde Dollar in das Unternehmen aus San Francisco. Weitere Vertreter wie die Google-Tochter Waymo und diverse US-amerikanische Start-ups tüfteln unter Hochdruck an der Roboterwagentechnik. Die Vorantreiber machen sich gegenseitig das Leben schwer: Uber muss sich gerade vor Gericht gegen den Vorwurf wehren, von Waymo gestohlenes Wissen eingesetzt zu haben.

Wer das Rennen um die beste Roboterflotte macht, ist unklar. Letztlich hängt es auch vom guten Willen der Behörden ab. Die Regierung von Grossbritannien vermeldete soeben, dass sie selbstfahrende Autos ab 2021 zulassen will. Ausgerechnet Grossbritannien. Das gleiche Land pocht seit Monaten darauf, dass Dienste wie Uber ihre Fahrer als Angestellte deklarieren und ihnen einen Mindestlohn bezahlen. Die britische Regierung ebnet mit der Zulassung den Weg für die selbstfahrenden Autos. Für eine Zukunft mit Robo-Taxis und ohne Taxifahrer.

Erstellt: 21.11.2017, 15:54 Uhr

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