Im Heimmarkt muss Coop kämpfen

In der Schweiz muss Coop hart ackern, um seine Marktposition zu halten. Der Grosshandel in sechs europäischen Ländern dagegen ist zum zweiten Standbein der Gruppe geworden.

Die schnelle Verpflegung als Wachstumssegment: Früchte und abgepacktes Gemüse in einer Coop-to-go-Filiale in Zürich. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Die schnelle Verpflegung als Wachstumssegment: Früchte und abgepacktes Gemüse in einer Coop-to-go-Filiale in Zürich. Foto: Anthony Anex (Keystone)

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Schlecht steht Coop nicht da. Vielleicht aber auch nicht ganz so gut, wie der Grossverteiler es der Öffentlichkeit weiszumachen versucht. Wie jedes andere Unternehmen bemüht sich Coop nach Kräften darum, gegenüber Medien und in eigenen Publikationen nur Positives zu kommunizieren. An der gestrigen Bilanzmedienkonferenz wurde etwa selbst der de facto leicht gesunkene Umsatz der Coop-Supermärkte als Wachstum dargestellt. Natürlich: Wenn die Preisveränderung des letzten Jahres hinausgerechnet wird, stimmt das. Allerdings: Selbst wenn rechnerisch ein Umsatzplus von 0,1 Prozent ausgewiesen werden kann, ist nicht mehr Geld in der Kasse gelandet, sondern weniger. Und das bei einer grösseren Zahl an Filialen und mit 1,5 Prozent mehr Ladenfläche.

Detailhandel hat es schwer

In Schieflage gerät Coop wegen dieser Mindererlöse im Stammgeschäft jedoch nicht. Und auch andere Geschäftsbereiche wie die Warenhäuser von Coop City oder die Baufachmärkte Bau+Hobby, die 2016 Umsatzeinbussen zu verzeichnen hatten, werfen die Gruppe mit einem Jahresumsatz von 28,3 Milliarden Franken nicht aus ihren Bahnen. Wenn nicht ein Journalist nachgefragt hätte, wäre Coop-Chef Joos Sutter gestern vor den Medien auf diese Bereiche aber nicht einmal eingegangen. Sutter spricht viel lieber von Erfolgen als von Schwierigkeiten. Er geht lieber auf die 8,8 Prozent Mehrumsatz ein, die mit Nachhaltigkeitslabeln erzielt wurden, als von einem Umsatzrückgang zu reden. Und er erzählt lieber vom ersten wasserstoffbetriebenen Lastwagen als von der gesunkenen Rentabilität im Inland.

Die Situation im Schweizer Detailhandel ist für Coop mit seinem bereits hohen Marktanteil alles andere als einfach: Der Konsum entwickelt sich nur schleppend, mit dem Einkaufstourismus geht Umsatz ins Ausland verloren, und auch die Zuwanderung ist nicht mehr so hoch, dass daraus ein signifikantes Marktwachstum resultieren würde. Zudem schläft die Konkurrenz nicht. Coop City oder die zur Gruppe gehörende Haushaltsgeräte- und Heimelektronikketten Fust und Interdiscount bekommen zudem den Onlinehandel zu spüren. In diesem Umfeld ist Coop 2016 mit seiner Detailhandelssparte auf einen Umsatz von 17,2 Milliarden Franken und einen operativen Gewinn (Ebit) von 457 Millionen Franken gekommen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Gewinn damit bei nur leicht gesunkenen Verkaufserlösen um rund 7 Prozent zurückgegangen. Im Ergebnis niedergeschlagen hat sich dabei neben der Marktsituation auch eine Umstellung bei der Logistik. Bis das neue Verteilzentrum in Schafisheim AG und die grosse Lebensmittelfabrik in Pratteln BL fertig gebaut und in Betrieb sind, gibt es Doppelspurigkeiten mit den bisherigen Prozessen. Und diese kosten erst einmal eine schöne Stange Geld.

Wie rentabel die einzelnen Geschäftsbereiche sind, weist Coop nicht separat aus. Öffentlich gemacht wird der Gewinn lediglich für die beiden Konzernsparten Detailhandel sowie Grosshandel und Produktion. Bei diesen Kennzahlen zeigt sich, dass Coop die richtige Strategie eingeschlagen hat, als es 2011 mit der Vollübernahme von Transgourmet die Chance packte, ein wichtiger Player im europäischen Lebensmittel-Grosshandel zu werden. Mit Abholmärkten für Geschäftskunden und der Belieferung von Gastronomiebetrieben kam Coop 2016 auf 8,6 Milliarden Franken Umsatz, 14,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Vom gruppenweiten Betriebsgewinn von 763 Millionen Franken stammen mittlerweile rund 40 Prozent aus dem Grosshandel, dem Fleischverarbeiter- und Lebensmittelhersteller Bell sowie den Produktionsbetrieben. Dies unterstreiche die Bedeutung der Zweibeinstrategie von Coop, so Sutter. Der Konzerngewinn belief sich auf 475 Millionen Franken.

Dass Coop auf gesunden Beinen steht, zeigt sich auch darin, dass sich die letztjährigen Investitionen von 1,9 Milliarden Franken grösstenteils aus eigener Kraft finanzieren liessen. An den Investitionen lässt sich gleichzeitig aber auch ablesen, wie hart Coops Kampf um seine Position auf dem Schweizer Markt sein muss. Mehr als die Hälfte der investierten Gelder blieben in der Schweiz. Viel Geld floss dabei in die Grossprojekte in Schafisheim und Pratteln, die in Zukunft erhebliche Effizienzgewinne im Schweizer Geschäft ermöglichen sollen. Geld steckt Coop aber auch in den Verkaufskanal Internet. Beim Onlineshopping hinkt das Unternehmen nämlich noch dem Rivalen Migros hinterher. Während Coop online 565 Millionen Franken Umsatz macht, kommt die Migros auf 1,9 Milliarden Franken.

Wachstumschance Convenience

Entwicklungspotenzial sieht Joos Sutter aber auch bei den Nachhaltigkeitslabeln. Diese weisen nicht nur seit Jahren hohe Wachtsumsraten aus, bei solchen ist auch die Marge gut. Weitere Wachstumschancen ortet der Coop-Chef schliesslich in Ladenformaten wie Coop Pronto oder Coop to go, also Läden an Bahnhöfen und anderen von vielen Passanten frequentierten Lagen, die hauptsächlich Esswaren zum schnellen Verzehr verkaufen. Einen grossen Schritt in diesem Geschäftsfeld hat Coop mit dem unlängst erfolgten Kauf der Aperto-Läden gemacht. Wie viel der Grossverteiler gezahlt hat, wird nicht bekannt gegeben. Kolportiert wird ein Kaufpreis von 100 Millionen Franken. Jedoch ist Coop wählerisch: Einige der Aperto-Läden werden demnächst an den Tankstellenbetreiber Oel-Pool weiterverkauft.

Erstellt: 14.02.2017, 20:17 Uhr

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