Im UBS-Verwaltungsrat sinkt die Frauenquote

Wo die beiden kommenden Verwaltungsräte der UBS bis jetzt ihre Spuren hinterliessen. Und weshalb keine Frau zum Zug kam.

Ermöglicht einen fliegenden Wechsel: UBS-Präsident Axel Weber, im Bild am WEF 2015 in Davos. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

Ermöglicht einen fliegenden Wechsel: UBS-Präsident Axel Weber, im Bild am WEF 2015 in Davos. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

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UBS-Präsident Axel Weber komplettiert seinen Verwaltungsrat (VR). Dem deutschen Ex-Notenbanker gelingen scheinbar zwei Spitzenverpflichtungen. Robert «Bob» Scully (66) gehörte bis 2009 zu den Topkadern der US-Investmentbank Morgan Stanley und sass danach eine Zeit lang im VR der riesigen Bank of America.

Der 58-jährige Dieter Wemmer, der zweite neue VR, der am 10. Mai von den Aktionären der Grossbank ins oberste Gremium gewählt werden soll, war als Finanzchef Teil der operativen Spitzencrew der Zurich-Versicherung und hält seither hohe Positionen beim deutschen Assekuranzmulti Allianz inne.

Scully und Wemmer scheinen also aufgrund der im Communiqué der Bank skizzierten Karrieren und ihrer Curriculums starke Zugänge für die strategische Oberleitung der grössten Schweizer Bank. Im Leistungsausweis der Wirtschaftskapitäne finden sich aber auch Schwächen.

Leiter des Vergütungskomitees

Scully gehörte nach Jahrzehnten an der Wallstreet zu den obersten Managern von Morgan Stanley, bis er die Investmentbank vor 7 Jahren verliess. Damals war das US-Haus von einer Führungskrise geplagt, Topleute mussten den Hut nehmen. Nicht so der Amerikaner. Scully verliess Morgan Stanley mit intaktem Ruf und fand eine neue Aufgabe im VR der Bank of America.

Dort leitete Scully, der in jüngeren Jahren bei der später untergegangenen Lehman Brothers aktiv gewesen war, das Vergütungskomitee. Mitarbeiter der Bank of America waren mit Boni derart angetrieben worden, dass sie Kunden gefährliche Hypotheken schmackhaft gemacht hatten.

Unter Scullys Verantwortung hielt die Bank jedoch in ihren Berichten stets fest, ihre Bonuspraxis würde «Risiken und Belohnungen adäquat ausbalancieren». Es gäbe keine Anreize für eine «unvorsichtige Risikonahme». Das sahen die Behörden offenbar anders. Jedenfalls musste die Bank of America 2014 der US-Justiz eine Rekordbusse von fast 17 Milliarden Dollar zahlen rund um Vergehen mit Hypothekarschuldnern.

Münteferings Heuschrecken

Bob Scully war da bereits ein Jahr nicht mehr dabei. Nach dem Ausscheiden als operativer Spitzenmann bei Morgan Stanley hatte er auch Einsitz im Board von Kohlberg, Kravis und Roberts (KKR). Aufsehen hatten KKR und weitere Fonds in Deutschland vor zehn Jahren erregt, nachdem der damalige SPD-Chef Franz Müntefering das Gebaren grosser ausländischer Private-Equity-Firmen wie KKR mit Heuschrecken verglichen hatte, die den einheimischen deutschen Industrieunternehmen Substanz absaugen und danach weiterziehen würden, ohne für die Folgen ihres Tuns Verantwortung zu übernehmen.

Spektakulär war Ende der 1980er-Jahre die 30-Milliarden-Übernahmeschlacht um den US-Tabakkonzern RJR Nabisco. Sie hatte die KKR zur Mutter aller Heuschreckenfirmen gemacht. Inzwischen hat sich der Begriff Geierfonds eingeprägt. Diesen benutzte der in der Panama-Papers-Affäre unter Druck geratene isländische Staatschef ebenso wie der neue Machthaber Argentiniens.

Für die UBS zählt anderes. Der Verwaltungsrat der KKR verkörpert ein Gremium einflussreicher amerikanischer Investoren. Scully kann der weltweit grössten Vermögensverwalterin, die auch in den USA eine Macht im Geschäft mit den Reichen ist, Zugang zu potenten Kunden und Deals verschaffen. Man habe guten Ersatz für Jes Staley gefunden, der inzwischen die operative Leitung bei der englischen Barclays-Bank übernommen hat, sagte eine UBS-Sprecherin auf Anfrage.

Webers fliegender Wechsel

Der zweite Neuzuzug trägt noch stärker die Handschrift von UBS-Präsident Axel Weber. Dieter Wemmer, ein Landsmann des Deutschen, war als Finanzchef weit oben in der operativen Führungsmannschaft der Zurich Insurance Group. Von dort kennen sich Wemmer und Axel Lehmann, der bei der Zurich bis 2015 die weltweiten Risiken verantwortete. Lehmann wiederum hat auf Anfang dieses Jahr einen ungewohnten Karrieresprung gemacht. Er schied nach langen Jahren im VR der UBS aus, um bei der Grossbank die Funktion des Chief Operating Officers zu übernehmen.

Ermöglicht hat den fliegenden Wechsel VR-Präsident Weber. Der gleiche Weber hat nun mit Dieter Wemmer erneut jemanden in der Versicherungsbranche gefunden. Sein neuer Mann für die strategische Leitung hatte die Zurich 2012 in Richtung Deutschland verlassen, wo er bei Konkurrentin Allianz Führungspositionen im Finanzteil des Unternehmens übernahm.

Wemmer ist schon zu lange bei der Zurich weg, um ihn mit der akuten Krise beim Versicherungskonzern in Zusammenhang zu bringen. Ein Teil der Verluste, welche die Zurich heute zu verdauen hat, stammen allerdings aus einer Offensive in Deutschland zu seiner Zeit. Im dortigen Sachversicherungsgeschäft musste die Zurich wegen stark unterschätzter Haftpflichtrisiken 2012 über eine halbe Milliarde Dollar abschreiben. Genau in jenem Jahr trat Wemmer bei der Zurich zurück – gleich wie Mario Greco, der inzwischen an seine alte Wirkungsstätte heimgekehrt ist und die Zurich wieder flottmachen soll.

3 Frauen und 8 Männer

Auch Wemmer passe gut zur Bank, sagte die UBS-Sprecherin im Gespräch. Dass zwei Männer ins Obergremium einziehen, finde die Bank zwar nicht ideal. Es habe sich aber leider keine verfügbare Kandidatin finden lassen. Immerhin seien 3 von 11 Verwaltungsräten Frauen.

Erstellt: 05.04.2016, 15:03 Uhr

Dieter Wemmer (l.) und Robert «Bob» Scully. Fotos: Keystone, PD

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