Zum Hauptinhalt springen

In Europas grösster Bank brennt es an allen Ecken

Die britische Bank HSBC muss zwei Milliarden Dollar wegen Geldwäscherei und Falschberatungen zurückstellen. Der Konzernchef spricht von «peinlichen Fehlern». Auch für die Royal Bank of Scotland sieht es nicht gut aus.

«Vom Weg abgekommen»: HSBC-Tower in London.
«Vom Weg abgekommen»: HSBC-Tower in London.
AFP

Geldwäscherei, Falschberatung von Kunden und Zins-Tricksereien: Die Vorwürfe gegen die britische Grossbank HSBC nehmen kein Ende. HSBC-Chef Stuart Gulliver räumte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen ein, dass es in Europas grösster Bank an allen Ecken brennt.

«Die Bank ist klar vom Weg abgekommen», sagte er. Es werde lange dauern, das lädierte Image wieder aufzupolieren und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Insgesamt 2 Milliarden Dollar stellte die Bank zurück, um sich für Strafen und Entschädigungszahlungen zu wappnen.

Das alles belastet zusehends das Ergebnis: Der bereinigte Vorsteuergewinn schrumpfte in den ersten sechs Monaten um 3 Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar, wie die Bank mitteilte.

Allein wegen der laxen Geldwäscherei-Kontrollen droht HSBC eine Milliardenstrafe durch die Aufseher in den USA. Dort hatte ein Senatsausschuss der Bank unlängst eine schallende Ohrfeige erteilt. Die Prüfer kamen nach einjähriger Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Bank ihren Kunden über Jahre dabei geholfen hat, fragwürdige Gelder aus Ländern wie Mexiko, dem Iran, Saudiarabien oder Syrien zu transferieren.

«Peinliche» Fehler kosten Millionen

Ein Topmanager des Instituts kündigte bereits seinen Rücktritt an. Auch Gulliver zeigte sich nun reumütig und sprach von «peinlichen» Fehlern, die gemacht worden seien. Der Konzern entschuldige sich dafür. HSBC hat für die absehbare Geldwäsche- Strafe 700 Millionen Dollar zur Seite gelegt. Ob das ausreicht, ist nach den Worten von Gulliver völlig offen.

Die übrigen 1,3 Milliarden Dollar hält HSBC für die Entschädigung von Privat- und Geschäftskunden in Grossbritannien bereit, die die Bank beim Verkauf von Restschuldversicherungen und diversen Zinsabsicherungsprodukten falsch beraten hatte. Auch andere britische Grossbanken mussten hier für Schadenersatzzahlungen schon tief in die Tasche greifen.

Mögliche Kosten der Libor-Affäre noch unklar

Bedeckt hielt sich HSBC dagegen zu den Zinsermittlungen. Ermittler in der EU, den USA, der Schweiz, Grossbritannien und anderswo nehmen derzeit mehr als ein Dutzend Grossbanken unter die Lupe, darunter auch HSBC. Den Banken wird vorgeworfen, wichtige Referenz-Zinssätze wie den Libor und den Euribor manipuliert zu haben.

HSBC-Chef Gulliver erklärte, sein Haus habe die angeforderten Informationen geliefert. Es sei aber noch viel zu früh, die Ergebnisse der Zins-Ermittlungen vorherzusagen - geschweige denn potenzielle Kosten für die Bank.

RBS manipulierte Zinsen

Die grossteils verstaatlichte britische Royal Bank of Scotland (RBS) hingegen rechnet bereits mit einer saftigen Strafe im Skandal um manipulierte Libor-Zinssätze. Die RBS sei Gegenstand von Untersuchungen der britischen Finanzaufsicht FSA, sagte RBS-Konzernchef Stephen Hester heute der Zeitung «The Guardian». «RBS ist eine der Banken, die im Libor-Skandal gefangen sind», sagte Hester. Er gab aber keine Prognosen ab, wie hoch die Strafe ausfallen könnte.

Am Wochenende hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die RBS, ihr britischer Konkurrent Barclays und die UBS im Zentrum der Ermittlungen stünden. Der Manipulation bezichtigte Händler hätten offenar jahrelang, auch über Stellenwechsel hinweg, ein Netzwerk gebildet.

Barclays hatte 290 Millionen Pfund (445 Millionen Franken) an die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Grossbritannien sowie an das US-Justizministerium zahlen müssen. Händler der Bank hatten in den Jahren 2005 bis 2009 nachweislich zu niedrige Zinssätze zur Ermittlung des Libor-Satzes gemeldet.

Selbstanzeige der UBS

Barcays war die erste Bank gewesen, die des Fehlverhaltens beschuldigt wurde und dieses auch zugab. Die UBS hat sich bereits vor Wochen selbst bei der schweizerischen Wettbewerbskommission angezeigt.

Ermittler in der EU, den USA, der Schweiz, Grossbritannien und anderswo nehmen mehr als ein Dutzend Grossbanken unter die Lupe. Untersuchungen laufen auch gegen die zweite Schweizer Grossbank, die Credit Suisse.

Der Libor gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Darüber hinaus wird er als Referenzzins für diverse Geldgeschäfte herangezogen. Er wird aus einem Durchschnitt der gemeldeten Sätze von 18 Banken ermittelt.

Die EU-Kommission hat bislang nicht veröffentlicht, gegen welche Banken sie ermittelt. Sie untersucht Verzerrungen beim europäischen Interbankensatz Euribor, dem Londoner Satz Libor und dem Tokioter Pendant Tibor. Von offizieller Seite gab es keinen Kommentar.

SDA/kle

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch