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Hätte es Zuckerberg auch in Zürich geschafft?

Ein Wirtschaftsprüfer rechnet durch, wieviel Vermögenssteuern der Facebook-Gründer an der Limmat hätte bezahlen müssen. Und das sieht happig aus.

Am 4. Februar 2004 gründete der damals 19-jährige Mark Zuckerberg das soziale Netzwerk Facebook .
Am 4. Februar 2004 gründete der damals 19-jährige Mark Zuckerberg das soziale Netzwerk Facebook .
Matt Rourke, Keystone
Seit 2011 befindet sich der Hauptsitz von Facebook Inc.in Menlo Park; eine Stadt im US-Bundesstaat Kalifornien.
Seit 2011 befindet sich der Hauptsitz von Facebook Inc.in Menlo Park; eine Stadt im US-Bundesstaat Kalifornien.
Ben Margot, Keystone
Trotzdem hätte der Facebook-Chef Mark wohl seine Jogging-Runden durch die Limmatstadt gedreht.
Trotzdem hätte der Facebook-Chef Mark wohl seine Jogging-Runden durch die Limmatstadt gedreht.
Paul Zinken, Keystone
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Hätte sich Facebook auch in Zürich zu einem der wichtigsten Tech-Konzerne der Welt entwickeln können? Dieser Frage ging die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nach. Die Antwort ist: «Facebook wäre in Zürich vermutlich gescheitert», wie KPMG-Partner Michael Sterchi gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt.

Sterchis Aussage wird durch einen Vergleich zwischen der finanziellen Entwicklung von Facebook seit 2004 mit dem aktuellen Steuerregime im Kanton Zürich belegt. Zuckerberg hätte in Zürich alleine in den acht Jahren bis zum Börsengang Vermögenssteuern in der Höhe von 285,5 Millionen Franken bezahlen müssen.

Begründet wird das so: Start-ups sammeln Geld über sogenannte Finanzierungsrunden ein. Wenn hoffnungsvolle Investoren ein grosses Geschäft wittern, kaufen sie die Aktien. Im Kanton Zürich werden die bezahlten Aktienpreise aber für die Bewertung des Vermögens der Firmengründer herangezogen.

Exodus statt Start-ups

Jungunternehmen und die kantonale Finanzdirektion lägen sich deshalb seit Monaten in den Haaren, schreibt die «SonntagZeitung». Start-up-Gründer drohten mit dem Wegzug, auch weil eine neue Berechnungspraxis im Kanton Zürich dazu führe, dass sie ihre Steuerrechnungen nicht mehr bezahlen könnten. Seit März gewähre der Kanton Zürich zwar eine Übergangsfrist von insgesamt fünf Jahren. Doch das Problem werde damit nicht wirklich entschärft, wie die Berechnung der KPMG zeigten. Zuckerbergs Belastung wäre nur auf 264,2 Millionen Franken gesunken.

In den ersten drei Jahren hätte der Facebook-Chef zwar weniger Vermögenssteuern abgeben müssen, aber bereits im vierten Jahr wären 9 Millionen fällig gewesen. Wie wäre dieser Betrag für Zuckerberg zu finanzieren gewesen? Weil die Firma zu dieser Zeit keinen Gewinn auszuweisen hatte und Reserven fehlten, hätte sie keine Dividenden ausschütten dürfen, um Zuckerbergs Steuern zu begleichen.

Zu frühe Besteuerung

Gemäss Sterchi wäre eine andere Variante gewesen, dass sich Zuckerberg durch ein hohes Salär entlohnen lässt. Doch das wiederum wäre von den Investoren nicht gutgeheissen worden. Zuckerberg wäre wohl nur übrig geblieben, seine Aktienanteile zu verkaufen. Doch auch hier sieht Sterchi ein Problem: «Die Investoren möchten nicht einem Gründer Millionen für Aktien bezahlen, damit dieser mit dem Geld seine Steuern begleicht.»

Sterchi folgert daraus, dass Start-ups in Zürich viel zu früh Steuern bezahlen müssen. Nicht die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens werde besteuert, sondern die Ertragserwartungen, welche die Investoren in das Start-up hätten. Eine Erfolgsgeschichte, wie die von Facebook, wäre demnach nicht möglich gewesen. Sterchi moniert, dass der Staat selbst dann profitiere, wenn das Start-up nach einigen Jahren in Konkurs gehe, aber die Vermögenssteuern bereits beglichen habe.

Nosers Bedenken

Für den FDP-Ständerat und Unternehmer Ruedi Noser besteht darum Anlass zu einer Praxisänderung. Das Steuerregime in Zürich werde der Wirtschaftswelt nicht mehr gerecht. Heute seien Talente die wichtige Ressource; sie müssten anders besteuert werden, denn Unternehmer wie Zuckerberg hätten – wenn überhaupt –erst nach vielen Jahren durchschlagenden Erfolg. Noser zeigt sich besorgt darüber, dass erfolgsversprechende Start-ups abwandern. Und er sieht den Wohlstand in Gefahr: Unter den heutigen Bedingungen könne hier keine Firma von der Bedeutung einer Novartis oder Roche entstehen. Laut Noser braucht es deshalb ein Steuermodell, mit dem ein Unternehmer à la Zuckerberg in der Schweiz bleiben könnte.

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