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In zwei Tagen 530 Millionen gewonnen

Credit Suisse hat gleich zwei neue Grossaktionäre: Morgan Stanley handelte wider Willen, die israelische Koor im Stil eines Traders mit perfektem Timing.

Es sieht nach Deal des Jahres aus - wenn sich denn die Börsen tatsächlich nachhaltig erholen sollten und der Tiefpunkt der Krise überstanden ist. Letzten Freitag kaufte die israelische Beteiligungsgesellschaft Koor eine 3-Prozent-Beteiligung an der Credit Suisse. Der Preis für die 34 Millionen Aktien: rund 1,2 Milliarden Franken. Gestern schloss die Aktie 44,2 Prozent höher. Der (Buch-)Gewinn in zwei Handelstagen: 530 Millionen Franken.

Das Glück von Koor ist das Pech der CS. Die Aktien stammen samt und sonders aus ihren Beständen. Die Grossbank hat damit ein riesiges Aktienpaket zu einem Schleuderpreis verkauft - so scheint es aus gestriger Perspektive. Warum sie das ausgerechnet am Ende ihrer schwärzesten Börsenwoche machte - die Aktie verlor 40,3 Prozent -, darüber kann nur gerätselt werden. Die CS selbst äussert sich dazu nicht. Ein Notverkauf scheint unwahrscheinlich. Erst letzte Woche hatte CS-Chef Brady Dougan wiederholt, seine Bank sei trotz des schwierigen dritten Quartals gut positioniert und werde daraus Nutzen ziehen.

Mehr Klarheit besteht über die Absichten der Israeli. Die CS-Beteiligung sei ein «reines Finanzinvestment», sagte Finanzchef Oren Hillinger dem TA. Zu Spekulationen, Koor habe zugesichert, man hege langfristige Interessen, äusserte er sich nicht. Koor ist letzten November erstmals bei der CS eingestiegen. Ende Juni hielt sie Aktien im Wert von rund 100 Millionen Franken. Es folgte eine Phase des aktiven Tradings. Bis Mitte Juli stieg der CS-Anteil auf 1,02 Prozent an, Ende August lag er bei 0,6 Prozent, Mitte September bei 1,21 Prozent, Ende September bei null. Der Gewinn gemäss Koor: 167 Millionen Franken.

Die 1944 gegründete Koor Industries ist eine Finanzbeteiligungsgesellschaft. Bisher war sie vor allem aktiv in Agrochemie, Telekommunikation, Technologie und im Verteidigungssektor. Ihre Muttergesellschaft Discount Investment, die 50,5 Prozent an Koor hält, gehört dem israelischen TA-25-Aktienindex an.

Ganz anders die weit grössere Beteiligung der US-Bank Morgan Stanley. Diese hält über diverse Tochtergesellschaften neu 6,9 Prozent an der CS. Branchenexperten sind sich einig, dass es sich dabei nicht um einen strategischen Einstieg handelt. Das Paket stamme von Morgan-Stanley-Kunden, etwa von Hedge-Funds, hiess es aus CS-Kreisen. Ein schneller Verkauf bei höheren Kursen sei wahrscheinlich. Dass Morgan-Stanley-Chef John Mack ausgerechnet jetzt, wo seine Bank auf Staatsgelder hoffen muss, eine triumphale Rückkehr in Zürich plane, gehört wohl ins Reich der Märchen. Mack hatte 2004 den Machtkampf um die CS-Spitze gegen Oswald Grübel verloren.

Meldepflichten verletzt?

Der Morgan-Stanley-Kauf könnte ein Nachspiel haben. Er fand am 1. Oktober statt, wurde aber erst am 13. Oktober gemeldet. Gemäss Börsenverordnung hätte dies innert sechs Börsentagen geschehen müssen. Die Meldung sei erst am 7. Oktober bei ihr eingetroffen, erklärte die CS. Warum sie den Einstieg nicht wie gefordert nach zwei Börsentagen veröffentlichte, wollte die Grossbank nicht sagen.

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