Indische Connection

Die Familie Gupta versteht sich geschäftlich bestens mit dem Sohn von Südafrikas Präsident Zuma. Dies bekam der Schweizer Konzern Glencore beim Verkauf einer Kohlemine zu spüren.

Pflegen enge Geschäftsverbindungen: Die Brüder Ajay und Atul Gupta und Duduzane Zuma(v.l.) Foto: Gallo, Getty Images

Pflegen enge Geschäftsverbindungen: Die Brüder Ajay und Atul Gupta und Duduzane Zuma(v.l.) Foto: Gallo, Getty Images

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Die korrupten Beziehungen zwischen dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma und einer aus Indien stammenden Unternehmerfamilie, den Guptas, sorgen am Kap der Guten Hoffnung für immer neue Schlagzeilen. Ein besonders krasser Fall betrifft den Kauf der bislang vom Schweizer Rohstoffkonzern Glencore betriebenen Kohlemine Optimum durch die Gupta-Firma Tegeta Exploration & Resources Ltd. An Tegeta ist auch der Sohn von Südafrikas Präsident Jacob Zuma, Duduzane Zuma, beteiligt.

Die südafrikanische Wochenzeitung «Sunday Times» zitierte einen namentlich nicht genannten Glencore-Manager mit den Worten, der Schweizer Bergwerksriese habe die Kohlemine eigentlich gar nicht verkaufen wollen, sei jedoch zu deren Veräusserung gezwungen worden. Offiziell wollte sich der Konzern zu den Vorwürfen nicht äussern: «Kein Kommentar», sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage des «Tages-Anzeigers». Doch die Vorgänge um die Kohlemine in der südafrikanischen Mpumalanga-Provinz sprechen eine klare Sprache.

Die Optimum Coal Mine versorgt den südafrikanischen Stromproduzenten Eskom seit 1993 mit Kohle für dessen Kraftwerk in Hendrina. Damals war vereinbart worden, dass die Mine bis zum Jahr 2018 jährlich 5,5 Millionen Tonnen Kohle zu einem Preis von 150 Rand pro Tonne liefern wird. Nach Glencores Erwerb der Mine vor vier Jahren und dem anschliessenden Kollaps des Kohlepreises von rund 100 auf heute knapp 50 Dollar pro Tonne stellte sich die Produktion für Hendrina als unwirtschaftlich heraus: Zuletzt soll Optimum die Förderung einer Tonne Kohle 400 Rand gekostet haben. Glencore wandte sich daraufhin mit der Bitte um eine Neuverhandlung des Vertrags an Eskom – mit dem Ziel, die Versorgung der Hendrina-Mine auf längere Sicht zu sichern. Ein Vorgang, der in der Branche nicht unüblich ist. Eskom hat seit Jahren mit ständiger Stromknappheit zu kämpfen, die die südafrikanische Wirtschaft bis jetzt Milliarden von Dollar kostete.

Einsprache blieb erfolglos

Trotzdem weigerte sich der staatliche Konzern, dessen Verwaltungsratspräsident und CEO dem Präsidenten nahezustehen pflegen, die Vereinbarung neu auszuhandeln und kündigte den Vertrag mit Optimum im Juni 2015. Kurze Zeit später wurde die Mine sogar mit einer Strafe von mehr als zwei Milliarden Rand (damals rund 200 Millionen Franken) belegt, weil die gelieferte Kohle nicht den vereinbarten Qualitätsstandards entspreche.

Unabhängige Experten zogen diese Begründung infrage, weil die Verbrennungsöfen des Hendrina-Kraftwerks eigens für qualitativ mangelhafte Kohle ausgelegt seien. Ausserdem akzeptierte Eskom die angeblich minderwertige Kohle und sandte sie nicht, wie es üblich gewesen wäre, zurück. Glencore machte eine Einsprache gegen die Strafe, blieb damit allerdings erfolglos.

Eine Fortsetzung der Kohlelieferung unter dem bisherigen Preis und der Einrechnung der Strafzahlung hätte laut Glencore bedeutet, dass Optimum die Kohle für einen Rand pro Tonne an Eskom verkauft hätte, was nach heutigem Kurs sechs Rappen entspricht. Im August des vergangenen Jahres sah sich Glencore gezwungen, die Optimum-Mine unter Gläubigerschutz zu stellen.

Schon zuvor hatte die Gupta-Firma Tegeta Interesse am Erwerb von Optimum gezeigt, war jedoch von Glencore abgewiesen worden. «Wir wollten die Mine eigentlich nicht verkaufen», sagte der namentlich nicht genannte Glencore-Manager zur «Sunday Times». Bei den Verwaltern des unter Gläubigerschutz gestellten Unternehmens meldete ausser Tegeta auch ein Konsortium unter dem südafrikanischen Geschäftsmann Peter Temane Interesse am Kauf der Mine an. Trotz eines besseren Angebots – 3,1 Milliarden statt 2,15 Milliarden Rand – kam das Konsortium nicht zum Zug. «Es ist schwer, gegen die Fangarme der Guptas in Südafrika etwas auszurichten», sagte ein Geschäftsmann, der anonym bleiben will. Gegen den Beschluss der Verwalter des Gläubigerschutzes ging Temane inzwischen vor Gericht.

Das grosse Interesse der südafrikanischen Regierung am Verkauf von Optimum an Tegeta verdeutlicht der aussergewöhnliche Umstand, dass der Minister für Minen, Mosebenzi Zwane, im Dezember eigens nach Zürich reiste, um bei Anwesenheit einer Delegation der Gupta-Familie den Verkauf der Optimum-Mine mit Glencore-Chef Ivan Glasenberg auszuhandeln. Zwane war nur drei Monate zuvor überraschend zum Minister berufen worden. Der Provinzpolitiker galt in der Bergwerksbranche als vollkommen unerfahren, ist jedoch eng mit der Familie Gupta verbunden: Zwei seiner engsten Mitarbeiter haben direkte geschäftliche Kontakte mit den drei Gupta-Brüdern Atul, Ajay und Rajesh. Der Einsatz des Ministers zahlte sich aus: Glasenberg erklärte sich zum Verkauf der Kohlemine für 2,15 Milliarden Rand bereit. Vier Jahre zuvor hatte Glencore mehr als das Zehnfache für Optimum bezahlt.

In der südafrikanischen Presse wurde inzwischen bekannt, dass Tegeta kurz vor dem Kauf der Kohlemine fast zwei Drittel seiner Anteile an Mabengela Investments überschrieb, die zu 45 Prozent dem Präsidentensohn Duduzane Zuma gehörte. Die Firma wurde inzwischen in die Minenholding Shiva der Gupta-Familie integriert. An ihr ist Duduzane Zuma mit rund 10 Prozent beteiligt. Ausserdem sitzt der Präsidentensohn gemeinsam mit Mitgliedern der Gupta-Familie im Verwaltungsrat von mindestens 12 Unternehmen.

Rücktritt von Zuma gefordert

Ob die künftigen Eigentümer der Optimum-Mine einen neuen Vertrag mit Eskom aushandeln und die Strafzahlung vermeiden können, ist momentan noch unklar. Branchenkenner weisen darauf hin, dass die Allianz aus Präsidentensohn und Gupta-Familie für die anfallenden Optimum-Verluste auch durch höhere Preise für die Belieferung anderer Kohlekraftwerke belohnt werden könnte: Shiva versorgt Eskom bereits in einem Umfang von vier Milliarden Rand mit Kohle.

Die engen Verbindungen zwischen dem südafrikanischen Präsidenten und der indischen Familie führten in jüngster Zeit zu zahllosen Rücktrittsforderungen gegenüber Zuma: Die Verwicklung der Regierung in den umstrittenen Verkauf der Optimum-Mine müsse dringend aufgeklärt werden, sagte selbst ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe jüngst vor der Presse.

Erstellt: 03.04.2016, 22:34 Uhr

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Gehörte einst Glencore und wird jetzt von der Gupta-Familie kontrolliert: Die Kohlemine Optimum. Foto: Gallo, Getty Images

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