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Industriewerk Bellinzona bangt um Grossauftrag

Noch immer ist offen, ob die Hupac ihre Güterwagen weiter in Bellinzona warten lässt. Für die Zukunft des Industriewerks ist dieser Auftrag zentral.

Die im kombinierten Verkehr tätige Firma Hupac hat den Unterhalt ihrer Güterwagen neu organisiert. Künftig kümmert sich die Zuger Ahaus-Alstätter Eisenbahn Cargo AG (AAE) um den Service der Hupac-Flotte. Mit gut 23'000 Güterwagen, die sie an rund 100 Kunden vermietet, gehört die AAE zu den Grossen im europäischen Bahngüterverkehr. Für die Hupac ergeben sich aus der Zusammenarbeit Optimierungs- und Einsparungspotenziale, insbesondere auf der Ost-West-Achse, die für die Firma immer wichtiger wird.

Die neue Zusammenarbeit wird sich auch auf das Industriewerk der SBB in Bellinzona auswirken. Bisher hat die Hupac ihre rund 3500 Güterwagen dort warten lassen. Klar ist heute, dass ein Teil dieses Volumens verloren gehen wird, nämlich jene Wagen, die auf der Ost-West-Achse und damit weit weg von Bellinzona verkehren. Das muss aber nicht zwangsläufig heissen, dass es für die Officine weniger zu tun gibt. Denn es könnten künftig auch Wagen der AAE dort gewartet werden. Markus Vaerst, Operationschef der AAE, bestätigt, dass derzeit genau darüber verhandelt wird.

Da es um Unterhaltsverträge für das kommende Jahr geht, müssen diese Verhandlungen demnächst zu einem Abschluss kommen. Die Tatsache, dass Vaerst keine Fragen zu möglichen Volumen und Tarifen beantworten will, zeigt, dass derzeit hinter den Kulissen hart gerungen wird. «Alles reine Spekulation» sagt er zu Zeitungsberichten, wonach Bellinzona den Hupac-Auftrag verlieren könnte. Aber er bestätigt auch, dass die AAE nicht nur mit dem SBB-Werk verhandelt.

Mit einem Auftragsvolumen von rund 20 Millionen Franken pro Jahr ist die Hupac derzeit der grösste externe Kunde des Werks. Eigentlich hätte sie die Unterhaltsverträge für 2009 bis Ende Juni unter Dach bringen wollen. Mit Rücksicht auf den runden Tisch hat sie diesen Termin aber hinausgezögert. Nun kümmert sie sich also nicht mehr selber um den Unterhalt. Die SBB sind mit fast einem Viertel der Aktien an der Hupac beteiligt. Cargochef Nicolas Perrin sitzt in deren Verwaltungsrat.

Für die Rollende Landstrasse zu teuer

Bereits früher hatte die RAlpin, die Betreiberin der Rollenden Landstrasse, den Unterhalt ihrer Güterwagen von Bellinzona ins deutsche Offenburg verlegt. Dies, weil das Industriewerk Bellinzona «in gewissen Bereichen zu teuer ist», wie RAlpin-Chef René Dancet sagte. Zöge auch noch die Hupac ihren Wagenpark teilweise oder ganz aus Bellinzona ab, dürfte der am runden Tisch ausgehandelte Effizienzplan Makulatur werden. Dieser zielt darauf ab, das Betriebsergebnis des Industriewerks um 10 Millionen pro Jahr zu verbessern.

Mittelfristig wird der Lokomotiven- und Güterwagenpark der SBB der Officine von Bellinzona weniger Arbeit bescheren als heute. Mit höherer Produktivität und grösserer Flexibilität will dieses daher neue Drittkunden anlocken, um die Anlagen weiterhin auslasten zu können. Hupac und AAE sind der erste ernsthafte Testfall für diese neue Strategie.

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